Vier Fragen an: Petra Möller
Vier Fragen an: Petra Möller
Rastatt - Ihre Devise: "Geht nicht gibt's nicht!" Deshalb geht Petra Möller mit den Rollstuhlfahrern, die sie wöchentlich im Rahmen des Rollisports beim Rastatter SC/DJK trainiert, auch mal auf Actiontour. Ob auf dem Eis, dem Boden oder in der Luft: Trotz großem Aufwand steht den gemeinsamen Aktivitäten nichts im Wege. Mit BT-Volontärin Sarah Gallenberger spricht Petra Möller darüber, weshalb sie bei ihrer Arbeit so viel Freude hat.

BT: Frau Möller, Sie selbst sitzen nicht im Rollstuhl. Wie kam es dazu, dass Sie die Rollstuhlfahrer trainieren?

Petra Möller: Ich wurde vor über zehn Jahren von einem Herrn eines Vereins gefragt, ob ich mich mir in diesem Bereich vorstellen könnte. Und ich habe sofort Spaß daran gefunden und die Ausbildung "Rollstuhlsport in der Neurologie" in der Akutklinik in Bad Wildungen gemacht. Seitdem fühle ich mich in der Familie, zu der meine Gruppe geworden ist, sehr wohl. Wir sind ja auch außerhalb des Trainings sehr aktiv. Klettern, Bowling spielen, Hundeschlittenrennen. Auf dem Eis waren wir auch schon, im Oktober gehen wir Segelfliegen. "Geht nicht gibt's nicht" ist meine Devise. Auch mit dem Rollstuhl hat man seine inklusive Berechtigung an der Lebensteilnahme. Es macht mich einfach glücklich, so was zu sehen. Und es macht Spaß.

BT: Das merkt man Ihnen auch an. Wie sieht denn so ein Training aus?

Möller: Das Training beginnt ab dem fünften Lebensjahr und geht bis zum Ältesten, der jetzt dann auf die 70 zugeht. Männlein und Weiblein gemischt. Also wirklich eine ganz heterogene und bunte Gruppe. Das ist natürlich ein sehr hoher Anspruch, jedem die sportlichen Aspekte und dabei auch Spiel und Spaß zu vermitteln. Im Training arbeiten wir am muskulären Aufbau. Außerdem haben wir einen Ausdauerbereich und Zirkeltraining. Oder wir arbeiten mit Gymnastikbällen oder Terrabändern. Das Training findet wöchentlich immer freitags von 17.30 bis 19 Uhr statt. Aber auch darüber hinaus sind wir mal auf dem Weihnachtsmarkt. Oder, oder, oder. Wir sind ein sehr aktiver und lustiger Haufen. Beim Training werden sämtliche Funktionen in die Einheiten eingebaut, aber genau das macht es manchmal auch so schwierig. Es ist natürlich tagesabhängig, welche Stimmung jeder mitbringt. Wenn jemand auf etwas Bestimmtes keine Lust hat, muss ich schnell umdisponieren.

BT: Sie machen das Ganze bereits seit über zehn Jahren. Das hört sich nach einem ziemlich großen Aufwand an?

Möller: Das ist es auch. Ich muss ja auch jede Woche neue Aspekte und Ziele setzen. Manchmal ist es in der Gruppe, die ich betreuen darf, auch schwer. Wir haben ja verschiedene Behinderungen dabei. Was ich immer wieder merke ist, dass der Austausch untereinander sehr wichtig ist. Weil die Menschen mit Behinderungen sich ja nur untereinander helfen können. Das kann ich nur schwer vermitteln. Ich kann zwar weitergeben, was ich durch Seminare und Ausbildungen an Input bekomme. Aber das persönliche, nämlich das Gefühl einer Behinderung, das nicht. Ich bin nun mal kein Rollstuhlfahrer. Ich kann aufstehen, ich kann laufen und ich kann springen. Zur Unterstützung des Trainings habe ich meine lieben Helfer.

BT: Wer sind denn Ihre Helfer?

Möller: Das sind liebe Bekannte von mir. Viele sind dann auch sehr gerührt. Das ist vollkommen okay. Man darf mitfühlen, aber ganz wichtig bei dieser Arbeit ist: Mitleid ist fehl am Platz. Man darf das Ganze nicht als Krankheit sehen, man muss es als Behinderung sehen. Und eine Behinderung ist vollkommen in Ordnung. Ich sage immer: Unvollkommen ist vollkommen okay. Es gibt ja auch Menschen, die zeitweise durch schlimme Verkehrsunfälle oder andere Sachen eine Behinderung bekommen haben. Das ist natürlich schon ein harter Anspruch. Natürlich sind das sehr schwere Situationen. Aber bei uns haben sich die Menschen gefunden.

Vier Fragen an:

"Vier Fragen an:" ist eine Reihe der BT-Onlineredaktion. Die vier Fragen richten sich an Menschen, die gerade im Fokus stehen, etwas Interessantes erlebt oder zu erzählen haben oder aufgrund ihrer Tätigkeit interessant sind. Die Beiträge der Reihe werden sonntags um 8 Uhr auf der Homepage des Badischen Tagblatts veröffentlicht.

Foto: Möller

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