"Eisenbahner mit Herz" gekürt
'Eisenbahner mit Herz' gekürt
Karlsruhe (red) - Michael Schweiger, Triebfahrzeugführer bei der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) ist am Mittwoch in Potsdam beim bundesweiten Wettbewerb "Eisenbahner mit Herz" zum Landessieger Baden-Württemberg gekürt worden. Er hatte an Heiligabend des vergangenen Jahres in einer Haltestelle einem Mann nach einem Herzinfarkt geholfen - und ihm damit vermutlich das Leben gerettet.

"Es war meine letzte Fahrt am Heiligabend", erinnert sich Schweiger daran, wie er gegen 13.30 Uhr mit einer voll besetzten Stadtbahn vom Ettlinger Stadtbahnhof kommend in die Haltestelle am "Erbprinz" einfuhr. "Schon bei der Einfahrt fand ich es ungewöhnlich, dass dort ein gepflegt gekleideter Mann im Wartehäuschen auf dem Boden saß und sich mit der Hand die linke Brust hielt", wird er in einer Pressemitteilung der AVG zitiert.

Niemand nimmt von dem Mann Notiz

Als er im Rückspiegel bemerkte, dass keiner der zahlreichen ein- oder aussteigendenden Fahrgäste von dem Mann Notiz nahm, traf Michael Schweiger einen schnellen Entschluss: "Für mich war sofort klar, dass der Mann sich in einer Notsituation befindet und dringend Hilfe braucht. Also habe ich den Schlüssel abgezogen und bin zu ihm hingerannt."

Rettungsdienst alarmiert

Der Mann sei bleich im Gesicht gewesen und habe über einen stechenden Schmerz in der Brust und einen tauben linken Arm geklagt. "Ich befürchtete, dass er einen Herzinfarkt erlitten hatte, und habe sofort über unsere Zugleitung einen Rettungswagen mit Notarzt alarmiert", schildert Schweiger den weiteren Verlauf der Ereignisse.

Patient überlebt

Glücklicherweise sei ein Notarzt dann bereits nach weniger als zehn Minuten vor Ort gewesen und habe den Mann in ein Krankenhaus eingeliefert. Anschließend sei er dann wieder in die Bahn eingestiegen und habe seine letzte Fahrt des Tages regulär fortgesetzt. "Ich habe im Anschluss erfahren, dass der Mann überlebt hat", freut sich Michael Schweiger darüber, dass sein engagierter Einsatz zum Glück ein gutes Ende nach sich gezogen habe.

Desinteresse beschäftigt Preisträger

Wenn Michael Schweiger an das abendliche Festessen im Kreis seiner Liebsten zurückdenkt, fällt ihm vor allem ein, dass er den Abend mit sehr gemischten Gefühlen verbracht habe: "Zum einen war ich sehr froh darüber, dass ich dem Mann helfen konnte. Zum anderen hat es mich aber sehr beschäftigt, wie viele Menschen achtlos an ihm vorbeigegangen sind und selbst gar nicht auf die Idee kamen, ihm zu helfen."

Auch auf eine Durchsage in der Bahn, ob ein Arzt oder eine Krankenschwester im Fahrzeug sei, habe nicht dazu geführt, dass jemand ausgestiegen sei, um ihm zu helfen. Wäre auch er mit der Bahn weitergefahren, ohne zu helfen, dann wäre vielleicht erst zwanzig Minuten später mit der folgenden Bahn wieder jemand auf den Mann aufmerksam geworden - möglicherweise mit fatalen Folgen.

Bundesweiter Wettbewerb

Der bundesweite Wettbewerb "Eisenbahner mit Herz" wird jährlich von der "Allianz pro Schiene" durchgeführt. Der Preis wird für besonders kundenfreundliches Engagement von Mitarbeitern im Eisenbahnverkehr vergeben. Die Vorschläge kommen von Fahrgästen und Kunden. Die "Allianz pro Schiene" ist das Bündnis in Deutschland zur Förderung des umweltfreundlichen und sicheren Schienenverkehrs, in dem sich 23 Non-Profit-Organisationen zusammengeschlossen haben.

Foto: Röhl

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