Prozess nach über 23 Jahren
Prozess nach über 23 Jahren
Offenburg (lsw/red) - Mehr als 23 Jahre nach dem gewaltsamen Tod einer Frau in Gengenbach (Ortenaukreis) hat der Prozess gegen einen heute 48 Jahre alten Mann begonnen. Ihm wird vorgeworfen, im Juni 1996 seine damals 22 Jahre alte Ehefrau mit einem Messer ermordet zu haben, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft zum Auftakt des Prozesses am heutigen Montag vor dem Landgericht Offenburg sagte.

Nach der Tat sei der Angeklagte in sein Heimatland Türkei geflohen und galt seither als verschollen. Als er im vergangenen Jahr nach Deutschland zurückkehrte, wurden die Behörden auf ihn aufmerksam. Der Mann wurde festgenommen und sitzt seither in Untersuchungshaft.

Mord soll sich aus Eifersucht ereignet haben

Die Anklagebehörde wirft dem Angeklagten vor, am Abend des 20. Juni 1996 seine Ehefrau in deren Dachgeschosswohnung getötet zu haben. Der beide hatten laut Mitteilung des Landgerichtes zwei Jahre zuvor im Heimatland des Angeklagten geheiratet und sich Anfang des Jahres 1996 wieder getrennt. Der Mann soll wegen einer intimen Urlaubsbeziehung seiner Ehefrau miteinem anderen Mann beschlossen haben, sie zu töten. Außerdem habe er die Möglichkeit gesehen, durch deren Tötung an das Geld seiner Ehefrau zu gelangen.

Sechs Mal soll der Mann zugestochen haben

Der heute 48-Jährige soll, so die Mitteilung weiter, sechs Mal auf die wehrlose Frau eingestochen haben. Die Geschädigte erlag inneren Blutungen infolge eines Herzstiches. Der Angeklagte soll unmittelbar nach der Tat den Geldbeutel der Geschädigten mit einem unbekannten Bargeldbetrag an sich genommen und an einem Geldautomaten der Sparkasse Gengenbach von deren Konto einen Betrag in Höhe von etwa 800 DM abgehoben haben.

Unterschiedliche Personalien erschwerten Polizeiarbeit

Der Angeklagte benutze sowohl bei der Heirat, als auch bei der späteren Einreise nach Deutschland die Personalien seines Cousins. Nach der Tat floh er in sein Heimatland und arbeitete dort unter seinen tatsächlichen Personalien. Nach politischen Unruhen kehrte er im Jahr 2018 wieder nach Deutschland zurück.

Die unterschiedlichen Personalien erschwerten die Ermittlungsarbeit für die Behörden. Außerdem waren die Ermittlungen das Verfahren zwischenzeitlich eingestellt worden, da man irrtümlich davon ausgegangen war, der Angeklagte sei verstorben, so das Landgericht. Für den Prozess sind Gerichtsangaben zufolge zunächst sechs Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil könnte es demnach Anfang Dezember geben.

Symbolfoto: Patrick Seeger/dpa

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