Ein Denkmal für Wilhelm Tell
Ein Denkmal für Wilhelm Tell
Von Manuela Behrendt

Ötigheim - "Tellplatz" und "Telldorf" sind Begriffe, die weit über die regionalen Grenzen Bedeutung haben. Sie benennen unmissverständlich die Freilichtbühne und die Kommune Ötigheim. Dem "Tell" setzen die Volksschauspiele nun ein Denkmal. In Dresden entsteht eine zwei Meter hohe Bronzeskulptur als Nachbildung des weltbekannten Originals von Richard Kissling, das in Altdorf in der Schweiz steht.

Anlässlich des Festjahrs "110 Jahre Wilhelm Tell" findet das Monument im Sommer seine Heimat auf einem Natursteinsockel im Rondell vor dem Eingangsbereich der Freilichtbühne. Zur Finanzierung geht man den Weg des Spendensammelns.

Fans, Freunde, Gönner und Liebhaber des Mehrspartentheaters sind angesprochen, den Geldbeutel zu öffnen und das Projekt mit einer Gabe voranzubringen.

"Die Plastik ist zeitlos und natürlich"

Kisslings Skulptur zeigt Wilhelm Tell und seinen Sohn Walter vor der Begegnung mit dem Hut und repräsentiert personifizierte Unschuld. "Tell ist ein liebevoller Vater mit seinem Sohn auf dem Spaziergang ins Tal; die Plastik ist zeitlos und natürlich", sagt Markus Wild-Schauber, der federführend das Projekt in Händen hält.

Ein Denkmal für die Namenlosen

Mit Flyern und im direkten Gespräch machte man bereits während der vergangenen Freiluftsaison auf das Denkmal aufmerksam. Hätte jeder Vorstellungsbesucher nur einen Euro gegeben, hätte man das Spendenziel von 60.000 Euro locker überschritten. Leider konnte man nicht jeden Gast erreichen, um ausführlich zu erklären, warum ein Ehrenmal her soll. "2020 erinnern wir mit unserer Neuinszenierung an die vielen Volksschauspieler, die unsere Gemeinde zum ,Telldorf' gemacht haben; die meisten davon sind zu Namenlosen geworden, sie verdienen ein Denkmal", sagt Wild-Schauber.

Drama ist so aktuell wie nie

"1910 spannt Wilhelm Tell erstmals in Ötigheim seine Armbrust; es ist ein Meisterschuss, der Ötigheim verändern wird", resümiert er. Heute sei Schillers Drama aktuell wie nie. "In einer Welt, in der die Freiheit oft mit Füßen getreten wird, kann uns Tell Mut machen: Mut, unerschrocken für die Freiheit und die Würde des Menschen einzustehen; er kann uns ein Beispiel geben, wo nötig die persönliche Komfortzone zu verlassen und sich für die Gemeinschaft einzusetzen".

Edelstahlskelett sorgt für statische Sicherheit

Vor zwei Jahren begann Wild-Schauber mit der Suche nach einer kopierfähigen Tell-Miniatur. Im Internet fand sich ein Abguss von Kisslings Kleinversion. Mittels eines 3D-Druckers scannte die Dresdner Gießerei Ihle die Miniatur, erstellte ein digitales Modell, das man vergrößerte und daraus einen dreidimensionalen "Druck" erstellte. Dieser wurde von Hand bildhauerisch überarbeitet. "In weiteren Schritten wird das Modell nun abgeformt, gegossen und patiniert", erklärt Wild-Schauber. Ein Edelstahlskelett sorgt für statische Sicherheit und Diebstahlschutz.

"Verbunden werden auch die Schwachen mächtig"

Nicht nur bei der Mitfinanzierung setzt Wild-Schauber auf eine anpackende, engagierte Gemeinschaft. Er plädiert ebenso für finanzielle Unterstützung im Rahmen der Aktion "Zukunft Volksschauspiele". Vielfältige Programm- und künstlerische Ausbildungsangebote, Anlagen- und Technikmodernisierung kosten Geld. Aus Kartenverkäufen und Rücklagen könne man die Kosten nur zum Teil stemmen. Aber wie Schiller im "Tell" sagt: "Verbunden werden auch die Schwachen mächtig".

Foto: Manuela Behrendt

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