Auch "Worst Case" reicht wohl nicht aus
Auch 'Worst Case' reicht wohl nicht aus
Von Winfried Heck

Karlsruhe - Spätestens in der zweiten Jahreshälfte des kommenden Jahres sollen erstmals Bahnen durch den Karlsruher Stadtbahntunnel rollen. Ob es sich dabei um regulären Betrieb oder nur die Testfahrten vor Inbetriebnahme des Jahrhundertbauwerks handelt, ist laut Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) bisher aber noch nicht sicher.

Zwar werde weiterhin die Inbetriebnahme des Stadtbahntunnels zum Fahrplanwechsel im Dezember 2020 angestrebt, so Mentrup im Rahmen der gestrigen Karlsruher Gemeinderatssitzung, doch die Komplexität des Innenausbaus samt Zeitverzug bei einigen Gewerken deuten auf eine weitere Zeitverschiebung hin. Es bestehe aber durchaus eine "Restchance", die Zielvorgabe einzuhalten.

Zur Erinnerung: bei Baubeginn im Jahr 2010 war die Inbetriebnahme noch für das Jahr 2016 vorgesehen. Der Kriegsstraßentunnel mit oberirdischer Straßenbahntrasse soll nach derzeitigem Stand Ende 2021 fertig gestellt sein. Verzögerungen gab es hier vor allem, weil der Bundesrechnungshof kurz vor Baubeginn die Förderfähigkeit des Projekts angezweifelt hatte.

Weitere erhebliche Finanzierungsrisiken

Nicht nur die Bauzeiten haben sich deutlich verlängert, auch die Baukosten sind inzwischen beträchtlich gestiegen. Statt der ursprünglich veranschlagten "förderfähigen Kosten" in Höhe von rund 500 Millionen Euro geht die Stadt inzwischen von "Herstellungskosten" in Höhe von 1,3 Milliarden Euro aus. Darin enthalten sind allerdings auch Personal-, Marketing- und Finanzierungskosten, die normalerweise nicht ausgewiesen werden. Schon jetzt zeichnet sich aber ab, dass diese als "Worst Case" - als ungünstigster Fall - bezeichnete Summe nicht ausreichen wird. Laut Mentrup gibt es zusätzliche Risiken in Höhe von 20 bis 100 Millionen Euro.

Kostenplus wegen gestiegener Baupreise

Im Gemeinderat wurde durchaus kritisiert, dass selbst der "Worst Case" nicht eingehalten werde. Mentrup verwies jedoch darauf, dass man von Baupreissteigerungen in Höhe von 2,5 bis drei Prozent jährlich ausgegangen sei, tatsächlich stiegen die Baupreise in den zurückliegenden beiden Jahren aber um 13 Prozent. "Steigende Baupreise einzupreisen ist inzwischen ein Spiel mit der Spekulation." Dies werde man auch bei anderen Großprojekten, etwa bei der Sanierung des Badischen Staatstheaters, erleben. Immerhin habe man auch etwas Glück im Unglück.

So habe der Bund bisher tatsächlich 60 Prozent der förderfähigen Kosten übernommen. Auch das Land, das ursprünglich nur einen Festbetrag von 100 Millionen Euro zugesagt hatte, ziehe inzwischen voll mit und übernehme tatsächlich 20 Prozent der förderfähigen Kosten. Dafür sei er sehr dankbar.

Foto: Uli Deck/dpa

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