Diesen Hipster-Musiker kennen wir doch!
Diesen Hipster-Musiker kennen wir doch!
Von Harald Holzmann

Baden-Baden - Mensch, den Mann kenne ich doch irgendwoher. Das hat sich eine BT-Leserin gedacht, als sie kürzlich die Werbeanzeige eines Dienstleisters aus der Finanzbranche sah - und sie hat uns ein Foto der Anzeige geschickt.

Auf einer ganzen Seite im Jahresprogramm des Bundes Deutscher Blasmusikverbände ist da ein bärtiger Hipster zu sehen, auf einem Barhocker sitzend, mit schwarzer Fliege und Anzug, eine Trompete in der Hand. Sein lockerer Spruch: "Meine Buchhaltung macht sich von allein!"

Die verdutzte Leserin schaute noch einmal genau hin - und traute ihren Augen kaum: Genau dieselbe Type macht doch auch für die Kurstadt Werbung. In der heiß diskutierten angeblich so exklusiven Werbekampagne von Baden-Baden Kur und Tourismus (BBT) grinst den Betrachter nämlich dasselbe Hipster-Gesicht an.

Details weg- und dazuretouchiert

Der Bärtige dort hat den gleichen Anzug an und auch eine Trompete in der Hand. Die Brillengläser hat man ihm allerdings nachgedunkelt, damit er ein bisschen cooler aussieht, und dem armen Kerl zudem den Barhocker unter dem Allerwertesten wegretuschiert. Ach so, und natürlich ist die kurstädtische Werbe-Ikone, die im vergangenen Jahr von dutzenden Plakaten prangte, anders als der musizierende Buchhalter auch noch mit allerhand Firlefanz ausgestattet, den Werbemenschen für Baden-Baden-typisch halten. Unter anderem finden sich da ein goldfarbener Bilderrahmen, ein glitzernder Kronleuchter und ein hölzernes Ding, das wie ein Geweih über dem Hipster-Schädel schwebt. Das alles dürfte das Werk einer Foto-Software sein, denn das Lächeln des Bartträgers ist bei beiden Werbeanzeigen das allerselbe.

Preiswertes Bild aus Datenbank

Hat da jemand abgekupfert? Nein: Des Rätsels Lösung ist viel einfacher. Man lud sich für die Kurstadt-Werbekampagne ein Bild von einer Foto-Datenbank aus dem Internet auf den Rechner. Der Vorteil: Die Fotografie kostete nur ein paar Euro und auf jeden Fall war sie billiger als eine eigene Foto-Session mit einem Model.

Der Nachteil: Man bekam ein Foto, das auch von jedem anderen genutzt werden kann, der einen Hipster-Typen braucht, um Reklame zu machen. Und so kommt es, dass eine Buchhaltungsfirma nun mit demselben Kerl wirbt wie die feine, exklusive Kurstadt.

Die beiden Bild-Ereignisse könnten natürlich auch eine Fortsetzungsgeschichte illustrieren - frei nach dem Motto: Was macht der junge Musiker, während gerade ein Dienstleister seine schnöde Buchhaltung erledigt? Klar! Dem "good-good life" frönen! Und zwar in New-Hipster-Town Baden-Baden! Und nun: Soll man über die peinliche Doublette lachen oder sich ärgern? Wir empfehlen Ersteres. Lachen ist immer besser, Aufregung überflüssig. Zeigt sich doch nur wieder, dass "good-good life" im wahrsten Wortsinn nicht "Baden-Baden - Ihr Niveau" ist - um eine Vorgänger-Kampagne für die Kurstadt zu zitieren.

Fotos: Reith/Blumeyer

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