Tatort Krankenhaus
Tatort Krankenhaus
Mannheim (dpa) - Ob Geldbörsen, Handys, Endoskopie-Geräte oder Topfpflanzen - in deutschen Krankenhäusern wird gestohlen, was nicht niet- und nagelfest ist. Die Langfinger nutzen die Anonymität in den oft ausgedehnten Gebäudekomplexen aus - und die Wehrlosigkeit von Patienten. Der jährliche Schaden geht in die Millionen.

Zwar gibt es keine bundesweite Statistik, doch welches Ausmaß die Straftaten erreichen, zeigen Ländererhebungen. Die neuesten Zahlen sind dabei aus dem Jahr 2017.

In Baden-Württemberg hat die Schadenssumme 2017 einen Höchststand von nahezu 2,75 Millionen Euro erreicht. Im Jahr 2013 waren es noch 1,8 Millionen Euro, aber die Zahl der Fälle, in die auch Arztpraxen einbezogen sind, lag damals bei 3.200 und damit über dem aktuellsten Wert von knapp unter 3.000. Der Trend rückläufiger Fallzahlen bei höherer Schadenssumme lässt sich in mehreren Bundesländern beobachten.

Kliniken schwer zu kontrollieren

Die Krankenhäuser tun sich im Allgemeinen schwer, gegenzusteuern. "Krankenhäuser sind große Komplexe mit unkontrolliertem Zugang", sagt LKA-Sprecher Frank Scheulen aus Düsseldorf. Für Diebe sei es einfach, auf die Stationen zu kommen und Schubläden und Schränke in leeren Zimmern zu durchwühlen. Deshalb sollten Patienten zumindest vorhandene Schließfächer nutzen.

Die Uniklinik Mannheim tut nach Angaben von Sprecher Philip Egermann ihr Möglichstes, um Diebstähle zu verhindern. "Wir weisen auf allen Kanälen darauf hin, möglichst keine Wertgegenstände ins Krankenhaus mitzunehmen - was nicht dabei ist, kann nicht gestohlen werden." Die Appelle an die Patienten finden sich auf den Stationen, in Patientenzimmern, in der Hausordnung und im Internetauftritt. Wer partout nicht auf Schmuck oder teure elektronische Geräte verzichten wolle, könne diese im Panzerschrank hinterlegen. Das Haus übernehme nur dafür die Haftung. Ganz ließen sich Diebstähle nicht verhindern, betont Egermann. "Wir möchten offen bleiben, damit Angehörige und Freunde die Patienten besuchen können." Das sei deren Gesundheit förderlich.

Schärfere Kontrollen gefordert

Der Allgemeine Patientenverband wünscht sich hingegen schärfere Kontrollen in den Eingangsbereichen von Kliniken. Dort müssten sich Besucher anmelden und sagen, wen sie auf welcher Station besuchen wollten und sich gegebenenfalls ausweisen. "Nicht jeder sollte direkt in eine Klinik hineinspazieren können", meint Verbandspräsident Christian Zimmermann. Mit elektronischer Datenverarbeitung lasse sich leicht abschätzen, ob der Besucher lautere Absichten habe.

Symbolfoto: dpa

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