Wenn Brummis parken
Wenn Brummis parken
Weingarten (kie) - Ein parkender Lkw blockierte die Einfahrt zu einem Parkplatz auf der A 5, im Anschluss ereignete sich am Mittwochmorgen ein Unfall mit einem Flixbus, bei dem drei Menschen schwer verletzt wurden (wir berichteten). Falsch parkende Lkw auf Autobahnen sind dabei kein seltenes Phänomen: Es mangelt an entsprechenden Parkplätzen, gleichzeitig müssen die Fahrer Ruhezeiten einhalten.

 

Wegen Überlastung der Rastplätze durch parkende Lkw kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen. Konkrete Unfallzahlen mit einem Bezug zu falsch parkenden Lkw liegen jedoch der Verkehrspolizeidirektion Baden-Baden nicht vor, seien aber laut Polizeihauptkommissar Sven Bramser als "eher selten zu betrachten".

Verschärfung durch Parkverbot in Industriegebieten

"Die vorhandenen Parkmöglichkeiten auf den Autobahnen reichen längst nicht mehr aus", so Bramser weiter. Verschärft werde die Situation zudem dadurch, "dass in immer mehr Industriegebieten Halteverbote eingerichtet werden".

Laut Edgar Neumann, Pressesprecher des Ministeriums für Verkehr Baden-Württemberg gibt es derzeit landesweit rund 6 650 Lkw-Stellplätze; einer Erhebung aus dem Jahr 2008 folgend, werden bis zum Jahr 2025 9 000 Stellplätze nötig. Diese Prognose wird derzeit überarbeitet; die bundesweite Lkw-Parkbedarfsprognose soll noch in diesem Jahr veröffentlicht werden. Klar ist aber: Es fehlt an Parkmöglichkeiten für die Brummis.

"Vielfältige Ansätze" um Abhilfe zu schaffen

Ansätze, um mehr Stellplätze zu schaffen, seien laut Neumann "vielfältig". Als Beispiele nennt er etwa eine effizientere Nutzung groß angelegter Raststätten, automatische Hinweissysteme auf freie Parkplätze, die Fahrer online abrufen können oder der Einsatz von Laserscan-Technologie. "Die Digitalisierung ist ein wichtiges Hilfsmittel, um die Auslastung und Nutzerfreundlichkeit zu verbessern", so Naumann.

Jährlich würden über 12 Millionen Euro in den Ausbau der Lkw-Parkplätze investiert. Es sei zu erwarten, dass dieses Volumen "gehalten oder sogar gesteigert werden muss".

Platzverweise anstatt Bußgelder

Die Polizei gehe "konsequent" gegen die Falschparker vor; "eine ständige Überwachung der Parksituation auf den Rasthöfen und Parkplätzen" erfolge in der Nachtzeit. Obwohl die Beamten etwa für das Parken auf einem Beschleunigungs- oder Verzögerungsstreifen Bußgelder von 70 Euro verhängen und zusätzlich mit einem Punkt ahnden könnten, beschränken sie sich laut Bramser "aufgrund der Vielzahl falsch parkender Lkw oftmals auf einen Platzverweis".

Hier greift dann eine Ausnahme von der Regel: In den Ruhezeiten dürfen Fahrer nämlich ihre Fahrt fortsetzen, um einen geeigneten Parkplatz zu finden.

Foto: Arnulf Stoffel/dpa

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