Enttäuschte Handballer hoffen auf kleines Happy End
Handball: Deutschland verliert WM-Halbfinale

Herning (dpa) - Auf der nächtlichen Busfahrt von Hamburg nach Herning schwor Bundestrainer Christian Prokop die tief enttäuschten deutschen Handballer auf den Kampf um WM-Bronze ein. Nach dem geplatzten Gold-Traum durch das 25:31 (12:14) im Halbfinale gegen Norwegen strebt die DHB-Auswahl an diesem Sonntag (14.30 Uhr/ZDF) mit einem Erfolg gegen Rekord-Champion Frankreich ein kleines Happy End bei der gelungenen Heim-WM an.

"Wir sind Profis und wollen natürlich einen versöhnlichen Abschluss", sagte Prokop vor der Partie um Platz drei in Herning. "Wir werden alles reinsetzen in das letzte Spiel." Die Niederlage gegen die cleveren Norweger, die am Sonntag (17.30 Uhr) gegen Co-Gastgeber Dänemark um den Titel spielen, wirkte bei den Spielern noch einige Stunden nach. Zu hoch waren die Erwartungen zuvor gewesen, zu tief der Fall nach 60 packenden Minuten vor 12.500 Zuschauern in der voll besetzten Hamburger Arena. "Es tut natürlich weh, ein Halbfinale zu verlieren. Ich fühle mich leer, ich glaube das ganze Team fühlt sich leer", schilderte Rechtsaußen Patrick Groetzki die Gefühlslage.

"Wir sind es den Fans schuldig"

Am Samstag war daher neben der Regeneration vor allem psychologische Aufbauarbeit gefragt. Auch wenn es mit dem Wintermärchen 2.0 nichts wurde, winkt doch immerhin das erste WM-Edelmetall seit dem Triumph 2007. Das sollte die letzten Kräfte mobilisieren, auch wenn der Tank nach neun Spielen innerhalb von 15 Tagen nicht mehr voll ist. "Keiner will nach dem Turnier nach Hause gehen und sagen: Mensch, wir sind Vierter geworden", erklärte Rückraumspieler Fabian Böhm. "Wir sind es den Fans schuldig. Wir haben so eine tolle Atmosphäre in den Hallen gehabt. Wir wollen unbedingt diese Bronzemedaille."

Fehlender Mut im Angriff

Der 29-Jährige vom Bundesligisten TSV Hannover-Burgdorf war gegen Norwegen mit sechs Toren neben Kapitän Uwe Gensheimer, der sieben Mal traf, die einzige Offensivkraft mit Durchschlagskraft. "Mir hat etwas die Traute aus dem Rückraum gefehlt", analysierte Prokop. Noch entscheidender war jedoch, dass die Defensive dieses Mal nicht so glänzte wie zuvor im Turnierverlauf. "Dem Anspruch, die stärkste Abwehr der Welt zu stellen, sind wir leider nicht gerecht geworden. Und vorne hat uns ein Stück weit der Mut verlassen. Das Ergebnis ist so, wie es ist, richtig", bilanzierte DHB-Vizepräsident Bob Hanning.

Knapp 12 Millionen Menschen verfolgten das Spiel
Am positiven Gesamteindruck, den die deutsche Mannschaft in den Tagen von Berlin, Köln und Hamburg hinterlassen hat, änderte dies nichts. "Wir haben eine überragende Weltmeisterschaft in Deutschland gespielt. Da besteht jetzt kein Grund, eine Riesen-Enttäuschung zu haben", sagte Hanning. "Schade, dass wir das Finale nicht erreicht haben. Aber unter dem Strich können die Jungs auf das, was sie geleistet haben, superstolz sein. Wir haben gezeigt, dass wir wieder in der Weltspitze drin sind."

Auch wenn das Spiel gegen Norwegen verloren ging - der Handball in Deutschland war auf jeden Fall ein Gewinner. 11,91 Millionen Menschen fieberten vor den Fernsehgeräten mit dem Prokop-Team und bescherten der ARD eine Rekordquote bei dieser WM. "Wir haben viele Sympathien gewonnen. Es ist ganz wichtig, dass wir das nutzen", sagte der Bundestrainer. Und Kreisläufer Jannik Kohlbacher stellte fest: "Wir haben das Gefühl, dass wir Handball-Deutschland immer noch hinter uns stehen haben."

Steinmeier: "Diese Mannschaft hat begeistert"

Der Zuspruch nach der bitteren Niederlage war jedenfalls enorm. Schon in den Katakomben der Arena spendete Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gemeinsam mit seiner Frau einigen Spielern um Kapitän Gensheimer Trost. "Das war eine ganz tolle Zeit. Diese Mannschaft hat begeistert", lobte Steinmeier. DFB-Präsident Reinhard Grindel, der ebenfalls auf der Tribüne die Daumen gedrückt hatte, schickte via Twitter beste Grüße: "Schade, dass unsere Handballer das Finale nicht erreicht haben. Sie haben uns aber mit ihrem Spiel, ihrem Team- und Kampfgeist begeistert."
Das soll auch zum Abschluss gegen den sechsmaligen Weltmeister Frankreich noch einmal gelingen. Kohlbacher gab daher die Devise aus: "Natürlich ist die Enttäuschung groß, aber man kann sich immer noch mit einer Medaille belohnen - und das ist es, was zählt."

Foto: dpa

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