Schäden durch Wolf: Haftpflicht greift
Schäden durch Wolf: Haftpflicht greift
Stuttgart (red/lsw) - Seit ein Wolf im Nordschwarzwald sesshaft geworden ist, fürchten vor allem Schaf- und Ziegenhalter, dass für die von ausgebrochenen Tieren verursachten Schäden spezielle versicherungsrechtliche Anforderungen gelten könnten, wenn ein Wolf für den Ausbruch der Tiere aus der Koppel ursächlich war.

Diese speziellen Anforderungen gebe es nicht, erklärte das Umweltministerium in Stuttgart nach einem Gespräch von Amtschef Helmfried Meinel mit Vertretern der deutschen Versicherer in Berlin.

"Nach Auskunft von Experten der landwirtschaftlichen Versicherer macht es für den Eintritt der Tierhalterhaftpflichtversicherung keinen Unterschied, ob die Schafe vor einem freilaufenden Hund geflohen sind, ob sie von einem hupenden Auto, von einem Jogger oder ob sie von einem Wolf aufgeschreckt wurden", so Meinel. Er sei froh über die Klarstellung, das sorge für Rechtssicherheit.

Versicherer prüfen sachgerechtes Einzäunen

Ohnehin profitieren gewerbliche Nutztierhalter von einem Haftungsprivileg im Bürgerlichen Gesetzbuch. Demnach sind sie nicht schadenersatzpflichtig, wenn ihre Tiere sachgemäß eingezäunt gewesen sind. "Ob diese Voraussetzung erfüllt ist, muss im Einzelfall geprüft werden", so Meinel. "Aber auch insofern haben die Versicherungsexperten klargestellt, dass die Versicherer die Anforderungen an ein sachgerechtes Einzäunen im Schadensfall unabhängig davon prüfen, ob in dem betroffenen Gebiet ein Wolfsvorkommen bekannt ist oder nicht."

Umweltpolitiker fordern Obergrenze

Derweil fordern die umweltpolitischen Sprecher von CDU und CSU in Bund und Ländern ein viel härteres Vorgehen gegen den Wolf. Man brauche in Anlehnung an Frankreich die Festlegung auf einen maximalen Bestand von 500 "Individuen" in Deutschland, heißt es in einem Papier, das die Unionspolitiker in Stuttgart beschlossen.

In Brandenburg liefen Wölfe bereits durch die Gärten und näherten sich Grundschulen, sagte der umweltpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion in Brandenburg, Dieter Dombrowski, gestern in Stuttgart. Er wolle nicht in die Verantwortung gestellt werden, wenn Menschen zu Schaden kämen. Laut Bundesumweltamt gebe es derzeit bundesweit 750 Wölfe. In der Resolution fordern die Unionspolitiker auch die Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht und den Abschuss auffälliger Tiere bereits bei "ernsten" Schäden.

Tiere sind streng geschützt

Der Wolf ist in der EU streng geschützt und darf nicht gejagt werden. Nur Wölfe, die mehrfach Zäune überwinden und großen Schaden anrichten, indem sie zum Beispiel Schafe töten, dürfen bislang abgeschossen werden. Die Bundesregierung streitet derzeit über den Umgang mit den Tieren.

Foto: dpa

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