Rheinbrücke wird vermessen
Rheinbrücke wird vermessen
Karlsruhe (win) - Die Rheinbrücke zwischen Maxau und Wörth wird saniert - und vermessen. Das ist nötig, um die 65 Millimeter hohe Stahlbetonschicht exakt auf der Stahlplatte aufbringen zu können. BT-Mitarbeiter Winfried Heck hat sich auf der Baustelle umgesehen.

Der Höchstdruckwasserstrahler hat am Morgen den Geist aufgegeben. Schlecht für die Arbeiter - gut für den Baustellenbesuch. "Sonst könnte man sich hier kaum noch verständigen", sagt Jürgen Gentner vom Regierungspräsidium, der von Amts wegen für die Sanierung der Rheinbrücke zuständig ist. Der Sperrung der Brücke von Samstagnacht bis Sonntagmorgen steht trotzdem nichts im Wege.

Schmutz wird abgefräst

Aktuell werden nachts von einem Dutzend Schweißern "Unregelmäßigkeiten" ausgebessert, wie die feinen Risse in der Stahlplatte im Fachjargon heißen. Tagsüber kommen (normalerweise) Höchstdruckwasserstrahler zum Einsatz. Mit 2.500 bar trifft Wasser auf Schmutz und fräst ihn von der blanken Stahlplatte. Letzte Reste der Bitumenschicht, die als Kleber zwischen Stahl und Asphalt diente, müssen noch entfernt werden.

Schleifspuren auf der Platte

Davon abgesehen, ist die nur zwölf Millimeter dicke Stahlplatte, die den gesamten Verkehr samt Asphaltschicht zu tragen hat, inzwischen blank "geputzt". An einigen Stellen wurde auch geflickt. "Sieht schlimmer aus, als es ist", sagt Gentner. Als der Asphalt abgefräst wurde, hat die Maschine auf der Stahlplatte einige Riefen hinterlassen. Knapp zwei Millimeter tiefe Schleifspuren, wie sie oft zu Beginn der Arbeiten auftreten, wenn die Maschinen noch nicht exakt eingestellt sind. Eine Schweißnaht, die anschließend abgeschliffen wird, beseitigt das Malheur.

Brücke in der Nacht zum Sonntag gesperrt

In der Nacht zum Sonntag folgt nun die präzise Vermessung des Bauwerks. Deshalb muss die Brücke zwischen Samstag, 23 Uhr, und Sonntag, 8 Uhr, komplett gesperrt werden. Wer auf der Stahlplatte steht, spürt sofort warum. Jeder Lkw, der über die Brücke donnert, versetzt das Bauwerk in mächtige Schwingungen. Es rumpelt und wackelt.

Stahlleiste als Oberkante für Betonschicht

Eine millimetergenaue Vermessung wäre so unmöglich - und millimetergenau muss bei lediglich 65 Millimetern Stahlbeton, die auf die Stahlplatte aufgebracht werden, nun mal gearbeitet werden. Jeder Millimeter mehr brächte zusätzliches Gewicht, das dann an den Tragseilen hängen würde. Bei zu dünner Betonschicht würden nicht die erhofften Verbesserung erreicht. Anhand der Vermessung wird dann links und rechts der Fahrbahn eine exakte Stahlleiste als "Anschlag" angebracht - als Oberkante für die spätere Betonschicht.

Stahlbauer legen im März los

Zunächst aber müssen ab März die Stahlbauer ihren Job erledigen. 85 Tonnen Stahl wollen nach exakten Vorgaben auf knapp 300 Meter Fahrbahnlänge in Richtung Wörth verteilt werden, ehe im April in zwei Abschnitten 225 Kubikmeter Beton alles umhüllen.

Belastungstests in der Nacht zum Montag

Die Zeit bis zum Beginn des Stahlbaus nutzt das KIT ebenfalls an diesem Wochenende für einen weiteren Belastungstest. In der Nacht zum Montag wird mehrfach der Verkehr kurzfristig gestoppt, danach rollt ein einzelner Laster mit genau definiertem Gewicht und vorgegebener Geschwindigkeit auf die andere Rheinseite. Die Wissenschaftler erfassen an zahlreichen Messpunkten die dadurch erzeugten Schwingungen.

Ein erster Test dieser Art wurde mit der Brücke im ursprünglichen Zustand gemacht, der dritte und letzte Belastungstest kommt, nachdem der ultrahochfeste Beton eingebaut und ausgehärtet ist. So können die erzielten Verbesserungen später genau beurteilt werden.

Foto: W. Heck

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