DFB-Boss tritt zurück
DFB-Boss tritt zurück

Frankfurt (dpa) - Reinhard Grindel hat sich nach einer Serie von Fehltritten dem enormen Druck gebeugt und ist am Dienstag als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes zurückgetreten. "Tief erschüttert" über seine Versäumnisse räumte er mit einer fünfminütigen Erklärung in der Verbandszentrale nach nicht einmal drei Jahren seinen Posten. Enthüllungen über fragwürdige Zusatzeinkünfte und die Annahme einer teuren Uhr kosteten den 57-Jährigen letztlich den Job.

"Dass ich wegen eines solchen Vorgangs öffentlich so da stehe, macht mich fassungslos und traurig", sagte Grindel bei der hastig einberufenen Medienrunde in Frankfurt. Konzentriert und mit etwas Verbitterung in der Stimme las er die vorbereitete Erklärung von seinem Blatt ab, fast zeitgleich verschickte der DFB all seine Statements. Mit Generalsekretär Friedrich Curtius hatte Grindel den Schritt offenbar schon am Vortag besprochen.

Doppelspitze bis Ende September

Seine Nachfolge treten bis zum DFB-Bundestag am 27. September Ligapräsident Reinhard Rauball und DFB-Vize Rainer Koch als Vertreter der Amateure an. So war es schon über den Jahreswechsel 2015/16, als Wolfgang Niersbach im Zuge des Sommermärchen-Skandals gehen musste. Im April 2016 hatte dann Grindel den Posten übernommen. Seit 114 Jahren hat kein DFB-Boss kürzer amtiert als Grindel.

Zur Nachfolge-Suche sagte Amateur-Boss Koch: "Unser Ziel ist es jetzt, einen gemeinsamen Kandidaten von DFB und DFL außerhalb des Präsidiums zu finden, der die Anliegen des Amateurfußballs ebenso im Blick hat wie den Spitzenfußball." Rauball sieht durch den Rücktritt Grindels den Weg "für einen personellen, aber auch strukturellen Neuanfang innerhalb des DFB" frei. Weder im Präsidium noch bei weiteren deutschen Spitzenfunktionären schien Grindel in den vergangenen Tagen noch irgendeine Form von Kredit zu haben - zu viel war passiert in den vergangenen zwölf Monaten.

Wirbel um Vergütungen

Der frühere ZDF-Journalist und CDU-Bundestagsabgeordnete Grindel war in den vergangenen Monaten zunehmend in die Kritik geraten. Zunächst hatte der "Spiegel" Anschuldigungen veröffentlicht, Grindel habe Vergütungen in Höhe von 78.000 Euro als Aufsichtsratschef der DFB-Medien Verwaltungs-Gesellschaft in den Jahren 2016 und 2017 nicht publik gemacht. Der DFB wies den Vorwurf der Verschleierung zurück. Grindel habe bei seinem Amtsantritt korrekte Auskünfte über seine Einkünfte gemacht und den gut dotierten Aufsichtsratsposten erst drei Monate später angetreten. Grindel äußerte sich dazu nicht, selbst in seiner Rücktrittserklärung thematisierte er dies mit keinem Wort. Die Vorwürfe kratzten an seinem Versprechen, beim Verband nach der Affäre um die Vergabe der WM 2006 für Transparenz zu sorgen.

Wertvolle Uhr angenommen

Es folgte zu Wochenbeginn ein "Bild"-Bericht, dass Grindel eine Luxus-Uhr vom früheren ukrainischen Verbandsboss Grigori Surkis angenommen habe. Grindel bestätigte dies am Dienstag in seiner Rücktrittserklärung und bezifferte den Wert der Uhr auf 6.000 Euro. "Für mich war das ein reines Privatgeschenk. Es war ein Gebot der Höflichkeit, dieses Geschenk anzunehmen", sagte Grindel. Es habe aus seiner Sicht zwar kein Interessenkonflikt bestanden, doch der Vorgang war nach eigener Aussage alleine Grund genug, seinen Posten zu räumen. Den Wert der Uhr kenne er erst seit vergangenem Wochenende, versicherte Grindel.

Foto: dpa

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