Wirbel um Palmers Erziehungseinsatz
Wirbel um Palmers Erziehungseinsatz
Tübingen (lsw) - Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) hat in die Erziehung eines Paares auf einem Spielplatz eingegriffen und damit für Aufregung gesorgt - auch weil er das Verhalten in Zusammenhang mit ihrem Migrationshintergrund stellte.

"Ich bin mir ziemlich sicher, dass man Eltern, die wenige Jahre hier leben, erklären muss, wie Erziehung bei uns funktioniert", sagte er. Sobald Kindern physisch oder seelisch schwerer Schaden angetan werde, müsse man sich einmischen.

Palmer hatte auf einem Tübinger Spielplatz einen Mann beobachtet, der einen rund zweijährigen weinenden und schreienden Jungen immer weiter schaukelte, obwohl dieser offenkundig Angst hatte. Palmer berichtete über den Vorfall auf Facebook. Die Mutter des Jungen mit schwarzem Kopftuch und Umhang habe zugeschaut, schrieb Palmer. Der Oberbürgermeister forderte darauf den Mann auf, das zu beenden, was dieser getan habe.

Abgrenzung zu "schwarzer Pädagogik"

Palmer löste mit seinem Post eine Diskussion mit mehr als 700 Kommentaren aus, weil er das Verhalten des Paares auch in einen kulturell bedingten Zusammenhang setzte und als Methode der sogenannten schwarzen Pädagogik kritisierte. Der Begriff bezeichnet im geläufigen Gebrauch einen einschüchternden Erziehungsstil.

"Die Eltern waren erkennbar der Meinung, das schreiende Kind soll so lernen, mit der Angst umzugehen. So erzieht man Jungs zu harten Männern", schrieb Palmer.

Schwarze Pädagogik sei weder christlich noch muslimisch, aber ziemlich schlimm für die Kinder. "Wenn wir uns einig sind, dass das bei den Nazis falsch war, warum sollte es dann heute nicht möglich sein, es bei Einwanderern auf dem Spielplatz falsch zu finden?", fragte der Oberbürgermeister.

Foto: dpa

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