Historiker Benz: Antisemitismus nimmt nicht zu
Historiker Benz: Antisemitismus nimmt nicht zu
Baden-Baden (kli) - Der Historiker Wolfgang Benz sieht den Antisemitismus in Deutschland nicht im Steigen begriffen. "Der manifeste Antisemitismus, den man messen kann, weil er sich in Propagandadelikten äußert, ist in den vergangenen Jahrzehnten unverändert geblieben, aber die Sensibilität ist größer geworden. Wir sind weniger gleichgültig", sagte Benz gegenüber dem Badischen Tagblatt.

Der 77-Jährige, der bis 2011 an der Technischen Universität Berlin lehrte und das Zentrum für Antisemitismusforschung leitete, konstatiert der deutschen Politik insgesamt einen angemessenen Umgang mit der deutschen Geschichte. "Ich bin gegen die Aktionisten, die nur klagen: Es wird alles schlimmer. Sie machen alles, was wir bisher erreicht haben, kaputt", sagte er.

Es braucht keine spezielle Meldestelle

Nur bei der AfD macht er eine Ausnahme. Mit Bezug auf Reden der AfD-Fraktion im Bundestag sagte er. "Wenn die alten Phrasen gedroschen werden, wenn das alte Stroh noch mal durch die Strohmaschine gejagt wird. Wenn die Leute nichts lernen wollen, frage ich mich: Ist alle Aufklärung vergeblich?"

Benz hält wenig von Meldestellen für antisemitische Vorfälle. "Wir haben eine Polizei, diese ist zuständig für alle kriminelle Taten, dazu gehört Gewalt gegen Minderheiten und Volksverhetzung. Warum brauchen wir dann speziell für antisemitische Vorfälle eine Meldestelle? Das ist Wasser auf die Mühlen der Alarmisten."

Was der Antisemitismusforscher Wolfgang Benz noch über Judenhass, Islamfeindlichkeit und eine Jugend, die besser ist als ihr Ruf, sagt, lesen Sie in der Dienstagsausgabe des BT.

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