Sri Lanka: Mehr als 200 Tote
Sri Lanka: Mehr als 200 Tote
Colombo (dpa) - Bei einer verheerenden Anschlagsserie auf christliche Kirchen und Hotels sind am Ostersonntag in Sri Lanka mindestens 215 Menschen getötet worden - darunter auch 32 Ausländer. Dies berichteten die Sprecher von sieben örtlichen Krankenhäusern. Demnach wurden bei den koordinierten Explosionen außerdem mehr als 500 Menschen verletzt.

Es gab mindestens acht Detonationen, darunter drei in Kirchen und drei weitere in Luxushotels. Vize-Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene sprach von einer "terroristischen Attacke" und machte Extremisten für die Bluttaten verantwortlich. Die Verantwortlichen seien identifiziert, sagte er. Er verhängte eine landesweite Ausgangssperre bis zum frühen Montagmorgen.

Mindestens zwölf Ausländer getötet

Woher die Ausländer stammten, war zunächst noch nicht klar. Nach Angaben der türkischen Nachrichtenagentur Anadolou sollen unter den Toten zwei Türken sein. Laut Angaben des niederländischen Außenministers Stef Blok kam auch ein Niederländer ums Leben.

Seit 2009 kein größerer Anschlag mehr

Der südasiatische Inselstaat mit seinen tropischen Stränden ist ein beliebtes Touristenziel, auch für Deutsche und andere Europäer. Dort hat es seit Jahren keinen größeren Anschlag gegeben. 2009 war dort ein Bürgerkrieg zu Ende gegangen.

Anschläge während der Ostermesse

Bei den Kirchen handelte es sich um die St.-Antonius-Kirche in der Hauptstadt Colombo, die St.-Sebastians-Kirche im rund 30 Kilometer von der Hauptstadt entfernten Negombo sowie die Zionskirche in Batticaloa, rund 250 Kilometer östlich von Colombo. In den Gotteshäusern fanden gerade Ostermessen statt. Dort gab es die meisten Opfer.

Auch Hotels betroffen

Außerdem gab es Explosionen in den 5-Sterne-Hotels Shangri-La, Cinnamon Grand und Kingsbury in Colombio. Dort sollen auch Ausländer verletzt worden sein. Später wurde eine siebte Explosion in einem kleinen Hotel in einem Vorort der Hauptstadt Colombo mit zwei Toten gemeldet. Eine achte Explosion ereignete sich am Nachmittag (Ortszeit) in einer Wohngegend in Dematagoda, einem anderen Vorort Colombos.

Die Explosionen in den Kirchen und Luxushotels fanden fast zeitgleich statt. Die erste wurde aus der Kirche in Colombo gemeldet, die übrigen fünf alle innerhalb von nur 30 Minuten.

Präsident geht von "Verschwörung" aus

Zunächst bekannte sich niemand zu den Angriffen. Staatspräsident Maithripala Sirisena sagte, die Streitkräfte und die Polizei gingen der "Verschwörung" auf den Grund. Die Oberbefehlshaber der Streitkräfte trafen mehrere Minister zu einer Krisensitzung. Es gab Festnahmen.

"Schreckliche Szenen"

Minister Harsha de Silva schrieb auf Twitter, in einer Kirche in Colombo habe es "schreckliche Szenen" gegeben. Diese sei mit Körperteilen übersät gewesen. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Retter Verletzte aus einer verwüsteten Kirche trugen.

Nur sieben Prozent Christen

Nur etwa sieben Prozent der Bevölkerung Sri Lankas sind Christen. Die Mehrheit sind Buddhisten. Jedes Jahr reisen Zehntausende Deutsche in das frühere Ceylon. Der Inselstaat von der Größe Bayerns hat gut 20 Millionen Einwohner. Er bietet neben tropischen Stränden unter anderem mehrere UNESCO-Welterbestätten, sechs Kultur- und zwei Naturdenkmäler.

Reisehinweise verschärft

Das Auswärtige Amt aktualisierte kurz nach den Attacken seine Reisehinweise. "Reisende werden gebeten, die Anschlagsorte weiträumig zu meiden, die lokalen Medien zu verfolgen, engen Kontakt zu Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften zu halten und Anweisungen von Sicherheitskräften Folge zu leisten", schrieb das Ministerium.

"Sollten Sie auf der Insel im Osterurlaub sein, melden Sie sich bitte bei Ihren Verwandten und Freunden", schrieb das Krisenreaktionszentrum des Auswärtigen Amtes auf Twitter. Die Telefon- und Internetverbindungen im Land seien überlastet. "Wenn Sie Ihre Angehörigen vor Ort erreichen wollen, versuchen Sie es mit einer SMS. Bewahren Sie Ruhe, wenn Sie nicht sofort eine Antwort erhalten und versuchen Sie es erneut", riet das AA besorgten Angehörigen.

Krisenstab eingerichtet

Die deutsche Botschaft in Sri Lanka steht nach Angaben von Bundesaußenminister Heiko Maas mit den lokalen Behörden in Kontakt und bemühe sich mit Hochdruck um Aufklärung, ob auch Deutsche betroffen sind. Das Auswärtige Amt richtete einen Krisenstab ein. Besorgte Angehörige können sich unter der Telefonnummer (030) 5 00 00 melden.

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