Traumblick vom Alten Schloss regt zu journalistischem Experiment an
Traumblick vom Alten Schloss regt zu journalistischem Experiment an
Baden-Baden (fk) - Lassen Sie im Urlaub den Augenblick einfach mal als Augenblick wirken - ohne das Handy zu zücken, meint BT-Redakteur Florian Krekel. Und um das auch gleich umzusetzen, hat er mit einem Kollegen in Zeiten von Instagram und Facebook ein Experiment gestartet: Die Fotografien zu dem Text, den er im Folgenden geschrieben hat, hat er nie angeschaut.

Einzigartig. Das ist ein großes Wort, das immer die Frage in sich trägt, was einen Menschen, eine Sache, einen Moment so einzigartig macht. Die Antworten darauf können vielfältig sein, doch eines gilt für das Einzigartige immer. Es definiert sich durch das Gefühl, die Gedanken, den Moment. Und gerade dem Augenblick kommt für die Einzigartigkeit eine besondere Bedeutung zu, denn er erzeugt die Regungen und lässt uns Dinge und Momente als schön empfinden.

So ging es auch mir, als ich mich eines Feierabends zur Entspannung beim Alten Schloss niederließ und vor mich hinsinnierte, als da plötzlich die Sonne in fast mystischen Strahlen durch die Wolkendecke brach. Ganz dem Zeitgeist verfallen (und vielleicht auch dem beruflichen Eifer) zückte ich mein Smartphone und hielt den Moment zigfach im Bild fest, ehe sich mir dann doch ein Gedanke aufdrängte: Ist es nicht auch die Vergänglichkeit, die diesen Moment so einzigartig macht, und damit die Gefühle auslöst? Ist es nicht vielmehr so, dass Menschen sich viel intensiver an Momente erinnern, die nur in ihrer Erinnerung existieren, von denen es kein starres Abbild gibt, das dann die (optische) Wahrnehmung diktiert?

Ganz zu schweigen davon, dass der Handybildschirm vor der Nase dem Augenblick zumindest für einen kurzen Moment seine Einzigartigkeit und somit seinen Sinn raubt.

Was nämlich eigentlich zählt und den Augenblick so einzigartig macht, das ist das Wissen, dass das, was jetzt wirkt, so nie wieder kommt.

Deshalb habe ich mit einem Kollegen in Zeiten von Instagram und Facebook ein Experiment gestartet. Ich habe mir die Fotografien nie angeschaut - Journalistenehrenwort (falls das in der heutigen Zeit noch etwas zählt).

Der Kollege hat die Fotos zum Text gestellt und auf meinem Handy wieder gelöscht. Dafür verzichte ich auch heute auf das Aufschlagen der Zeitung (sorry Chef).

Warum das Ganze? Nun, vielleicht sollte man sich mal wieder von dem Moment am Alten Schloss in Baden-Baden leiten lassen, im Urlaub hier und da die Einzigartigkeit genießen, und den Augenblick mal ganz Augenblick sein lassen, denn: "Die Vergänglichkeit adelt den Augenblick." (Franz Friedrich Kovacs, deutscher Schriftsteller).

Fotos: Florian Krekel

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