Art der Pflege ist eine "sehr individuelle Entscheidung"
Art der Pflege ist eine 'sehr individuelle Entscheidung'
Baden-Baden (red) - Wenn das Thema Pflege auf Betroffene oder ihre Angehörigen zukommt, entstehen zumeist viele Fragen. Informationen gibt es beispielsweise bei den Pflegestützpunkten. BT-Redakteurin Stephanie Hölzle hat Tanja Fröhlich vom Pflegestützpunkt in Baden-Baden vier Fragen rund um das Thema Pflege gestellt.

BT: Frau Fröhlich, das Wichtigste zuerst: Wohin kann man sich für Auskünfte rund um die Pflege bei uns in der Region wenden?

Tanja Fröhlich: An die Pflegestützpunkte des jeweiligen Stadt- oder Landkreises. Die Pflegestützpunkte sind neutrale Anlaufstellen rund um das Thema Pflege. In Baden-Baden sind wir das. Im Landkreis ist die Hauptstelle in Rastatt mit ihren Außenstellen in Gaggenau und Bühl zuständig. Zudem beraten auch die Pflegekassen, die Sozialdienste in den Krankenhäusern, Reha-Einrichtungen oder Pflegedienste.

BT: Zu Hause pflegen oder doch lieber eine Einrichtung wählen - gibt es Kriterien, anhand derer sich diese Entscheidung leichter treffen lässt? Und gibt es in der Region überhaupt genügend Pflegeressourcen?

Fröhlich: Wo die Pflege stattfindet, ist eine sehr individuelle Entscheidung. Sie hängt generell stark vom jeweiligen Gesundheitszustand der Person und ihrem Umfeld ab. Es sind Fragen zu beantworten wie: Wer hilft bei der Unterstützung? Wie ist die Versorgung zu Hause möglich? Benötigt jemand auch nachts Hilfe? In Bezug auf die Versorgungslage in der Region ist festzustellen, dass vor allem Plätze in der Kurzzeitpflege benötigt werden. Insgesamt ist der Bedarf an Pflegepersonal sowohl im stationären Bereich wie bei der Versorgung zu Hause definitiv auch in unserer Region angekommen.

BT: Pflege ist aufwendig und teuer. Mit welchen finanziellen Belastungen muss gerechnet werden und welche Hilfen gibt es bei der Finanzierung?

Fröhlich: Die Pflegeversicherung stellt bei einer Bewilligung eines Pflegegrades verschiedene Gelder zur Verfügung. Sowohl für den ambulanten, teilstationären und stationären Bereich. Beim Pflegeheim übernimmt die Pflegekasse beispielsweise einen Teil der Pflegeheimkosten. Darüber hinaus entsteht ein sogenannter Eigenanteil, der selbst zu begleichen ist. Der Eigenanteil ist unabhängig vom Pflegegrad ab Stufe zwei und liegt derzeit im Durchschnitt bei zirka 2.500 Euro im Monat. Der Beitrag aus der Pflegekasse ist hier allerdings schon abgezogen. Eine aktuelle Übersicht für Baden-Baden findet sich unter www.pflegestuetzpunkt.baden-baden.de. Wenn die Kosten nicht selbst getragen werden können, kann "Hilfe zur Pflege" beantragt werden. Zudem kann im Vorfeld vorgesorgt werden, beispielsweise über eine Versicherung.

BT: Welche Möglichkeiten gibt es, kurzzeitige Engpässe oder Notlagen zu überbrücken?

Fröhlich: Die Kurzzeit- und Verhinderungspflege sind sehr gute Entlastungsmöglichkeiten für pflegende Angehörige (Anm. d. Red.: Bei diesen befristeten Pflegeformen kann die Versorgung für Patienten für einen begrenzten Zeitraum übertragen werden, beispielsweise, wenn die Angehörigen im Urlaub sind oder selbst erkranken). Personen ab Pflegegrad zwei stehen finanzielle Unterstützungen von der Pflegekasse für diese befristeten Pflegeformen zur Verfügung. Diese können sowohl zur Versorgung zu Hause oder für einen kurzen Aufenthalt im Pflegeheim genutzt werden.

Kontakt:

Pflegestützpunkt Baden-Baden: (0 72 21) 93 14 92, E-Mail: pflegestuetzpunkt@baden-baden.de.

Pflegestützpunkt Rastatt: (0 72 22) 3 81 21 60, E-Mail: pflegestuetzpunkt@landkreis-rastatt.de


"Vier Fragen an:" ist eine Reihe der BT-Onlineredaktion. Die vier Fragen richten sich an Menschen, die gerade im Fokus stehen, etwas Interessantes erlebt oder zu erzählen haben oder aufgrund ihrer Tätigkeit interessant sind.

Foto: pr/Tanja Fröhlich

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