Vier Fragen an Edmund Erath
Vier Fragen an Edmund Erath
Gaggenau (kie) - Allein in Deutschland fallen pro Jahr über 700 Tonnen metallhaltige Hydroxidschlämme an, die wegen ihrer Giftigkeit auf Sondermülldeponien abgelagert werden müssen. Der in Gaggenau lebende Erfinder Edmund Erath (75) wurde nun mehrfach für ein von ihm entwickeltes Verfahren ausgezeichnet, bei dem wertvolle Rohstoffe schon direkt an den Anfallstellen in der Produktion separat erfasst und in einer wiederverwertbaren Form (zum Beispiel als Nickeloxid-Pellets) zurückgewonnen werden. BT-Redakteurin Franziska Kiedaisch stellte dem früheren Verfahrenstechniker im Bereich Recycling- und Umwelttechnik vier Fragen.

BT: Herr Erath, wodurch zeichnet sich Ihre Erfindung aus?

Edmund Erath: Sie müssen sich vorstellen, dass beispielsweise Spuren von Nickel, die im Hydroxidschlamm vorhanden sein können, als giftige Schadstoffe gelten, obwohl Nickel ein gesuchter und teurer Rohstoff ist, etwa für die Batterieherstellung. Ich suchte daher nach einem Verfahren, mit dem diese Stoffe separat gefiltert werden können - und zwar so, dass diese dann nicht als giftiger Abfall, sondern direkt als wertvoller Rohstoff vorliegen.

Bei meiner Erfindung der "Oszillierenden Membranfiltertechnik" handelt es sich um eine Membranfilteranlage für den Bereich Mikro-, Ultra- und Nano-Filtration - also im Bereich von Tausendstel bis Millionstel-Millimeter. Das Besondere an der Erfindung ist jedoch die völlig neue Betriebsweise. Anstatt wie bisher schädliche Wasserinhaltsstoffe oder Metalle mittels der Cross-Flow-Technik in einem offenen hydraulischen System zu lösen, erfolgt die Betriebsweise hier oszillierend in einem geschlossenen hydraulischen System.

BT: Wie lange haben Sie an Ihrer Erfindung gearbeitet ?

Erath: Seit über 20 Jahren habe ich die Idee dazu. Jetzt im Rentenalter konnte ich mir die Zeit dazu nehmen und es hat sehr viel Zeit, Geld und Arbeit gekostet. Unterstützung gibt es erst jetzt. Seit die Erfindung im Juli mit dem Artur-Fischer-Erfinderpreis Baden-Württemberg ausgezeichnet wurde und dann auch noch den Sonderpreis für Umwelt- und Ressourceneffizienz erhielt, erfahre ich von vielen Seiten Unterstützung. Vor allem von der Steinbeis-Stiftung, nachdem ich im November auf der internationalen Erfindermesse "iENA" auch noch eine Silbermedaile erhielt. Diese hat aufgrund der Mehrfachprämierung das Projekt als "High-Tech-Förderprojekt" eingestuft, sodass ich vom Land Baden-Württemberg "Innovationsgutscheine" erhalte. Das bedeutet: Der Bau eines Prototypen und die internationale Patentanmeldung werden mit 50 Prozent bezuschusst.

Zum Vergleich: Der Bau eines entsprechenden Prototyps kostet etwa 30.000 Euro, die internationale Patentanmeldung für die zweite Filterstufe rund 50.000 bis 65.000 Euro. Dafür reicht das Preisgeld bei Weitem nicht aus. Bei der Steinbeis-Gruppe bin ich also in besten Händen. Da erfahre ich große Unterstützung.

BT: Ist Gaggenau für einen Erfinder denn ein guter Standort?

Erath: Die Nähe zu Karlsruhe mit dem KIT ist sicher von Vorteil. Ich fahre jedoch seit einem Jahr fast jeden Monat für ein bis zwei Tage nach München, denn sowohl an der Ludwig-Maximilian Universität als auch der Technischen Universität und bei der Brauerei Weihenstephan laufen jeweils Forschungsprojekte, bei denen die "Oszillierende Membranfiltertechnik" integriert ist.

Ich zog übrigens erst als Rentner nach Gaggenau. Das schöne Murgtal - vom Wohnzimmer aus blicke ich direkt auf die Murg -, die Nähe zum Schwarzwald und zu Karlsruhe: Gaggenau ist für einen aktiven Rentner ideal.

BT: Hat jeder Mensch eigentlich Ihrer Meinung nach so etwa wie ein "Erfinder-Gen"?

Erath: Ob es eine Berufung ist, das weiß ich nicht, aber ganz sicher trägt jeder Mensch ein wenig Erfindergeist in sich. Jeder ist bestrebt, das Vorhandene, das Erlernte und Praktizierte immer weiter auszubauen und besser zu machen. Doch die Kriterien einer Patentfähigkeit sind sehr hoch. Eine Voraussetzung ist die Technizität und zum anderen muss es ein völlig neues Verfahren sein und nicht nur ein verbessertes Verfahren. Und da hilft es natürlich, wenn man wie ich schon seit 50 Jahren verfahrenstechnische Probleme in diesem Bereich löst. Da ist dann eher einmal auch eine patentierfähige Lösung dabei. Aber gezielt irgendetwas erfinden wollen, das ist meiner Meinung nach Unsinn.

"Vier Fragen an:" ist eine Reihe der BT-Onlineredaktion. Die vier Fragen richten sich an Menschen, die gerade im Fokus stehen, etwas Interessantes erlebt oder zu erzählen haben oder aufgrund ihrer Tätigkeit interessant sind. Die Beiträge der Reihe werden auf der Homepage des Badischen Tagblatts veröffentlicht.

Foto: Nora Strupp

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