Faustkeil mit Smartphone - Landesmuseum wird Zukunftslabor
Faustkeil mit Smartphone - Landesmuseum wird Zukunftslabor
Karlsruhe (lsw) - Den Faustkeil des Neandertalers in den Händen halten und mit dem Smartphone die Geschichte checken: Zum 100-jährigen Jubiläum will sich das Badische Landesmuseum mit der Sammlungsausstellung "Archäologie in Baden - Expothek" neu erfinden.

Vom 13. Juli an präsentiert es im Karlsruher Schloss Besuchern auf Wunsch kostbare Schätze auch außerhalb der Vitrine. "Wir wollen eine Laborfläche schaffen für das Museum der Zukunft", sagte Direktor Eckart Köhne am Mittwoch anlässlich der Jahrespressekonferenz. Erstmals soll in einem großen kulturgeschichtlichen Museum ein Teil der Objekte hautnah erfahrbar sein. "Wir sind da ganz neu unterwegs und wollen es mit dem Publikum zusammen ausprobieren", sagte Köhne, der zugleich Präsident des Deutschen Museumsbundes ist.

Objekte zum Anfassen

Die ständige Schausammlung soll dafür neu organisiert werden und sich auf Highlights konzentrieren. "Im digitalen Zeitalter muss man als Museum mit den Objekten neu umgehen", ist Köhne überzeugt. Eine Art Ampelsystem soll anzeigen, welche Objekte in die Hand genommen, näher betrachtet oder nur durch Glas angeschaut werden können. Etwa die Hälfte von 1500 Ausstellungsstücken soll auf Wunsch durch "Explainer" vorgelegt werden. Letztere sind geschulte Museumsmitarbeiter, die Originale aus den Vitrinen nehmen und Auskunft geben. Schau-Depots gibt es auch in anderen Museen; sie sind aber dem Museum zufolge nicht so radikal nutzerorientiert.

Mit Virtual-Reality-Brillen in Kulturgeschichte eintauchen

Die neue Abteilung will Labor, digitales Spielfeld und Objektpräsentation sein. Besucher sollen zu Nutzern werden und auch mit Hilfe von Virtual-Reality-Brillen in die Anfänge menschlicher Kulturgeschichte eintauchen können - von den Neandertalern über die Römer und Germanen bis zu den Merowingern. Mit dem Smartphone und an interaktiven Medientischen kann man Objekte auswählen und sie für die eigene Recherche in 3D scannen. Auch können Quizfragen und Puzzles gelöst werden.

"Wir definieren den Museumsbesuch ganz neu", so Köhne. Das Experiment soll erstmals beim Museumsfest am 13./14. Juli zu erleben sein. Das Ticket dafür kann danach als Nutzerausweis freigeschaltet werden, der für ein Jahr als Eintrittskarte in die neue Abteilung und die Sammlungsausstellungen im Schloss gilt.

Archivfoto: dpa

Impressum - Nutzungsbedingungen - Datenschutz