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Tempel, Klöster, Baguette und ein freundlicher Gruß
23.11.2012 - 10:20 Uhr
Von Daniela Jörger

Sabaidee heißt willkommen. Und genau so fühlt sich der Besucher in Laos auch. In dem Land, das sich erst ab 1991 langsam der Welt und dem Tourismus geöffnet hat, gehen die Uhren immer noch ein wenig anders, für ein freundliches Lächeln ist immer Zeit. Nicht umsonst wird der offizielle Name "Laos PDR" etwas lästerlich und vielleicht auch neidisch mit "please don't rush" (nur nichts übereilen) übersetzt.

Der Mekong fließt rund 700 Kilometer vom Goldenen Dreieck über die alte Königsstadt Luang Prabang bis zur Hauptstadt Vientiane und von dort weiter in die Region der 4000 Inseln. Tourismus spielt in der Demokratischen Volksrepublik immer noch eine untergeordnete Rolle. Der einzige Binnenstaat Asiens setzt auf einen sanften Kultur- und Ökotourismus, schließlich gibt es keine Sandstrände, an denen man Badeferien machen kann.

Für 2012 werden eine Million Gäste erwartet. Die tummeln sich hauptsächlich in Vientiane, dem Unesco-geschützten Luang Prabang, auf dem Mekong und im Inselreich im Süden. Abseits der beiden Stadtzentren leben die meisten Menschen immer noch wie in vergangenen Zeiten als Selbstversorger in Dörfern, die Gesundheitsversorgung und das Straßennetz sind miserabel, viele Kinder müssen trotz Schulpflicht in der Regenzeit bei der Ernte helfen. Der Besucher erlebt eine skurrile Mischung aus Kommunismus, Marktwirtschaft, Buddhismus und einer Portion Bierlaune, die wohl nur in Laos zusammenpasst. Die Staatsmacht scheint in dem Land mit seinen vielen Volksgruppen fern, die innerpolitischen Probleme bleiben für den Besucher im Hintergrund, die Religion ist überall präsent, Laos-Bier und der Reisschnaps Lao-Lao schmecken. Zudem haben die Franzosen Wein, Espresso und Baguette hinterlassen.

Wer sich vom Goldenen Dreieck aus mit der "Mekong Explorer" oder der "Mekong Sun"- die beiden einzigen Passagierschiffe auf dieser Strecke - auf eine Bootstour Richtung Süden begibt, erlebt eine ursprüngliche Flusslandschaft mit bizarren Felsenformationen - allerdings nur bei Niedrigwasser in der Trockenzeit. In der Regenzeit kann der Mekong um bis zu 15 Meter ansteigen. Aber auch in dieser abgeschiedenen Region ist die Vernichtung des Urwalds durch Kahlschlag und Brandrodung ein großes Thema. Und wird der Staudamm rund 60 Kilometer südlich von Luang Prabang fertiggebaut, würde dies die einzigartige Landschaft für immer verändern.

Während die Passagiere genüsslich die Natur an sich vorbeiziehen lassen, ist am Steuerstand höchste Konzentration gefragt: Der Fluss ist im Norden von Laos schwer zu befahren - und das auch nicht das ganze Jahr über. Der europäische Komfort an Bord steht im krassen Gegensatz zu dem mittelalterlich anmutenden Leben in den Dörfern der Tieflandlaoten und immer wieder rebellierenden Hmong, die auf der Reise besucht werden. Aber auch dort wird der Tourismus zunehmend eine wichtige Einnahmequelle.

Während am Flussufer mancherorts Gold gewaschen wird, nähert sich das Schiff den Pak-Ou-Höhlen. Über viele Treppenstufen klettert man hoch in den Berg zu zwei Höhlen, in denen Gläubige Tausende Buddhafiguren hinterlassen haben. Den Aufstieg lohnt schon alleine der Blick über den Mekong.

Einen Besuch ist die alte Königsstadt Luang Prabang wert, die mit ihren 35 buddhistischen Klöstern, dem Königspalast und rund 600 geschützten Häusern in französischer Kolonialarchitektur seit 1995 auf der Unesco-Welterbeliste steht. Wer früh aufsteht, kann die Mönche beim morgendlichen Almosensammeln erleben, bei dem Reis gespendet wird. Im ehemaligen Königspalast ist heute das Nationalmuseum untergebracht. Die Tempelanlagen Wat Mai und Wat Xieng Thong zählen zu den berühmtesten ihrer Art. Das Flair der Stadt lässt sich am besten bei einem Spaziergang über dem Nacht- und Morgenmarkt, einem Bummel durch die Straßen und einem Besuch der zahlreichen Restaurants erleben. Ein beliebtes Ausflugsziel in der Nähe sind die Kuang-Si-Wasserfälle, die sich über viele Kaskaden ins Tal stürzen. Dort darf gebadet werden.

Immer noch ein wenig verschlafen wirkt die Hauptstadt Vientiane, in der heute rund 250000 Menschen leben. Das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum ist eine weitläufige Stadt mit manchen erhaltenen Häusern im französischen Kolonialstil, Biergärten und Restaurants. Auch dort ist der Morgenmarkt einen Besuch wert. Das laotische Nationalmuseum, die monumentale Kulturhalle und das Siegestor "Patuxai" sind neben den Tempelanlagen Anziehungspunkte.

Weiter geht es Richtung Süden in die Provinz Champasak mit ihrer Hauptstadt Pakse. Von dort lohnen sich verschiedene Ausflüge, zum Beispiel auf das Boloven-Plateau. Dort verlief der berüchtigte Ho-Chi-Minh-Pfad der Vietcong, weshalb die Region starken amerikanischen Bombardements ausgesetzt war. Noch heute empfiehlt es sich wegen der Gefahr durch tausende Blindgänger aus dem Vietnamkrieg nicht, weite Teile des Landes eigenständig auf abseits gelegenen Pfaden zu erkunden.

Eine der touristischen Hauptattraktionen des Landes ist der Khmer-Tempel Wat Phu im Mekong-Tal. Die Unesco nahm die renovierungsbedürftige Anlage 2001 in die Weltkulturerbe-Liste auf.

Ganz im Süden erweitert sich der Mekong auf eine Breite von bis zu 14 Kilometern. Mehr als 4000 Inseln, die in der Regenzeit teilweise überflutet sind, bieten ein besonderes Naturerlebnis. Für dieses Erlebnis muss man auf das Schiff wechseln, dort fährt die "Mekong Islands". An der Grenze zu Kambodscha trifft man auf den spektakulären Khon-Wasserfall, der sich über rund 20 Kilometer erstreckt und bis heute eine durchgängige Schiffbarkeit des Mekongs verhindert.

Teil 3: Kambodscha,

nächste Woche im Magazin

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