Bücher finden und freilassen
Bücher finden und freilassen
Baden-Baden (kie) - In eine Plastiktüte eingepackt liegt der Roman auf einer Bank in der Altstadt. "Buch auf Reisen", steht darauf geschrieben. Er ist Teil eines weltweiten Projekts, bei dem Bücher den Besitzer wechseln, ohne dass Menschen dabei zusammenkommen. "Book-Crossing" nennt sich diese im Prinzip auf Endlosigkeit angelegte Form der anonymen Weitergabe von Druckerzeugnissen.

"Ich wurde weder vergessen noch verloren oder weggeworfen, sondern ich wurde absichtlich freigelassen, um neue Leser zu finden", wird der Finder des Buchs auf der Plastiktüte informiert.

Finden, lesen, freilassen und verfolgen

Wer ein Buch findet, kann es lesen und dann "freilassen", wie Book-Crosser es nennen. Ein Buch, das mit einer sogenannten Bookcrossing-Identifizierungsnummer (BCID) versehen ist, wird in der typischen Plastiktüte irgendwo abgelegt, um gefunden zu werden. Wer sich registrieren lässt, kann mithilfe der einmalig vergebenen BCID die eigenen Bücher markieren und diese im Nachhinein über die Internetseite auf ihren Reisen verfolgen. Jeder - ob Teil der Book-Crossing-Szene oder nicht - kann auf die BCID zugreifen und Kommentare hinterlassen. Wer einmal ein Buch gefunden hat, kann also nachlesen, was andere an ihm mochten oder nicht. Allein das Einsperren in einen Bücherschrank unterbricht die Idee.

Eine Idee aus Amerika erobert die Welt

Knapp zwei Millionen Book-Crosser gibt es laut Internetseite www.bookcrossing.com bereits, mehr als 13.000 Bücher reisen derzeit durch 132 Länder. Allein in Deutschland wurden in den vergangenen 30 Tagen rund 4.300 Bücher im öffentlichen Raum abgelegt, in Baden-Württemberg sind es immerhin mehr als 800. Das erste Reiseland waren aber die USA: Der Amerikaner Ron Hornbaker hatte vor 18 Jahren die Idee zum Weitergabe-Projekt inklusive Verfolgungsmöglichkeit. Ziel war laut Internetseite, Menschen durch Bücher miteinander zu verbinden. Und das scheint nicht nur in den USA zu fruchten: Laut Book-Crossing ist Deutschland hinter den USA und vor dem Vereinigten Königreich eines der "führenden Book-Crossing-Länder".

Kein Wunder also, dass nun eines der reisenden Bücher den Weg nach Baden-Baden gefunden hat - doch weit war dieser bisher offenbar noch nicht. Wie sich anhand der Einträge unter der BCID 412-14862815 nachverfolgen lässt, ging der Kriminalroman "Schwarze Diamanten" (Martin Walker) von Kürnbach im Landkreis Karlsruhe ins Kraichtal, wo er an einem Obstgarten "freigelassen" wurde.

Nachdem mehrere Anläufe scheiterten, den Roman zu lesen, wurde er schließlich auf dem Baden-Badener Weihnachtsmarkt vor dem Kurhaus abgelegt. Reisende soll man bekanntlich ja nicht aufhalten. Gefunden wurde er übrigens noch am gleichen Tag, wie eine Stippvisite am Abend ergab. Nur im Internet hat der Roman bisher keine weitere Spur hinterlassen.

Noch mehr Lesestoff in der Region

Allein in der Region ist der Roman übrigens nicht: In den vergangenen Tagen reisten fünf Bücher nach Baden-Baden (zwei zum Alten Schloss, zwei an Bushaltestellen und eines in die Lichtentaler Allee), eines an eine Bushaltestelle in Ottenau und eines ans EKZ Kuppenheim-Oberndorf. Die Angaben zu den Reisedaten der Schmöker ändern sich dabei nahezu täglich was wiederum ein untrügliches Zeichen dafür ist, dass die Bookcrossing-Szene äußerst aktiv ist.

Haben auch Sie Bücher auf Reisen entdeckt? Oder sind Sie gar der Finder des Buchs "Schwarze Diamanten"? Dann lassen Sie es doch die BT-Onlineredaktion wissen und schreiben Sie an: onlineredaktion@badisches-tagblatt.de.

Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite www.bookcrossing.com.

Fotos: Kiedaisch

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