Todesraser mit bis zu 77 km/h unterwegs
Todesraser mit bis zu 77 km/h unterwegs
Gaggenau/Rastatt (red) - Im Prozess gegen den mutmaßlichen Verursacher des Unfalls, bei dem vergangenen Juli in Gaggenau eine Großmutter und ihr Enkel starben, haben am Montag Experten vor dem Amtsgericht Rastatt ausgesagt. Laut eines Sachverständigers war das Auto zum Zeitpunkt des Unglücks zwischen 50 und 77 Kilometer pro Stunde schnell. Ein weiterer Gutachter gab an, dass der 48-Jährige stark alkoholisiert und zudem von Cannabis berauscht gewesen sei.

Die Beweisaufnahme konnte am heutigen Verhandlungstag abgeschlossen werden. Die Familie der Opfer will auf eine Nebenklage verzichten. Die Plädoyers und die Urteilsverkündung werden am Freitag, 17. Mai, ab 9 Uhr erwartet.

Zwei Anklagen laufen
Am ersten Verhandlungstag hatte der Angeklagte eingeräumt, den Unfall verursacht zu haben, bei dem eine 54-jährige Frau und ihr sieben Monate alter Enkel starben.
In der ersten Anklage wird dem Mann der Besitz von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge vorgeworfen. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung habe man eine Indoor-Plantage mit insgesamt 48 Marihuanapflanzen, Marihuanasamen sowie weiteres Marihuana sichergestellt.

Zweite Anklage dreht sich um den Unfall

Die zweite Anklage ist die schwerwiegendere, in ihr geht es um den Unfall, der sich am 13. Juli vergangenen Jahres in der Gaggenauer Goethestraße ereignet hatte. Die Staatsanwaltschaft wirft dem deutschen Angeklagten vor, an jenem Tag zwischen 16 und 20.30 Uhr in einer Gaggenauer Gaststätte sieben Gläser Bier sowie vier Gläser Ouzo getrunken zu haben und danach entsprechend alkoholisiert sowie unter dem Einfluss weiterer berauschender Mittel mit seinem Renault in Richtung seiner damaligen Wohnung in Gaggenau gefahren zu sein.

Frau stirbt sofort, Enkel kurze Zeit später

In der Goethestraße habe er dann in einer lang gezogenen Linkskurve die Kontrolle über seinen Wagen verloren, danach zunächst den Radweg überfahren und schließlich die auf dem Gehweg laufende Frau sowie den Säugling erfasst. Dabei sei die 54-Jährige etwa 39 Meter weggeschleudert worden. Sie habe dabei massivste Verletzungen erlitten, denen sie noch am Unfallort erlegen sei. Der sieben Monate alte Säugling wurde laut Staatsanwaltschaft aus dem Kinderwagen auf die Straße geschleudert, er sei später in einer Klinik verstorben.

Vorwurf der fahrlässigen Tötung

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, trotz seiner durch Alkohol und Drogen bedingten Fahruntüchtigkeit gefahren und nach dem Unfall geflüchtet zu sein. Er habe seinen Wagen in der Nähe seiner damaligen Wohnungen abgestellt und sich bei einem Bekannten versteckt. Zudem muss er sich wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung in zwei Fällen verantworten.

In Therapie

Am ersten Verhandlungstag hatte der Angeklagte eingeräumt, dass er bemerkt habe, einen Unfall verursacht zu haben, aber nicht, dass sein Auto mit Menschen kollidiert sei. Er schilderte seine massiven Alkohol- und Drogenprobleme und berichtete, dass er sich seit Oktober einer stationären Therapie unterzogen habe, die inzwischen beendet sei.

Strenge Sicherheitsvorkehrungen

Die Verhandlung findet unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt, am ersten Prozesstag mussten Zuhörer zwei Einlasskontrollen passieren und ihre Mobiltelefone abgeben.

Foto: Uli Deck/Archiv

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