Vier Fragen an: Niklas Kaul
Vier Fragen an: Niklas Kaul
Baden-Baden - Dem König der Athleten kann man schon mal den Roten Teppich ausrollen. Niklas Kaul hat am Donnerstag bei der 71. Bambi-Verleihung im Baden-Badener Festspielhaus gemeinsam mit Schwimm-Doppelweltmeister Florian Wellbrock den Sport-Bambi erhalten. Seit seinem Erfolg von Doha reißen sich alle um den jüngsten Zehnkampf-Weltmeister aller Zeiten: Fans, Fotografen, Politiker - sogar die Kanzlerin wollte Niklas Kauls Postadresse wissen. Der 21-jährige Mainzer hat BT-Volontär Marvin Lauser, der den Zehnkämpfer seit dessen U18-Weltmeistertitel journalistisch begleitet, vier Fragen beantwortet.


BT: Du studierst trotz deines Weltmeistertitels weiter an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz Physik und Sport auf Lehramt, selbst am Tag der Bambi-Verleihung hast Du vormittags noch in einer Physik-Übung gebüffelt - wie ist der Umgang mit Kommilitonen? Wie gehst Du mit dem Rummel um deine Person um? Kommt es vor, dass jemand ein Autogramm von dir oder ein Selfie mit dir möchte?

Niklas Kaul: Ne, das ist ganz normal und das ist auch schön so. Es ist auch so, dass ich sagen kann: Die Uni und die Trainingsgruppe sind mein Rückzugsort, auch wenn medial doch deutlich mehr los ist als davor. Ich glaube, man muss gucken, dass im Umfeld, egal ob das jetzt Sport, Uni oder privat ist, alles gleich bleibt und man da weiterhin einfach sein gewohntes Umfeld hat, alles was an medialer Aufmerksamkeit kommt, mitnimmt und Spaß daran hat.

Kaul widmet seinen Bambi den Ehrenamtlichen und Kampfrichtern

In seiner Dankesrede im Baden-Badener Festspielhaus sagte Kaul: "Ich habe vorhin noch gesagt, aufgeregt bin ich nicht. Jetzt habe ich doch feuchte Hände. Ich glaube, allen zu danken, die da mitgewirkt haben, wäre zu viel. Deswegen möchte ich mich bei denen bedanken, die zu oft vergessen werden. Die, die das ehrenamtlich machen, um den Kindern und Jugendlichen eine Bühne zu geben, wo sie ihren Wettkampfsport betreiben können, denen bin ich einfach wahnsinnig dankbar und möchte Ihnen diesen Preis widmen".

BT: Hast Du schon Post von der Kanzlerin bekommen?

Kaul: Ja! Der Brief der Kanzlerin ist angekommen. Sie hat mir gratuliert und da habe ich mich sehr drüber gefreut. Wann bekommt man denn schon mal Post von der Kanzlerin? Geantwortet habe ich ihr nicht, ich glaube, sie hat genug zu tun (lacht).

BT: Wie ernährt sich ein Zehnkampf-Weltmeister?

Kaul: Die Frage kam jetzt schon öfter. Kommt immer darauf an, ob im Wettkampf oder außerhalb in der Trainingsphase. Im Wettkampf sehr viel leicht verdauliche Nahrung, weil wir uns dieses Verdauungskoma - so nenne ich das jetzt mal - einfach nicht leisten können. Das geht einfach nicht. Dann ist man bei der nächsten Disziplin ganz platt. Deswegen gilt die Devise: Gut frühstücken, sehr gut Abendessen und dazwischen viel leicht verdauliche Nahrung, Riegel, Apfelmus und so weiter zu sich zu nehmen.

Ganz ohne Nahrungsergänzungsmittel zum WM-Titel

In der Trainingsphase esse ich auch nicht groß anders als andere, die sich halbwegs gesund und bewusst ernähren. Viel Obst, viel Gemüse. Frische Sachen natürlich und viel eiweißhaltige Produkte. So was halt, aber keine Spezialernährung und keine Nahrungsergänzungsmittel irgendwelcher Art, weil man das nicht braucht, wenn man sich bewusst ernährt.

Sake und Konnichiwa - die Vorbereitung auf Tokio läuft

Seit ich zuhause ausgezogen bin (Kaul ist vor der WM mit seiner Freundin, der Leichtathletin Mareike Rösing, zusammengezogen, Anmerkung der Redaktion) bin ich ein ganz großer Süßkartoffelfan geworden, warum auch immer. Ich habe früher gerne auch normale Kartoffeln gegessen, aber jetzt bin ich bei Süßkartoffeln auf den Geschmack gekommen und koche gefühlt alle zwei Tage irgendwas mit Süßkartoffel. Ob es leistungsfördernd ist, werden wir dann noch sehen.

BT: Nächstes Jahr steht einer deiner größten Träume an, die Olympischen Spiele in Tokio - hast Du schon mit dem Japanisch Lernen angefangen?

Kaul: Das Japanisch Lernen hakt ein bisschen (lacht). Ich weiß, was Sake ist und kann auf Japanisch Guten Tag sagen - dann hört es aber leider echt schon auf. Ich setze darauf, dass man dort mit Englisch auch relativ weit kommt.

Foto: Sebastian Gollnow/dpa

"Vier Fragen an:" ist eine Reihe der BT-Onlineredaktion. Die vier Fragen richten sich an Menschen, die gerade im Fokus stehen, etwas Interessantes erlebt oder zu erzählen haben oder aufgrund ihrer Tätigkeit interessant sind. Die Beiträge der Reihe werden sonntags um 8 Uhr auf der Homepage des Badischen Tagblatts veröffentlicht.

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