Vier Fragen an Michael Reiter
Vier Fragen an Michael Reiter
Kuppenheim (kie) - Sommer, Sonne, Schwimmbadzeit: Wer bei der Hitze eine Abkühlung sucht, findet diese oft im Wasser. Bademeister sorgen dafür, dass der Besuch sicher und ohne Komplikationen abläuft. Michael Reiter, leitender Schwimmmeister im Cuppamare in Kuppenheim, sprach mit BT-Volontärin Franziska Kiedaisch über seine Aufgaben, jugendlichen Leichtsinn und die technischen Komponenten des Berufs.

BT: Herr Reiter, heute sind sehr viele Badegäste im Cuppamare. Wie behalten Sie da einen Überblick?

Michael Reiter: Erst mal natürlich durch genügend Personal. Das haben wir glücklicherweise hier. Und dann ist das einfach viel Routine - ich arbeite seit 27 Jahren im Cuppamare als Badeaufsicht. Ich nehme Geräusche anders wahr: Wenn beispielsweise Kinder schreien, merke ich schnell, ob sie wirklich in Gefahr sind oder nur spielen. Da entwickelt sich dann irgendwann einfach so ein Gefühl.

BT: In den Medien gab es vermehrt Berichte über Probleme mit unbelehrbaren und aggressiven Jugendlichen im Schwimmbad. Haben Sie mit einem solchen Verhalten auch bereits Erfahrungen machen müssen?

Reiter: Ich habe das gehört, auch Kollegen haben mir davon erzählt. Wir haben im Großen und Ganzen aber keine Probleme. Weil wir ein Familienbad sind, zählen eben vor allem Familien zu unseren Gästen. Man merkt da schon, dass der ländliche Raum weniger Probleme hat als die Großstadt. Der Vorteil ist, dass Bademeister hier noch als Respektspersonen wahrgenommen werden - die Kommunikation funktioniert also. Was aus meiner Sicht aber nicht stimmt, ist die Wahrnehmung, dass die heutigen Jugendlichen schlimmer oder unerzogener sind als früher. Wir sollten nicht vergessen, dass wir selbst alle mal in diesem Alter waren. Und in ein Schwimmbad geht man ja, weil man seine Freizeit gestalten möchte. Wenn mal einer vom Beckenrand ins Wasser springt, kann ich da auch ein Auge zudrücken. Ich sehe das nicht immer so eng. Wir sind alle Menschen - und der Bademeister hopst auch mal gern von der Seite rein (lacht).

BT: Viele Bäder klagen über einen Mangel an Personal - besonders für die Badeaufsicht werden händeringend Leute gesucht. Wer kann Bademeister werden und was sollte man mitbringen?

Reiter: Wer gerne mit Menschen zusammen und offen ist, dem macht der Job Spaß. Es ist ein wirklich schöner Beruf, in dem man viel erlebt. Am Beckenrand arbeiten kann man aber nicht nur als Bademeister, sogenannter "Fachangestellte für Bäderbetriebe", sondern auch als Rettungsschwimmer. Heute sind zum Beispiel zwei Fachangestellte und zwei Rettungsschwimmer im Einsatz. Voraussetzung für Letztere ist ein Rettungsschwimmabzeichen in Bronze. Um Fachangestellter zu werden, ist eine dreijährige Ausbildung nötig. Die ist auch wegen der sensiblen Technik im Schwimmbad ratsam: Man muss sich mit den Filteranlagen auskennen und die Mess- und Regeltechnik bedienen. Zwei- bis dreimal täglich werden in allen Becken die Chlor- und pH-Werte getestet. Das Wasser im Schwimmbad hat Trinkwasser-Qualität. Man muss sich das so vorstellen: Innerhalb von vier bis sechs Stunden ist ein großes Becken einmal komplett gefiltert worden. Das hat man im Baggersee natürlich nicht. Gerade bei großer Hitze kann der See beispielsweise wegen Bakterien zum Problem werden. Im Cuppamare wird dagegen vollautomatisch über Sensoren gemessen, wie hoch der Anteil an Verschmutzung im Wasser ist und dementsprechend Chlor beigemischt. Übrigens: Chlor wird aus diesem Grund - entgegen weitläufiger Meinung - nie zu viel eingesetzt.

BT: Und was sind neben der technischen Wartung sonst Ihre Aufgabenfelder?

Reiter: Mein Beruf lässt sich am besten so beschreiben: Die Leute kommen gesund hier rein und wir wollen, dass sie auch wieder gesund gehen. Gerade für Eltern ist das ein beruhigendes Gefühl, wenn immer jemand ein Auge auf die Kinder hat. Aber eins möchte ich auch deutlich sagen: Von der Aufsichtspflicht entbunden sind sie trotz Bademeister nicht. Die häufigsten Einsätze habe ich, weil Gäste zu viel Sonne abbekommen haben; auch Verstauchungen und Verrenkungen gibt es oft. Man sollte als Bademeister in Erster Hilfe natürlich topfit sein. Aber - toitoitoi - in diesem Jahr gab es noch keine größeren Zwischenfälle. Doch auch das Retten von Personen, die drohen, unterzugehen, gehört zum Tagesgeschäft. Und einige Sachen, die später im Bad Probleme bereiten, bringen die Gäste von zu Hause mit - etwa eine Diabetes-Erkrankung, ein schwacher Kreislauf, weil zu wenig getrunken wurde oder Wunden, die dann hier mit einem Pflaster versorgt werden müssen. Wie gesagt: Es ist ein sehr vielseitiger Job.

"Vier Fragen an:" ist eine Reihe der BT-Onlineredaktion. Die vier Fragen richten sich an Menschen, die gerade im Fokus stehen, etwas Interessantes erlebt oder zu erzählen haben oder aufgrund ihrer Tätigkeit interessant sind.

Foto: Franziska Kiedaisch

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