Vier Fragen an: Stefan Güldner
Vier Fragen an: Stefan Güldner
Baden-Baden - Jahrelang standen die Parkplätze rund um den Bahnhof kostenlos zur Verfügung - gut für Leute, die mit ihren Autos nicht in die Innenstadt fahren wollen und für den restlichen Weg auf den Bus umsteigen. Sehr gut für Pendler, die von Montag bis Freitag ihr Auto dort stehen lassen, um mit dem Zug zur Arbeit zu fahren. Doch ab dem 1. Oktober heißt es: Tschüss, kostenloser Parkplatz. Denn zukünftig werden für die Nutzung der Stellplätze "Oos-Süd" und "Oos-West" Gebühren anfallen. Mit BT-Volontärin Sarah Gallenbegrer spricht PGG-Leiter Stefan Güldner (städtische Parkgaragen-Gesellschaft) darüber, wieso Pendler zukünftig für den Stellplatz zur Kasse gebeten werden.

BT: Herr Güldner, ab dem 1. Oktober sollen die Parkplätze in Bahnhofsnähe kostenpflichtig werden. Meinen Sie nicht, dass viele Berufstätige einfach ganz auf das Auto umsteigen werden, anstatt für den Park-and-Ride-Parkplatz Geld zu bezahlen?

Stefan Güldner: Ich gehe davon aus, dass bisherige Pendler unserem Angebot auch weiterhin treu bleiben und sich für eines unserer Angebote, wie zum Beispiel das Jahresticket, entscheiden werden. Dafür gibt es ja auch gute Gründe. Zum einen geht man durch das weitere Fahren mit der Bahn den morgendlichen Verkehrsstaus aus dem Weg und kann dazu beitragen, dass die Straßen entlastet werden. Zum anderen schätzen viele ihre Zeit in der Bahn, um zu lesen oder zu entspannen. Und dazu kommt auch, dass die Umwelt geschont wird, wenn wir weiterhin mit Bus und Bahn fahren. Kostenpflichtige Park-and-Ride-Parkplätze sind ja auch nicht unüblich. Und die gesicherten Fahrradplätze, die am Bahnhof installiert sind, sind bereits von Anfang an kostenpflichtig.

BT: Wie wir bereits berichteten, argumentierten Sie die zukünftig kostenpflichtigen Parkplätze auch damit, dem Dauerparken ein Ende zu setzen. Gäbe es dafür nicht auch andere Möglichkeiten? Zum Beispiel, indem man ab einer bestimmten Uhrzeit Strafzettel verteilt oder mehr kontrolliert wird?

Güldner: Das wäre als dauerhafte Lösung ein enormer Aufwand. Indem wir die Parkplätze kostenpflichtig zur Verfügung stellen, gewinnen wir neue Kapazitäten - Parkplätze, die vorher von Dauerparkern besetzt wurden, stehen für die Pendler und Bahnreisenden wieder zur Verfügung. Dafür haben wir ja auch unser spezielles Tarifangebot des Jahrestickets. Das Angebot beschränkt sich dabei auch nicht nur auf die Arbeitswoche beziehungsweise den Arbeitsweg: Gegen Vorlage des Tickets können Pendler uneingeschränkt dort parken. Zum Beispiel auch dann, wenn ein Wochenendtrip oder ein Besuch der Innenstadt geplant ist.

BT: Aber befürchten Sie nicht, dass eben diese Pendler sich weigern werden, den zuvor kostenlosen Parkplatz zukünftig zu zahlen, und dann auf andere Parkplätze, wie zum Beispiel die von Anwohnern, ausgewichen wird?

Güldner: Sicherlich wird es Vermeider geben. Aber dadurch müssen viel umständlichere Wege in Kauf genommen werden. Zum Beispiel muss erst mal ein freier Parkplatz gesucht werden. Hat man sein Parkticket, kann man entspannt auf den Parkplatz fahren und hat in jedem Fall einen Platz garantiert. Ich gehe davon aus, dass sich der Großteil für den Park-and-Ride-Parkplatz aussprechen und entscheiden wird.

BT: Und wo kann ich die Tickets erwerben?

Güldner: Die normalen Tages- und Wochentarife können über Tickets an der Schranke an der Einfahrt erworben werden. Um ein Jahresticket zu erwerben, können die Dauerparker uns per E-Mail, Fax oder Telefon kontaktieren. Dann muss ein Antrag ausgefüllt werden und das Parkticket wird dem Käufer zugeschickt. Wenn das Jahr vorbei ist, kann der Parker uns einfach ein paar Wochen vor Ende der Laufzeit kontaktieren. Dann wird die nächste Jahresrate fällig und ein Parkplatz ist ein weiteres Jahr gesichert. Weil das Konzept speziell im Bahnhofsbereich für die Autofahrer neu ist, haben wir uns erst mal gegen ein Abonnement entschieden. Bedeutet: Wenn das Jahr zu Ende ist, verlängert sich der Vertrag nicht automatisch. Und tatsächlich haben wir bereits etliche Anfragen für die Jahrestickets bekommen. Wir gehen davon aus, dass diese durch das Ferienende auch noch zunehmen werden.

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