SWR: Grüne erobern Karlsruhe
SWR: Grüne erobern Karlsruhe

Stuttgart (lsw/red) - CDU und SPD sind bei den Gemeinderatswahlen in den drei größten Städten Baden-Württembergs nach einer Prognose des SWR die großen Verlierer. Laut der Vorhersage könnten die Grünen in Karlsruhe stärker als CDU und SPD zusammen werden. Das Ergebnis wird aber erst nach der Auszählung am Montagabend vorliegen.

Nach den SWR-Zahlen überholten die Grünen die CDU im Stuttgarter Gemeinderat und wurden stärkste Kraft mit 27,8 Prozent (plus 3,8 Punkte). Die CDU stürzt auf 19,3 Prozent ab (minus 9 Punkte); die SPD kommt auf 11,6 Prozent (minus 2,7 Punkte). Die FDP erreicht 8,0 Prozent (plus 2,1 Punkte), die Linke 5,8 Prozent (plus 1,3 Punkte) und die AfD 6,0 Prozent (plus 1,3 Punkte). Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) reagierte erfreut: "Richtig happy bin ich. Ich glaube, dass das Thema Klimaschutz, Artenvielfalt, Fahrradverkehr - die richtigen grünen Themen, dass die uns nach oben gebracht haben."

In Karlsruhe erreichen die Grünen nach der Prognose 30,3 Prozent (plus 10,4 Punkte). Die CDU liegt bei 17,9 Prozent (minus 8,8 Punkte), die SPD bei 14,6 Prozent (minus 7,3 Punkte). Die Linke kommt auf 8,7 Prozent (plus 3,6 Punkte), die AfD auf 6,5 Prozent (plus 0,9 Punkte).
In Mannheim geht die Prognose von 24,9 Prozent für die Grünen aus (plus 8,6 Punkte). Die CDU erreicht 19,3 Prozent (minus 6,8 Punkte) und die SPD 20,8 Prozent (minus 6,5 Punkte). Die FDP kommt auf 6,3 Prozent (plus 1,8 Punkte), die AfD auf 10,5 Prozent (plus 2,7 Punkte).

Wahlbeteiligung wohl höher

Die Wahlbeteiligung könnte in den drei Städten der Prognose zufolge deutlich höher als 2014 sein. Für Stuttgart und Karlsruhe wird mit rund 58 Prozent gerechnet, in Mannheim mit etwa 46 Prozent.

Der Ausgang der Europa- und Kommunalwahlen ist auch landespolitisch von Interesse: In der Südwest-CDU steht die Frage an, wer die Partei als Spitzenkandidat in die Landtagswahl 2021 führt. Viele gehen davon aus, dass Regierungsvize Thomas Strobl, der auch Landesparteichef ist, die Spitzenkandidatur für sich beansprucht. Konkurrentin könnte Kultusministerin Susanne Eisenmann sein. Beide haben sich noch nicht zu ihren Zukunftsplänen geäußert. Derzeit ist die CDU Juniorpartner in dem grün-schwarzen Bündnis, das von Kretschmann angeführt wird.

Grüne: Votum für Vorreiterrolle im Klimaschutz

CDU-Landeschef Strobl sieht die Ursachen für die herben Verluste seiner Partei nicht im Südwesten. Die CDU sei die mit Abstand stärkste Kraft. "Wir haben in Baden-Württemberg auch ein besseres Ergebnis als die CDU bundesweit und konnten damit einen wichtigen Beitrag leisten", erklärte er. Man sei gerade bei Europawahlen auf die politische Großwetterlage angewiesen. Bundesweit könne das Ergebnis nicht den Ansprüchen der Partei genügen.
Die Grünen-Landesvorsitzenden Sandra Detzer und Oliver Hildenbrand sehen in ihrem Wahlerfolg ihre Forderungen nach mehr Klimaschutz bestätigt: "Das grüne Rekordergebnis ist dafür ein klarer Auftrag: Deutschland muss zum Klimavorreiter und die Europäische Union zur Klimaunion werden." Im Europäischen Parlament werden voraussichtlich zwei Abgeordnete der Grünen aus dem Land vertreten sein: Michael Bloss und Anna Deparnay-Grunenberg. Beide stammen aus Stuttgart.
SPD-Landeschef Andreas Stoch sagte zu den Ergebnissen für seine Partei: "Es ist ein Wahlabend, über den wir in der Partei fair, aber auch schonungslos und zukunftsgerichtet reden müssen, auf allen Ebenen." FDP-Landeschef Michael Theurer zeigte sich zufrieden: Die FDP liege in ihrem Stammland über dem Bundestrend für die Liberalen.

Foto: Patrick Pleul/dpa

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