PFC: Eine unendliche Geschichte
PFC: Eine unendliche Geschichte
Baden-Baden (fk) - Es ist und bleibt das Thema in der Region Mittelbaden: PFC. Zwar verstehen die Experten Monat für Monat mehr, doch die Probleme werden nicht kleiner, Lösungsansätze bleiben schwierig, Untersuchungen fördern neue mit dem Schadstoff belastete Flächen zutage.

Im Februar ergeben Proben und Analysen neuer Verdachtsfälle, dass die PFC-kontaminierte Fläche um 130 Hektar größer ist als angenommen und 775 Hektar beträgt. Bereits Ende August sprechen die Behörden dann von 877 Hektar - bei diesem Stand bleibt es bis heute.

Unscheinbare Versuchsanlage auf dem Acker

Neue Hoffnung auf eine Reinigung der verseuchten Flächen tut sich dann schließlich im November auf: "Bio-Kon" heißt die Versuchsanlage, die für mehrere Wochen zwischen Bauhof Hügelsheim und dem Baden-Airpark unscheinbar auf einem Acker steht. Mit sogenannten Biopolymeren soll das PFC aus Boden und Wasser gelöst werden, erklärt Geowissenschaftlerin Debora Reinke.

Zur Sanierung des Oberbodens werden dabei biologisch abbaubare Bindemittel flüssig auf den Boden aufgebracht. Diese haften das PFC an sich und sickern im Boden hinab bis zum Grundwasser. Dieses wiederum wird rund um das Testfeld über Entnahmebrunnen in die Filteranlage gefördert und dort gereinigt.

Wasseraufbereitung und Bodenkontamination im Interesse der Öffentlichkeit

Die Reinigung bleibt aber nur ein Problem. Stark ins Interesse der Öffentlichkeit und dadurch auch naturgemäß in den Fokus der Politik rücken die Folgen der PFC-bedingten Wasseraufbereitung und Bodenkontamination.

6,5 Millionen Euro machen die Stadtwerke Rastatt im Rahmen einer Zivilklage gegen die Kompostfirma Vogel geltend. So hoch nämlich beziffern die Barockstädter den Schaden, der ihnen durch die PFC-Verunreinigungen - die sie Vogel anlasten - und die damit verbundenen Maßnahmen entstanden ist und entstehen wird. Die Stadtwerke Baden-Baden veranschlagen ihren Schaden nach BT-Informationen auf 3,2 Millionen Euro - Folgekosten nicht mitgerechnet.

Untersteller verweist auf Verursacherprinzip

Was vor Gericht an Schadensersatz herauskommt, steht in den Sternen, festzuhalten bleibt aber, dass sich das Land nicht an den Kosten der regionalen Wasserversorger beteiligt. Das macht Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) Ende August unmissverständlich klar. Er verweist auf das Verursacherprinzip und lässt über die Pressestelle seines Ministeriums ausrichten, dass das Land beträchtliche Kosten und Aufwendungen im Zusammenhang mit der PFC-Verunreinigung habe und trage, die auch den Wasserversorgern zugutekämen - wenn auch nicht als direkte finanzielle Aufwendung.

So stehe unter dem Strich für das Land ein Minus von acht Millionen Euro für Untersuchungen, Projekte und weiterführende Maßnahmen, die zur Schadensermittlung und zur Gefahrenabwehr durchgeführt werden.

Komposthersteller Vogel muss zahlen

Zahlen muss hingegen der Komposthersteller Vogel. Die Stadt Baden-Baden hatte ebenso wie das Landratsamt Rastatt einen Erstattungsbescheid für die Aufwendungen der Boden- und Wasseruntersuchungen übersandt. Die Forderungen belaufen sich auf summa summarum 242.000 Euro. Der Verwaltungsgerichtshof Mannheim hat diese Bescheide im April als rechtmäßig eingestuft. Zudem läuft gegen ihn noch die Zivilklage der Stadtwerke Rastatt sowie der Gemeinde Hügelsheim. Die Stadt Baden-Baden hält sich indes damit noch zurück und möchte den Ausgang der Hügelsheimer Klage abwarten.

Das Vorerntemonitoring, die Lebensmittelüberwachung und die Unterstützung der Landwirte bei der Bewirtschaftung ihrer Felder haben sich laut Behörden indes bewährt. 2019 sind demnach beim Vorerntemonitoring 13 belastete Proben bei 220 Entnahmen gefunden worden.

Das Foto zeigt das Testfeld der Versuchsanlage "Bio-Kon" bei Hügelsheim. Foto: Niko Fricke/Archiv

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