BT-Gespräch: Olschowski lobt ländlichen Raum
BT-Gespräch: Olschowski lobt ländlichen Raum
Stuttgart (bjhw) - Kulturstaatssekretärin Petra Olschowski will die Kultur auf dem Land stärken. Dort gebe es bereits vielfältige, beispielhafte und qualitätvolle Aktivitäten, betont sie im Gespräch mit BT-Korrespondentin Brigitte J. Henkel-Waidhofer.

BT: Was können Kulturschaffende auf dem Land besser als die in der Stadt?

Petra Olschowski: Sie haben ein gutes Gefühl für die Situation vor Ort, für die Menschen, die da leben, dafür wie sie diese Menschen erreichen, einbinden und für das Ehrenamt mobilisieren können. Ich habe auch eine Experimentierfreude erlebt, die manchmal sogar größer ist als in der Stadt. In der Stadt ist der Wettbewerb größer und der Druck, Perfektion zu liefern. Auf dem Land gibt es immer Entwicklungsmöglichkeiten. Amateure sind viel stärker involviert, die Partizipa tion ist größer und die Arbeit im Ehrenamt.

BT: Was bedeutet das für die Qualität?

Olschowski: Das ist eine gute Frage, die viel mit Anspruch und Herangehensweise zu tun hat - in der Stadt und auf dem Land. Für die Qualitätsfrage macht das keinen Unterschied. Auch in der Stadt wollen Kunst- und Kulturschaffende ihr Publikum übrigens immer stärker zu Beteiligten machen. Dafür gibt es beste Beispiele. Man kann aber vielleicht sagen, dass auf dem Land mehr Erfahrung mit solchen Formaten existiert, weil die Zusammenarbeit direkter ist. Und auch die Konsequenz dieses Miteinanders. Es gibt weniger Nischen. Man kann ein Wirtshausstück beispielsweise in der Stadt oder auf dem Land machen - die Ergebnisse sind aber andere, weil ein Gasthof auf dem Land möglicherweise um seine Existenz kämpft und ein solches Stück eine andere Relevanz entfaltet. In den kleineren Orten und Kommunen müssen auch immer wieder aufs Neue im direkten Gespräch Partner gesucht werden, Leute, die mitmachen. Aber um noch mal auf die Qualitätsfrage zu kommen: Wenn ich beispielsweise an unsere lange Tradition im Musikbereich denke. Wir haben gerade auch in den ländlichen Räumen sehr viele gut entwickelte Strukturen im Bereich der Chöre und der Orchester. Da findet man eine Professionalität und eine Qualität, von der viele Leute, die nicht auf dem Land leben, nichts oder zu wenig wissen. Wir haben darüber hinaus starke Bibliotheken, die für viele Menschen in den kleineren Kommunen den kulturellen Zugang sichern. Darüber hinaus gibt es die Vielfalt der soziokulturellen Zentren und privaten Theater ...

BT: ... aber nicht überall.

Olschowski: Stimmt. Deshalb haben wir uns des Themas ja auch angenommen. Natürlich ist im Südschwarzwald oder auf der Schwäbischen Alb eine ganz andere Situation als rund um Mittelzentren, in denen sich Mäzene engagieren. Aber es gibt eine Konstante, die alle verbindet, und das ist das unglaubliche Engagement der Menschen vor Ort, von dem eine ganz große Kraft ausgeht. Das müssen wir unterstützen. Und da ist Kooperation auch unter den Ministerien notwendig. Da muss das Kultusministerium mitziehen, das Ministerium für den Ländlichen Raum, das Verkehrsministerium, nicht zuletzt übrigens. Denn wenn keine Busse fahren und die Besucher abends nicht zurückkommen, findet das beste Wirtshausstück sein Publikum nicht. Deshalb müssen wir in unserer Fördersystematik ganz neue Wege gehen. Und das werden wir tun.

Foto: Simon Sachseder/dpa

Impressum - Nutzungsbedingungen - Datenschutz