Blöd gelaufen! Spektakuläre Beinahetransfers der Fußball-Bundesligisten
Blöd gelaufen! Spektakuläre Beinahetransfers der Fußball-Bundesligisten
Von Florian Krekel

Baden-Baden - Die Top-Clubs des deutschen und europäischen Fußballs beschäftigen seit jeher für viel Geld große Heerscharen an Talentspähern, die in jedem Winkel des Erdballs nach Könnern am runden Leder suchen. Oft gelingt das. Doch ehe die Talente dann ihre Signatur unter einen Profivertrag setzen dürfen, müssen erst noch die Clubbosse, Finanzjongleure und Teammanager ihr grünes Licht geben. Doch manches Mal scheint deren Talenterkennung über den Nerv angesteuert zu werden, auf den die (freilich imaginäre) Clubgeldbörse in der Gesäßtasche drückt. Das führt zu einigen Situationen, die man simpel mit den folgenden Worten umschreiben könnte: "Blöd gelaufen!" Die spektakulärsten Beinahetransfers:

Ronaldo zum VfB Stuttgart: Die berühmteste und zugleich wohl auch einprägsamste Geschichte in dieser Rubrik trägt sich im April 1994 zu. Damals wird der VfB-Nachwuchstrainer Ralf Rangnick nach Brasilien geschickt, um dort zwei Talente unter die Lupe zu nehmen. Eines von ihnen ist Ronaldo Luís Nazário de Lima. Rangnick schaut sich ein Spiel des brasilianischen Erstligisten Cruzeiro Belo Horizonte an, zu dessen Aufgebot der erst 17-Jährige zählt.

90 Minuten, zwei Tore und zwei Vorlagen später ist sich Rangnick, wie er später schildert, sicher - den muss der VfB haben. Der junge Ballakrobat willigt im Gespräch mit Rangnick ein, es scheint alles geklärt. Doch Cruzeiro forderte fünf Millionen Dollar Ablöse - damals umgerechnet zwischen neun und zehn Millionen Mark. Zu viel für den VfB.

Rangnick fleht, so wird es später überliefert, Clubmanager Dieter Hoeneß an: "Überfallen Sie notfalls eine Bank, aber kaufen Sie ihn." Dem VfB ist das Risiko zu groß. Die Schwaben sagen ab.

Schließlich sichert sich der PSV Eindhoven dank dem finanzkräftigeren Hauptsponsor Philips den 17-Jährigen. Er schießt in 57 Pflichtspielen 54 Tore, Eindhoven verkauft ihn 1996 für 30 Millionen Mark an den FC Barcelona und der später weiter für damals unglaubliche 50 Millionen Mark an Inter Mailand. Und die Welt lernt diesen 17-Jährigen kennen als Ronaldo - Weltfußballer 1996, 1997, 2002; Europas Fußballer des Jahres 1997, 2002 und Weltmeister 1994 und 2002.


Andrij Schewtschenko zum 1. FC Köln: 127 Tore in 208 Spielen erzielt der heutige ukrainische Nationaltrainer zwischen 1999 und 2006 für den AC Mailand. Dann wechselt er für 46 Millionen Euro zum FC Chelsea London.

Doch ehe er nach Mailand kommt, hätte der 1. FC Köln die Chance der Clubgeschichte gehabt. Wie der "Spiegel" einst berichtet, soll ein Spielerberater den Ukrainer 1995 für etwa 150 000 Mark angeboten haben. Schewtschenko ist damals 18 Jahre alt und spielt bei Dynamo Kiew.

Kölns Trainer Peter Neururer hat 1995 schon alles unter Dach und Fach - Schewtschenko hätte für ein lächerliches Gehalt im Müngersdorfer Stadion gegen den Ball getreten, doch Köln-Manager Carl-Heinz Rühl soll laut Neururer nur gesagt haben: "Nein, Du mit deinen Exoten."

Schewtschenko gewinnt mit dem AC Mailand die Champions League (2003), erzielt in der "Königsklasse" 48 Tore in 100 Einsätzen.


Gareth Bale zum Hamburger SV: Die astronomische Summe von knapp 100 Millionen Euro blättert Real Madrid 2013 für den Waliser hin. Wie ärgerlich wird man sich beim HSV da denken. Denn wie dessen ehemaliger Trainer Martin Jol 2014 ausplaudert, hätten die Hanseaten den Rohdiamanten einst für lächerliche sechs Millionen verpflichten können.

Jol war im Sommer 2008 als neuer Trainer aus Tottenham zum HSV gekommen. Wegen zahlreicher Verletzungen entwickelt sich Bale damals in Tottenham, wie die "Bild" später rekapituliert, nicht wie erhofft - und soll abgegeben werden. Doch dem HSV sind die sechs Millionen zu viel - obwohl Jol vehement für eine Verpflichtung des 19-Jährigen plädiert. Und auf ein Leih-Geschäft lassen sich die Tottenham-Bosse nicht ein.

Bale gewinnt mit Madrid 2014, 2016, 2017, 2018 die Champions League, erzielt in bisher 204 Partien für die Königlichen 93 Tore und gibt 63 Vorlagen, wie das Portal Transfermarkt.de auflistet.


Foto: Archiv/dpa. Ronaldo beim Torjubel 1999 im Trikot von Inter Mailand.

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