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Genussvolles Reich der Kuckucksuhren
23.11.2012 - 11:32 Uhr
Vom Odenwald zum Bodensee,

entlang des Rheines Strand,

umkränzt von (und längs von) grünen Schwarzwaldhöh'n

liegt unser schönes Badnerland.

(Eine Strophe des Badnerlieds; insgesamt existieren mehr als 750 Strophen)

Von Volker-Bodo Zanger

Einblicke und Ausblicke: Der Schwarzwald bietet beides in hinreißender Vielfalt. Hochmoore und Badeseen, Kletterfelsen und Obstbaumwiesen, dunkle Wälder, sonnige Berggipfel, breite Täler und en ge Schluchten - das alles liegt nahe beieinander und ist ein optischer Genuss.

Weltbekannt, wie aus dem Bilderbuch, Klischee und dennoch Anreiz: ob Schwarzwaldmädel, Schwarzwaldhaus, Schwarzwälder Kirschtorte, Schwarzwälder Schinken oder Bollenhut und Kuckucksuhren. 160 Kilometer von Nord nach Süd und 20 bis 60 Kilometer von West nach Ost erstreckt sich Deutschlands größtes Mittelgebirge. Mehr als 70 Gipfel über 1000 Meter säumen den waldreichen Norden, den mittleren Schwarzwald mit seinen weiten, offenen Flächen und den Süden mit dem 1493 Meter hohen Feldberg als höchster Erhebung. Auch die fruchtbare Rheinebene und die Weinbauregionen Ortenau, Tuniberg, Kaiserstuhl und Markgräflerland in der Vorbergzone prägen Kultur und Landschaft. Im Osten erstreckt sich die mehr als 11000 Quadratkilometer große Ferienregion bis zu den Tälern von Nagold und Neckar am Übergang zur Schwäbischen Alb.

Klimatisch ist der stete Wechsel von Berg und Tal ein Pluspunkt. Nirgendwo sonst in Deutschland liegen so viele Bäder, Luft- und Heilklimakurorte. Zudem ist der Schwarzwald die Genießer-Ecke schlechthin: 350 Restaurants sind von Gourmet- und Gastroführern mit Sternen, Hauben oder Kochlöffeln ausgezeichnet.

Radtouren und Wandern lohnen sich besonders. 285 Kilometer misst der schon 1900 angelegte, zwischen 2005 und 2008 "runderneuerte" Westweg - viele Streckenabschnitte wurden vom Schwarzwaldverein naturnah verlegt und neu markiert - zwischen Pforzheim im Nordosten und Basel. Über 375 Kilometer zieht sich der Schwarzwald-Weg für Radfahrer hin: Start in Karlsruhe, Ziel in Lörrach. Zum Teil deckt oder überschneidet er sich mehrfach mit dem sogenannten Bike Crossing. Von durchtrainierten Mountainbikern ist die Strecke als sportliche Herausforderung in drei bis fünf Tagesetappen zu bewältigen. Wer sie dagegen mit gut gefedertem Tourenrad absolvieren will, sollte ebenfalls passable Kondition mitbringen und einige Übernachtungen mehr einplanen. Der Vorteil: Es bleibt mehr Zeit innezuhalten, um die Natur, die Aussichten und typische Sehenswürdigkeiten zu genießen.

Durch das Albtal führt die Route über Dobel und nach einem Schwenk über Bad Herrenalb und Gernsbach ins Murgtal, vorbei an der Hornisgrinde - mit 1164 Metern der höchste Berg im Nordschwarzwald -, zum Mummelsee und Ruhestein an der Schwarzwaldhochstraße. Im Naturschutzzentrum kann man sich dort über den Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord informieren: Lebensräume für gefährdete Tier- und Pflanzenarten, Moore und Moorwälder, Karseen und die waldfreien Grindhochflächen, eine Folge intensiver Beweidung über Jahrhunderte. Parallel zur Schwarzwaldhochstraße geht es auf dem Radweg bis Kniebis, Bad Rippoldsau-Schapbach, das höchstgelegene Mineral- und Moorbad des Schwarzwalds, und weiter in Richtung Bran denkopf (945 Meter). Er bildet den markanten Mittelpunkt zwischen den Tälern von Kinzig, Wolf und Harmersbach.

Auf der Bike Crossing führen die Wege und Trails nach Triberg und damit in eine Stadt, die durch ihre Wasserfälle und die Lage an der Schwarzwälder Uhrenstraße weltweit Berühmtheit erlangte und für Touristen Inbegriff des "Black Forest" wurde. Die Gutach stürzt über mächtige Granitstufen in einen bewaldeten Talkessel, der sich zur Ortsmitte hin öffnet. Die "klassischen Wasserfälle Deutschlands" haben viele Künstler zu Gemälden angeregt.

Wer noch etwas mehr Zeit in Triberg investieren kann und will, sollte die barocke Wallfahrtskirche "Maria in der Tann" besuchen und gleich nebenan das Schwarzwald-Museum mit einer beeindruckenden Uhrensammlung. Zu bestaunen sind auch noch immer funktionstüchtige Orchestrions und Drehorgeln aus dem traditionsreichen Schwarzwälder Handwerk.

Besiedelt wurde der Schwarzwald außer in den Randbereichen, wo die Römer wie in Baden-Baden oder Badenweiler ihre Spuren hinterließen, durch die Alemannen. Bereits im 5. und 6. Jahrhundert wurde von den Kelten im Nordschwarzwald Eisenerz gewonnen. Im 18. Jahrhundert führte die Holzgewinnung vor allem für den Schiffbau zu großflächigen Kahlschlägen. Köhler errichteten in den Wäldern ihre Meiler zur Herstellung von Holzkohle. Pottasche-Siedler lieferten die Grundstoffe für Glasbläsereien. Die Wiederaufforstung mit Fichtenmonokulturen zeugt von der Zerstörung des Mischwalds.

Als Zugewinn stellten viele Bauern im Winter Kuckucksuhren aus Holz her. Daraus entwickelte sich im 19. Jahrhundert dank der Erschließung vieler Schwarzwaldtäler durch die Eisenbahn die feinmechanische und die Uhrenindustrie. Heute profitieren weite Teile des Schwarzwalds vornehmlich vom Tourismus - und zwar im Sommer wie im Winter, da in vielen Gebieten sowohl alpiner Ski- als auch Langlauf betrieben werden kann.

Zwischen Schonach, Schönwald und Furtwangen - hier befindet sich das weltgrößte Uhrenmuseum - zeigt sich der Schwarzwald von einer ganz neuen Seite. Die Berge gleichen hier grünen Wellen. Die Höhenunterschiede sind gering. Der Brend (1149 Meter) ist die westlichste Wasserscheide zwischen Rhein und Donau. Bei der rund 70 Meter tiefer liegenden Martinskapelle entspringt der längste Quellfluss der Donau, die Breg. Vom Gipfelturm des Brend bietet sich bei guter Sicht ein wundervoller Rundblick auf Hochfirst, Feldberg, Belchen, Schauinsland und Kandel sowie den nahezu gesamten Westalpenkamm von der Zugspitze bis zum Mont Blanc.

Die Fahrt zum Titisee - vorbei am schluchtartigen Hexenloch mit einer 1825 gebauten typischen Schwarzwälder Sägemühle mit zwei Wasserrädern - über Waldau und Lan genordnach zeigt Schwarzwaldidylle mit typischen Schwarzwaldhäusern. Ein typisches Nebenhaus war das "Libding" (Leibgeding), ein kleines Wohnhaus für die Altbauern nach Übergabe des Hofes an den jeweils jüngsten Sohn der Familie - nicht an den ältesten, um so möglichst lange der Chef zu sein!

Neben vielen Höfen gab es ein kleines Backhaus und oft einen Löschteich. Viele Schwarzwaldhöfe weisen auch heute noch die typische Form auf. Allerdings sind sie im Innern nach den heutigen Bedürfnissen umgebaut. Häufig erheben sich neben den Höfen Silos für Futter. Zusätzlich wurden Fremdenzimmer oder Ferienwohnungen gebaut, um zusätzliche Verdienstmöglichkeiten zu schaffen. Eine Reihe historischer Höfe wurden im Freilichtmuseum Vogtsbauernhof originalgetreu wieder aufgebaut.

Der Titisee mit seiner Uferpromenade zählt zu den bekanntesten Ausflugszielen in Europa. Jährlich flanieren hier weit mehr als eine Million Tagesbesucher. Der See selbst ist zwei Kilometer lang, knapp einen Kilometer breit, zirka 40 Meter tief und lädt zum Schwimmen, Segeln, Windsurfen und Tretbootfahren ein. Seine Entstehung verdankt er der letzten Eiszeit. Noch bis vor 10000 Jahren erstreckte sich hier vom Feldberg aus ein Gletscher. Das von ihm ausgehobelte Becken und die Endmoräne bilden heute den See. Als Kaarseen erhalten blieben aus der Würmeiszeit beispielsweise auch der Mummelsee und der Feldsee.

Der letzte große Abschnitt des Schwarzwald-Wegs führt kilometerweit durch tiefe Wälder, abgeschiedene Täler und Bergweiden. Erklommen werden der Feldberg und der Belchen (1414 Meter). Wegen der seltenen Fauna und Flora wurde der Belchen bereits 1949 unter Naturschutz gestellt. Es folgen dann schöne Abfahrten hinunter ins Kandertal im Markgräflerland. Spätestens hier heißt es Abschied zu nehmen vom Schwarzwald. Durch schöne Buchenwälder führt der Weg entlang der Wiese zum Zielpunkt Lörrach. Und dort wird auch klar, dass noch viele Schwarzwald-Ziele locken, etwa das Reich der Bollenhüte, die Wutach, das Enztal oder die Ortenau, vielleicht mit Weinprobe.

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