Umweg mit "E.T." oder Begegnungen der unheimlichen Art
Umweg mit 'E.T.' oder Begegnungen der unheimlichen Art
Von Franz Vollmer

Baden-Baden - Novemberrätsel gefällig? Es sieht aus wie ein Gehweg, es fühlt sich an wie ein Gehweg, doch es ist leider kein Gehweg. Die Rede ist von jenem Fleckchen asphaltierte Erde im Varnhalter Teilort Umweg, auf dem sich vor wenigen Tagen noch ein seltsamer blecherner Geselle tummelte, der auf den Namen "Enforcement Trailer", mit andern Worten "E.T.", hört.

Nun hat diese blitzende Blechdose, optisch eine Mischung aus schrottgepresstem VW Käfer, beinamputiertem R2D2 und winterfertig eingepacktem Motorrad, zwar den Vorteil, gegen jede Art von Vandalismus gepanzert zu sein, allerdings auch den Nachteil, dass er sich nicht in irgendwelchen Hecken verstecken kann, sondern meist ungeniert mitten auf Bürgersteigen rumsteht, um den Rasern dieser Welt aufzulauern. Mitunter so ungeniert, dass der geneigte Fußgänger ob dieser Begegnung der unheimlichen Art seinen Fuß unfreiwilligerweise auf die Straße setzen muss. Was in einem Ortsteil wie Umweg durchaus einen tieferen Sinn ergibt, dennoch gleich zwei Fragen aufwirft: Erstens, ob dies im Sinne des Erfinders ist, wenn Passanten im Interesse der gesteigerten Sicherheit auf die Straße genötigt werden? Und zweitens, ob er das denn überhaupt darf, also da rumstehen?

Ja, er darf. Zumindest an dieser Stelle, sagt die Stadtverwaltung. Denn bei der fraglichen Stelle "handelt es sich entgegen dem ersten Anschein nicht um öffentlichen Verkehrsraum, sondern um eine private Fläche und somit auch nicht um einen Gehweg" per se, erläutert Johanna Schönauer, Leiterin des Fachgebiets Straßenverkehr.

Zwar räumt sie ein, dass "die Gestaltung" optisch einem Gehweg gleichkomme, faktisch sei es dennoch keiner. Im Übrigen wurde der Standort zur Verkehrsüberwachung "in Absprache mit dem Eigentümer und aufgrund von Anwohnerbeschwerden dort aufgestellt", so Schönauer weiter.

Und gänzlich unnötig war der blecherne Junge auch wieder nicht. Satte 163 Beanstandungen, fast ausschließlich im Verwarnungsgeldbereich, hat "E.T." vom 7. bis 17. November ans Tageslicht befördert. Der Topspeed lag bei 57 Stundenkilometern - wohlgemerkt im 30er-Bereich. Die Bilanz kann sich also sehen lassen. Zu Wochenbeginn ist der "Blitzeranhänger", wie es seiner semistationären Natur entspricht, wieder weitergezogen. Das Gerät wurde abgeholt. Mission beendet. "E.T." wollte, so darf man vermuten, auch mal wieder "nach Hause"!

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