Der "Flow" muss nicht mehr sterben
Der 'Flow' muss nicht mehr sterben
Baden-Baden (hez) - Da soll noch einmal jemand sagen, die Stadt Baden-Baden tue nichts für Radfahrer. An der Grünen Einfahrt hat die Verwaltung nun sogenannte Ampelgriffe an den Ampelmasten montiert. Sie laufen rund um den Mast und sollen Radlern mehr Komfort bieten. Diese halten sich zuweilen an Ampelmasten fest, um bei Rot nicht absteigen zu müssen.

Dies ist allerdings mitunter eine nicht ganz saubere und im Winter auch eher kalte Angelegenheit. Daher wurden bereits vor knapp 20 Jahren in der Stadt Marl in Nordrhein-Westfalen erstmals spezielle Radler-Griffe an Ampeln montiert, die auch zum kraftvollen Abstoßen dienen sollen.

Inzwischen findet man sie in etlichen Städten, und der senkrechte Haltegriff des Marler Modells wird inzwischen - so auch in Baden-Baden - immer öfter vom umlaufenden Griff nach dem Karlsruher Modell abgelöst.

Griffe befördern radphilosophische Betrachtungen

Aber diese Ampelgriffe sind nicht nur Objekt intensiver technischer Überlegungen, sie fordern offensichtlich auch zu radfahrphilosophischen Betrachtungen zum Thema "Schöner stoppen" heraus. So heißt es auf der Internetseite eines Fahrradleasing-Anbieters: "Wer regelmäßig als Radfahrer unterwegs ist, kennt ihn, den Flow. Er taucht immer dann auf, wenn man einige Zeit flott unterwegs ist. Die Pedale scheinen sich von selbst zu drehen und geben einem das Gefühl zu fliegen. Die Gedanken heben ab und eine angenehme Entspannung macht sich breit. Ommm. Bis einen die rote Ampel abrupt aus diesem herrlichen Zustand reißt. Bremsen, absteigen, der Flow ist tot."

Ruf nach Ausbau des Radwegenetzes wird nicht verstummen

Nun, durch die neuen Haltegriffe kann der Flow überleben. Jetzt auch in Baden-Baden. Beobachtungen zeigen allerdings, dass hier doch etliche Radfahrer die neuen, schönen Haltemöglichkeiten eher skeptisch ansehen und lieber - Flow hin oder her - absteigen. Und den Ruf nach einem weiteren Ausbau des Radwegenetzes werden solche kleinen kommunalen Geschenke sicher auch nicht verstummen lassen.

Foto: Vollmer

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