BT-Interview mit Kirchenkritiker Drewermann
'Ich hege keinen Groll'
Baden-Baden (red) - Der Kirchenkritiker, Theologe, Psychoanalytiker, Schriftsteller und suspendierte Priester Eugen Drewermann (78) fordert den Vatikan auf, den Tübinger Theologen Hans Küng offiziell zu rehabilitieren. Küng "hat eine abergläubische Form von Unfehlbarkeitslehre infrage gestellt. Das ist verdienstvoll, aber nicht verbrecherisch", sagte Drewermann im Oster-Interview mit dem Badischen Tagblatt.

Küng sei "in allem, was er gelebt hat, absolut katholisch geblieben", so Drewermann. Küng offiziell zu rehabilitieren, sähe Drewermann als "ein Zeichen für die katholische Kirche, nicht bereits der Besserung, aber immerhin des Versuchs, Schaden nachzuarbeiten."

Er persönlich, so Drewermann, hege überhaupt keinen Groll gegen den früheren Papst Benedikt, Joseph Ratzinger. Dieser war als Präfekt der Glaubenskongregation 1991 mit dafür verantwortlich, Drewermann die Lehr- und Predigtbefugnis zu entziehen. "Er tut mir leid", sagt Drewermann nun. "Mir scheint persönlich die Theologie und die Glaubenshaltung wie die Person Ratzingers, die er als Theologiedozent jahrelang verkörpert hat, an ihr Ende gekommen. Ich sehe eine tiefe T ragik darin."

Drewermann kam unlängst zu einem Vortrag in die Baden-Badener Klinik am Leisberg. Dies war Anlass für das BT; ihn ausführlich zu interviewen. Darin spricht er auch über Bilder aus der Bibel, den Ostermorgen, die Sache Jesu und über eine Welt, wie sie nicht sein soll. Und wie sie besser werden könnte.

Drewermann ist an seinem 65. Geburtstag aus der katholischen Kirche ausgetreten. Auf die Frage, unter welchen Umständen für ihn ein Wiedereintritt in die katholische Kirche denkbar wäre, antwortete er: "Unter keinen. Jesus hat nicht einmal das Christentum gegründet und ganz sicher keine Kirche."

Das ausführliche Interview mit Eugen Drewermann lesen Sie in der Osterausgabe vom Samstag, 20. April.

Foto: dpa/av

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