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"Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit"
Rolf Pilarski, FDP-Direktkandidat für die Bundestagswahl 2017 im Wahlkreis 273, der den Landkreis Rastatt und Baden-Baden umfasst. Foto: Broß
06.09.2017 - 10:41 Uhr
Von Armin Broß

Baden-Baden/Bühl - Ist die aktuelle Diskussion um Diesel-Fahrzeuge ein geeignetes Wahlkampf-Thema für die FDP? Der liberale Arbeitskreis ist sich uneins, debattiert leidenschaftlich. Für Rolf Pilarski steht eines jedenfalls fest: "Die Menschen sind verunsichert. Wir müssen sagen: Wird es mit liberaler Regierungsbeteiligung ein Diesel-Verbot geben oder nicht", erklärt der mittelbadische FDP-Direktkandidat für die Bundestagswahl energisch.


Es ist ein Dienstagabend in Bühl: In der Gaststätte "Apollon" haben sich rund ein Dutzend kommunale FDP-Politiker und -Funktionäre aus Mittelbaden zum liberalen Stammtisch zusammengefunden, eine Art öffentlicher Arbeitskreis. Die Öffentlichkeit ist dieses Mal überschaubar - ein einzelner Bürger hat sich an den Tisch hinzugesellt und diskutiert mit.

Die Themen der Runde sind breit gefächert, aber der Wahlkampf überschattet alles: Plakatierungsaktionen, politische Veranstaltungen, Infostände - und immer wieder die Frage, womit man die Menschen in der Region am ehesten erreicht. "Wir als Liberale sollten uns zu den Themen äußern, zu denen wir gute Vorschläge machen können", meint Pilarski. Und eben nur zu diesen. Deshalb will er beispielsweise öffentlich auch gar nicht groß auf das Debakel eingehen, das die Deutsche Bahn derzeit mit der Tunnelbaustelle in Rastatt erlebt. "Und warum? Weil wir keine Lösung vorschlagen können."

Vielleicht charakterisiert diese Haltung ganz gut den politischen Späteinsteiger, der es zum FDP-Stadtrat in Baden-Baden und schließlich zum FDP-Direktkandidaten für die Bundestagswahl gebracht hat - als Nachfolger des ursprünglich gewählten Ralph Zimmermann, der dann aber einen Bürgermeisterposten in Horb antrat.

Pilarski präsentiert sich als Mann der Praxis, als Macher und nicht als klassischer Laufbahnpolitiker. Der 62-Jährige, der seit 1999 in Baden-Baden lebt, verheiratet ist und zwei Kinder hat, kommt ursprünglich aus Moers in Nordrhein-Westfalen. Er stammt aus einfachen Verhältnissen, war zwölf Jahre lang Zeitsoldat bei der Bundeswehr. Von dem verdienten Geld finanziert er sich ein Studium an der Berufsakademie zum staatlich geprüften Betriebswirt.

Danach steigt er in jene Branche ein, der er über 30 Jahre lang die Treue halten sollte: der Papierindustrie. Im In- und Ausland ist er für mehrere internationale Unternehmen tätig, unter anderem in Dettingen rund 15 Jahre lang als Geschäftsführer einer deutschen Tochtergesellschaft eines internationalen Konzerns. Später macht er sich mit einer eigenen Industrievertretung für Spezialpapiere selbstständig und führt parallel dazu mehrere Jahre lang in Baden-Baden ein Kundendienstbüro eines großen Versicherungskonzerns.

Bis zum Jahr 2013: Als seine bisherige berufliche Tätigkeit endet, entdeckt Pilarski ein neues Projekt, das er anpacken will. "Ich habe mein ganzes Leben lang ein bisschen über Politik geschimpft", erzählt er rückblickend. Nun will er es, mit Ende 50, selbst versuchen. Als jemand, der "mit der Sicht der Wirtschaft" kommt, bewirbt er sich bei der Oberbürgermeisterwahl 2014 in Baden-Baden. Er ist parteilos und politisch unerfahren. "Ich hatte gar keine Ahnung, wie das Geschäft ,Politik' läuft". Stolz klingt in seiner Stimme mit, wenn er berichtet, wie er den Wahlkampf alleine meisterte und sich in die vielfältigen kommunalen Themen einarbeitete. Letztlich landet Pilarski mit rund 6,8 Prozent unter sechs Bewerbern auf dem dritten Platz.

Sein Einsatz im OB-Wahlkampf hat einen Nebeneffekt: Er diskutiert - und streitet - mit dem damaligen Baden-Badener FDP-Vorsitzenden Patrick Meinhardt. Und der gewinnt ihn schließlich dafür, auf der Liste der Liberalen bei der Kommunalwahl 2014 anzutreten. Mit Erfolg: Auf Anhieb zieht Pilarski in den Gemeinderat ein, leitet heute die kleine FDP-Gruppe im Kommunalparlament und ist im Vorstand des FDP-Kreisverbands Baden-Baden.

Aber warum genau diese Partei und keine andere? "Ich habe erst spät gemerkt, dass ich eigentlich der typische FDPler bin", sagt Pilarski - und schränkt sofort ein: "Nicht in jeder Beziehung. Beim Thema Sicherheit bin ich es nicht." So sieht er Überwachungskameras im öffentlichen Raum deutlich weniger kritisch, als es wohl viele Parteifreunde tun. Denn: Freiheit und Sicherheit hängen für den 62-Jährigen eng zusammen. "Wenn wir keine Sicherheit haben, kann es keine Freiheit geben." Ein Grundrecht wie die Unverletzlichkeit der Wohnung beispielsweise bedeutet für ihn eben auch, dass es der Staat nicht hinnehmen darf, wie viele Wohnungseinbrüche es derzeit in Deutschland gibt.

Freiheit, Recht, Vernunft, Leistung: Unter diese vier Schlagworte hat der Baden-Badener seinen Wahlkampf gestellt. "Wir wollen den größtmöglichen Teil an individueller Freiheit zugestehen und den Staat auf das notwendige Maß beschränken", sagt der Liberale. Und er plädiert für das "Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit": "Wir sollten zuerst fragen: Was kann ich denn selbst für meinen Erfolg tun, bevor wir zum Staat gehen und fragen: Was kannst du tun, damit ich erfolgreich werde?"

Konkret fordert Pilarski, den Solidaritätszuschlag abzuschaffen und die Mehrwertsteuer zu senken. Neben diesen Themen treibt den Baden-Badener besonders die politische Lage Europas um. "Was mich als leidenschaftlicher Liberaler und Europäer ärgert, ist, wie schnell die Solidarität in Europa den Bach runtergegangen ist", kommentiert Pilarski mit Blick auf die Flüchtlingskrise.

Die Kernstaaten Europas müssten sich konsolidieren, fordert er: "Damit nicht wieder ein Land wie Großbritannien plötzlich aussteigt. Daran hätte die EU zerbrechen können und das kann sie noch." Viel zu wenig werde über die Gründe diskutiert, warum die Briten ausgetreten seien, beklagt Pilarski. "Wir müssen doch aus dem Vorgang lernen, damit das nicht noch einmal passiert."

Und was erwartet der Kandidat aus Baden-Baden denn nun als Ergebnis bei der Wahl am 24. September? Das Wichtigste sei zunächst einmal, dass die FDP wieder in den Bundestag komme, und dass die liberale Stimme wieder gehört werde - "ob mit fünf Prozent oder mit neun, das ist mir erst einmal wurscht", bringt es Pilarski auf den Punkt. "Ganz wichtig: Wenn wir reinkommen, dürfen wir uns nicht aus machtpolitischen Gründen verkaufen" - was bedeutet: Keine Regierungsbeteiligung um jeden Preis.

Er selbst kann sich kaum Hoffnungen machen, in das Berliner Parlament einzuziehen, da er keinen Listenplatz hat und somit den bislang CDU-dominierten Wahlkreis 273 direkt gewinnen müsste. Über sein persönliches Wunschergebnis in Mittelbaden hat Pilarski nach eigenem Bekunden noch gar nicht groß nachgedacht: "Mir geht es darum, den Menschen zu erklären, wofür wir Liberale stehen, und dass wir nicht überflüssig sind."

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