Zehneinhalb Jahre Haft
Zehneinhalb Jahre Haft
Heilbronn (lsw) - Weil sie ihr Pflegekind erwürgt hat, ist eine 70-Jährige zu zehneinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht Heilbronn sprach die Frau am Montag wegen Totschlags schuldig.

Anders als Staatsanwaltschaft und Nebenklage bewertete die Kammer die Tat nicht als Mord. Es bestehe jedoch nicht der geringste Zweifel daran, dass die Angeklagte den sieben Jahre alten Jungen vor rund einem Jahr vorsätzlich getötet habe, sagte der Vorsitzende Richter.

Tat von depressiver Störung geprägt

Dass die Frau nicht wegen Mordes verurteilte werde, liege daran, dass sie in gewisser Weise krank sei. Der Richter sprach von einem Motivbündel: Die Angeklagte sei überlastet und aufgewühlt gewesen. Außerdem sei die Tat durch eine depressive Störung der Frau geprägt gewesen.

Es sei nicht auszuschließen, dass die Angeklagte zur Tatzeit in ihrer Steuerungsfähigkeit eingeschränkt gewesen sei.

Eltern als Nebenkläger anwesend

Die Eltern waren als Nebenkläger bei der Urteilsverkündung anwesend. Ihr Anwalt hatte wegen Heimtücke auf Mord plädiert. Der Junge schlief zwar und war wehrlos - den Zustand nutzte die Angeklagte laut Gericht aber nicht bewusst aus. Die Tat sei spontan passiert. Auch der Einschätzung des Staatsanwaltes, die Angeklagte habe aus niederen Beweggründen gehandelt, folgte das Gericht nicht.

Urteil noch nicht rechtskräftig

Die Verteidigerin hatte auf einen Schuldspruch wegen fahrlässiger Tötung plädiert. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Symbolfoto: dpa

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