Roter Mond für Frühaufsteher
Roter Mond für Frühaufsteher
Baden-Baden (ebe) - Frühsaufstehern und Hobby-Astronomen wird am kommenden Montag ein spektakuläres Naturschauspiel geboten: Kurz nach 6 Uhr taucht der Vollmond in den Schatten der Erde ein und verwandelt sich in einen "Blutmond". Ob der leuchtende Ball allerdings tatsächlich in Mittelbaden zu sehen sein wird, hängt vom Wetter ab. "Wolkig darf es nicht sein, wenn man die totale Mondfinsternis beobachten möchte", betont Jürgen Schulten, Vorsitzender der Bühler Sterngucker, "der Blick gen Westen muss frei sein."

Das Phänomen, das um exakt 6.12 Uhr seinen Höhepunkt erreichen wird, tritt dann auf, wenn sich Sonne, Mond und Erde in einer bestimmten Konstellation befinden. Diese setzt voraus, dass die Erdkugel auf einer geraden Linie zwischen den beiden anderen Planeten steht. In der Folge wird das Sonnenlicht in der Erdatmosphäre so gebrochen, dass nur noch der langwellige, rote Lichtanteil der Sonne im Schatten der Erde ankommt. "Das lässt den Mond rot erstrahlen", erklärt Schulten. Die Farbintensität hängt vom Abstand zwischen Mond und Erde ab.

Die Mondfinsternis kommt nach den Worten des Hobby-Astronomen wesentlich häufiger vor als eine Sonnenfinsternis. Zudem sei sie auf der gesamten Nordhalbkugel zu sehen. "Beginn des sichtbaren Eintritts in den Kernschatten der Erde ist am Montag um 4.34 Uhr, das Ende um 7.51 Uhr", weiß der Experte.

Keine Zeit für ein Treffen der Mond-Fans

Auch wenn es im vergangenen Jahr mit einer Dauer von eineinhalb Stunden die längste totale Mondfinsternis des Jahrhunderts gab, ist das Ereignis für die Mitglieder der Bühler Sterngucker nach wie vor ein kleines Spektakel. Was die Freude der Mond-Fans allerdings etwas trübt, ist die frühe Stunde, zu der sich das Himmelsereignis abspielt. "Vereinsseitig ist bei uns nichts geplant", sagt Schulten: "Die meisten Mitglieder müssen am Montagmorgen ihrer Arbeit nachgehen und haben keine Zeit für ein Treffen."

Auch Laien haben die Chance auf gute Bilder

Bei den Sternfreunden Durmersheim sieht es nicht anders aus, wie deren Vorsitzender Jürgen Linder sagt: "Wir treffen uns nicht in der Sternwarte, jeder macht seine eigenen Aufnahmen." Und die können auch Laien gelingen, denn Astrofotografie setze heutzutage keine kostspielige Spezialausstattung mehr voraus. Wer eine Spiegelreflex- oder Kompaktkamera habe, könne mit unterschiedlichem Zoomfaktor spielen. "Selbst mit dem Smartphone ist es möglich, den Mond abzulichten", sagt Linder. "Es gibt Apps, mit denen man manuelle Einstellungen an der Zeit vornehmen und somit Bilder wie mit einer Digitalkamera mac hen kann." Dazu zählen Open Camera (Android) oder Pro Camera (Apple). Mit solchen Hilfsmitteln könne man sogar die Milchstraße fotografieren. "Manche Handys schaffen es allerdings nicht, länger zu belichten", gibt Linder zu bedenken.

Ohne Stativ geht nichts

Er selbst will am Montag seine digitale Spiegelreflexkamera über einen Bajonett-Adapter mit seinem motorisierten Teleskop verbinden. Dadurch erreiche er eine Brennweite von 2 .000 Millimetern. "Egal, welche Kamera man verwendet - Spiegelreflex-, Kompaktkamera oder Smartphone -, eines ist immer Voraussetzung: ein Stativ", betont der erfahrene Astro-Fotograf. Denn bereits ab einer Belichtungszeit von einer Zehntelsekunde sei das Bild verwackelt. "Wer die Mondfinsternis fotografieren will, sollte vorher einige Probeaufnahmen machen. Das hilft, Fehler am frühen Morgen zu minimieren", weiß Linder. Außerdem gibt es im Internet zahlreiche Videos und Tutorials zur Astrofotografie.

Eigene Sternwarte in Planung

Wann und wo genau klare Sicht für die perfekte Aufnahme herrscht, darüber gibt die Internetseite www.meteoblue.com unter der Rubrik "Spezielles - Astronomical Seeing" detaillierte Infos. "Für Montag sieht es für Durmersheim ganz gut aus", sagt Linder. Jürgen Schulten von den Bühler Sternguckern hofft, beim Gassigang mit seinem Vierbeiner einen Blick auf das Naturschauspiel zu erhaschen. Über eine eigene Sternwarte verfügen die Bühler Sterngucker noch nicht. Diese ist aber in Planung.

Nächste Mondfinsternis am 18. Juli

Die nächste und letzte Mondfinsternis in diesem Jahr, wenn auch nur eine partielle, findet in der Nacht zum 18. Juli statt. An diesem Abend planen die Sternfreunde Durmersheim in ihrer Sternwarte einen Vortrag, zu dem laut Linder alle Interessierten eingeladen sind.

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