Arztmörder steht vor Gericht
Arztmörder steht vor Gericht
Offenburg (red) - Der Mann, der im August in Offenburg einen Arzt in dessen Praxis erstochen hat, muss sich bald vor dem Landgericht Offenburg verantworten.

Der Angeklagte soll am 16. August den Ermittlungen zufolge kurz vor 9 Uhr die Praxisräume des Mediziners betreten haben. Dort soll er sich direkt in ein Behandlungszimmer begeben und mit einem Messer mehrfach auf den 52-jährigen Arzt eingestochen haben, um ihn zu töten, rekapituliert die Staatsanwaltschaft. Eine Arzthelferin versuchte, einzugreifen, und erlitt dabei eine Schnittverletzung. Der Arzt erlag noch vor Ort seinen zahlreichen Stichverletzungen, die er im Bereich des Kopfes und im Hals erlitten hatte.

Die sofort eingeleitete Fahndung durch ein Großaufgebot der Polizei mit über 20 Polizeistreifen, per Hubschrauber- und Hundestaffel und mit Unterstützung der Bundespolizei führte allerdings bereits gegen zehn Uhr zur Festnahme des 26- jährigen Tatverdächtigen, der zunächst noch geflüchtet war. Der Mann befindet sich seitdem in Untersuchungshaft.

Anklage lautet auf Mord

Die Anklage lautet auf Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Das Vorgehen bei der Tat wird unter anderem als heimtückisch gewertet, da der Arzt nicht mit einem Angriff rechnete und demzufolge in seiner Verteidigungsfähigkeit eingeschränkt war, was dem Tatverdächtigen bewusst gewesen sei, schreibt die Staatsanwaltschaft.

Motiv noch unklar

Das Motiv des mutmaßlichen Täters konnte laut Mitteilung der Behörden noch nicht vollständig geklärt werden. "Seinen Äußerungen zur Tat und seinem Verhalten zufolge ergeben sich Anhaltspunkte dafür, dass der Mann an einer psychischen Erkrankung leidet", so die Behörden.

Psychische Erkrankung möglich

Möglicherweise litt er unter Verfolgungswahn und hatte für sich die Vorstellung, durch den Mediziner vergiftet worden zu sein", schreibt die Staatsanwaltschaft. Gegenstand der Hauptverhandlung wird daher auch die Prüfung der Schuldfähigkeit des Mannes sein. Sollte eine Schuldunfähigkeit vorliegen, kommt die zwangsweise Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung in Betracht, sofern von dem Mann weiterhin eine schwerwiegende Gefahr ausgeht, heißt es von der Staatsanwaltschaft Offenburg weiter.

Verdächtiger hatte Asylantrag gestellt

Der Tatverdächtige reiste im November 2015 in die Bundesrepublik ein. Eigenen Angaben gemäß stamme er aus Somalia. In Deutschland hat er einen Asylantrag gestellt, der im April 2017 abgelehnt wurde. Zugleich wurde dem nicht vorbestraften Mann ein subsidiärer Schutzstatus zuerkannt, so dass er sich zum Zeitpunkt der Tat legal in Deutschland aufhielt.

Symbolfoto: dpa

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