Eine neue Chance für den Schlaf
Eine neue Chance für den Schlaf
Freiburg (red) - Menschen, die unter chronischen Schlafproblemen leiden, soll künftig direkter geholfen werden. Dafür wird unter Leitung des Universitätsklinikums Freiburg das Projekt "Get Sleep - Stepped Care Modell für die Behandlung von Schlafstörungen" mit mehr als sechs Millionen Euro durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) gefördert, wie die Uniklinik mitteilte.

Das geplante Modell basiert demnach auf der Beratung durch den jeweiligen Hausarzt und eine spezielle Online-Behandlung. Rund 500 Hausärzte in Baden-Württemberg und Bayern sollen am vier Jahre laufenden Projekt teilnehmen - sowie mehrere Tausend Betroffene behandelt werden.

Problem: Pillen statt Psychiotherapie

"Der flächendeckende Umgang mit Schlafstörungen widerspricht schon seit Jahren den medizinischen Leitlinien. Statt, wie empfohlen, Psychotherapie zu machen, nehmen die meisten Betroffenen Medikamente ein; nicht zuletzt, weil Plätze bei Therapeuten rar sind", sagt Prof. Dr. Dr. Kai Spiegelhalder vom Universitätsklinikums Freiburg, der das Projekt gemeinsam mit Prof. Dr. Dieter Riemann leitet.

Das Programm sehe eine mehrstufige Behandlung vor: Zunächst klärt ein entsprechend geschulter Hausarzt mögliche Ursachen für die Schlafstörungen. "Ein wesentlicher Teil des Projekts ist darum die Weiterbildung und Sensibilisierung von Hausärzten für neue Therapieansätze von Schlafstörungen."

Vier bis acht Sitzungen

In vielen Fällen empfehle der Hausarzt eine psychotherapeutische Behandlung. "Das von uns entwickelte Online-Behandlungsprogramm ist speziell auf Schlafstörungen zugeschnitten und basiert auf der kognitiven Verhaltenstherapie von Insomnien", erklärt Riemann. In vier bis acht Sitzungen von je 25 Minuten erhielten die Betroffenen Informationen zu Schlafstörungen und deren Bewältigung. Im Anschluss bespreche der Patient die Ergebnisse mit seinem Hausarzt. Sollte keine Besserung eingetreten sein, kann er an ein schlafmedizinisches Zentrum überwiesen werden.

Abläufe vergleichen

Die Wissenschaftler wollen mehrere Abläufe der Online-Behandlung vergleichen: Schulungen per Video, per Live-Cat oder einer Kombination aus beidem. Am Projekt beteiligt sind der Lehrbereich Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums Freiburg, das GET.ON Institut aus Hamburg, die Universität Ulm, das Institut für Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums Würzburg, das Zentrum für Schlafmedizin Nürnberg, die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin sowie die Barmer Krankenkasse.

Symbolfoto: dpa

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