Schlagabtausch vor dem Derby
Schlagabtausch vor dem Derby
Karlsruhe (lsw) - Das mit der erhofften Ruhe vor dem Derby ist nun endgültig vorbei. Sogar Bundestrainer Joachim Löw hatte die Fans des VfB Stuttgart und des Karlsruher SC vor dem brisanten Duell am Sonntag (13.30 Uhr/Sky) zu Besonnenheit aufgerufen. Aber dann kam erst das vollmundige Sieg-Versprechen von VfB-Trainer Tim Walter. Und am Freitag folgte die Reaktion aus Karlsruhe. "Er hat uns kein Tor zugetraut, obwohl wir mehr geschossen haben als sie. Das ist ja schön für ihn. Ich gehe anders damit um. Ich habe Respekt vor jedem Gegner", sagte Schwartz.

Für Ruhe im ohnehin aufgeregten Derby-Umfeld sorgt das Verbal-Duell der beiden Trainer sicher nicht. Für Zurückhaltung ist Walter ohnehin nicht bekannt, das war auch nach den vier Niederlagen aus den jüngsten fünf Spielen in der 2. Fußball-Bundesliga nicht zu erwarten. Wie sehr der 44-Jährige damit seinen Karlsruher Kollegen genervt hat, zeigte dessen ernste Miene zwei Tage vor dem Spiel. Es kommt äußerst selten vor, dass der ansonsten bei öffentlichen Auftritten eher besonnene Schwartz derart auf die forschen Töne eines gegnerischen Trainers reagiert. Und es zeigt, wie sehr ihm das Verhalten des früheren KSC-Jugendtrainers missfällt.

Was will Walter bezwecken?

Was Walter mit seinen Aussagen überhaupt bezwecken wollte, bleibt dagegen unklar. "Wir wissen, dass wir alles geben müssen. Wir werden dann auch die Tore erzielen und keines kassieren", hatte er angekündigt. Ob er damit überhaupt etwas bezwecken wollte, sollte man sich aber auch fragen. Denn die Impulsivität des Familienvaters scheint grundsätzlich nicht irgendwelchen Absichten zu folgen. Es ist auch nicht das erste Mal, dass Walter einen Erfolg prophezeit. Dass seine Mannschaft in der bisherigen Saison äußerst selten überzeugen konnte, reihenweise Chancen ungenutzt ließ und tatsächlich zwei Tore weniger als der KSC geschossen hat, bremst ihn offenbar nicht.

Kreuzer und Gordon reagieren gelassen

"Dass er eine schnelle Zunge hat, dafür ist er bekannt", sagte KSC-Sportdirektor Oliver Kreuzer, der Walters Töne im Vergleich zu seinem Trainer äußerst gelassen hinnahm. Auch Innenverteidiger Daniel Gordon reagierte mit einem Lächeln: "Was Tim Walter sagt, interessiert mich nicht die Bohne. Der kann erzählen, was er will." Der Routinier fand die Aussagen sogar relativ dankbar, da sie beim ein oder anderen KSC-Profi für "Zusatzmotivation" sorgen könnten. Das dürfte neben hitzigen Diskussionen in beiden Fanlagern wohl das einzige sein, was Walter mit ihnen ausgelöst hat.

VfB steht unter Druck

Der VfB wird sich an den Worten seines Trainers nun messen lassen müssen. Bei einer weiteren Niederlage droht der Absturz auf den fünften Rang, und spätestens in diesem Fall könnte es auch für Walter etwas ungemütlicher werden. Seit 1965 haben die Schwaben zuhause nicht mehr gegen die Badener verloren, außerdem gibt es für viele Anhänger beider Traditionsclubs kaum etwas Größeres als einen Derbysieg. Den größeren Druck hat der VfB: Weil die direkte Rückkehr in die Bundesliga das klare Ziel ist und jede weitere Niederlage diese Pläne zu gefährden droht. Außerdem wurde den Fans ja ein Sieg versprochen. Und Derby-Versprechen sollte man besser nicht brechen.

Foto: Uli Deck/dpa/Archiv

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