Chinesen als Vorbild für die Hauenebersteiner
Chinesen als Vorbild für die Hauenebersteiner
Von Henning Zorn

Baden-Baden - Städtische Baustellen sind sicherlich nichts für Leute, die keine Engelsgeduld aufbringen können. Eigentlich hat man den Eindruck, dass Bauprojekte besonders im Straßen- und Tiefbaubereich immer länger dauern.

Man denke nur an die Ooser Straßensanierungen, an die zweijährigen Arbeiten am Leopoldsplatz oder an die Schaffung eines Kreisverkehrs am Bertholdplatz. Zurzeit wird besonders Haueneberstein von Baggern und anderen Baumaschinen geplagt, denn dort muss nicht nur das Rathaus erneuert, sondern vor allem auch - und dies wiederum über eine lange Zeit - die Karlsruher Straße (Ortsdurchfahrt) saniert werden.

Dass die Bürger den Eindruck haben, es gehe bei diesem Straßenbau besonders langsam voran, konnten die hier tätigen Bauarbeiter dieser Tage auf einer Mitteilung nachlesen, die eines Morgens an einem der Bauzäune befestigt war. Darauf hatte ein aufmerksamer Zeitgenosse eine interessante Berechnung vorgenommen.

Chinesen kamen schneller voran

Ausgehend von der Feststellung, dass für 150 Meter Straßenerneuerung (einschließlich Versorgungsleitungen) in Haueneberstein sieben Monate gebraucht werden, so heißt es da, wären dies bei 1.500 Metern schon fünf Jahre und zehn Monate. Und für 150 Kilometer würde man wohl rund 580 Jahre brauchen.

Der Verfasser verweist dann darauf, dass die Chinesen bei der Errichtung ihrer Großen Mauer in nur 300 Jahren 6 .000 Kilometer geschafft hätten. Daraus leitet er seine Aufforderung ab: "Ihr müsst mehr Gas geben!"

Bei Großer Mauer wohl auch weniger Vorschriften

Nun, man kann den Urheber dieser kleinen Berechnung schon verstehen: Es scheint so, dass heutzutage die Sanierung einer Straße in Haueneberstein vergleichsweise langsamer vorankommt als der Bau der Chinesischen Mauer. Aber die Chinesen mussten sich damals auch nicht mit Unmengen von Bauvorschriften herumschlagen und vor allem auch keine aufwendigen Leitungs- und Kanalarbeiten vornehmen.

Übrigens ist es auch nicht so, dass in der Vergangenheit alle Bauprojekte im Handumdrehen realisiert worden wären. So konnte der Kölner Dom erst 1880 nach einer Bauzeit von 632 Jahren und zwei Monaten endlich eingeweiht werden.

Foto: Alexander Herr

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