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Schwefelduft über k.u.k. Glanz
23.11.2012 - 11:39 Uhr
Von Irene Schröder

Es passiert Martina Spinka immer wieder: "Ach, ja, Sie kommen aus Baden-Baden", wird sie auf Tourismusmessen häufig angesprochen. Kommt sie aber nicht: Baden bei Wien präsentiert die stellvertretende Leiterin der von zartem Schwefelduft umwehten Tourist Information. Der Irrtum ist verzeihlich: Beide Destinationen haben so viel gemeinsam, dass eigentlich eine Partnerschaft der drei "Bs" überfällig ist: Heilquellen aus der Römerzeit und neues Wellness-Bestreben, glanzvolle Vergangenheit als internationaler Treffpunkt von Macht, Geld und Kunst, Casino, Theater, Rosengarten, städtebauliche Kleinodien und eine attraktive Umgebung voller "Outdoor"-Attraktionen in Wienerwald, beziehungsweise Schwarzwald. Die "Badener Meile" wird im Juli auf der größten Trabrennbahn Europas gelaufen, wenn am 2. September in Iffezheim um den "Grand Prix" gekämpft wird, steht in Baden zum Saisonabschluss der "Zukunftspreis der Zweijährigen" an. Wein liebt man in Baden ebenso wie in Baden-Baden, nur die Küche glänzt mit deutlich unterschiedlichen Spezialitäten.

Während Baden-Baden auf den Zusatz "bei ..." verzichten kann (bei Karlsruhe wäre kein besonderes Gütezeichen), punktet das rund 30000 Einwohner große Baden mit der Nähe zur Hauptstadt. Es sind nur rund 26 Kilometer - und per Straßenbahn kann der Gast vom Zentrum abends direkt bis zur Oper fahren, beziehungsweise tagsüber mit der Lokalbahn bequem die Wiener Sehenswürdigkeiten erreichen.

Die Nähe zum Machtzentrum bei wesentlich angenehmeren Temperaturen ließ Baden schon im 15. Jahrhundert aufblühen: Kaiser Friedrich III. "des Heiligen Römischen Reiches Schlafmütze" und seine portugiesische Gattin Eleonore flüchteten aus der ungemütlichen Hofburg hierher, 1511 verfasste der Kremser Stadtarzt Wolfgang Wintperger sein "Traktat der Badenfahrt", die erste Kuranleitung Europas. Die Badener hatten zu diesem Zeitpunkt allerdings schon ihr eigenes Logo entwickelt: "Außen Wasser, innen Wein - lasst uns alle fröhlich sein".

Diesem Motto huldigten infolge Adel und Bürgerschaft in vollen Zügen, beziehungsweise Bottichen, denn Männlein und Weiblein ließen es sich in den Bädern richtig gutgehen. Von den heutigen Attraktionen, zu denen auch das in Österreich einmalige türkische Hamam und das ebenfalls einmalige Strandbad mit weißem Traumstrand abseits irgendwelcher Flüsse, Seen oder Meere zählt, konnten die damaligen Kurgäste allerdings nur träumen. Sie durften sich dann aber im Glanz gekrönter Häupter sonnen: Kaiserin Maria Theresia brachte Baden so richtig in Mode, an sie erinnert heute noch der wunderschön angelegte Kurpark, der ehemalige Theresiengarten, während im damaligen Theresienbad das Casino untergebracht ist. Die wohltuende Wirkung bei Rheuma, Frauenleiden, Neurodermitis und Geschlechtskrankheiten ("galanten Krankheiten") zog neben der höfischen Gesellschaft auch die Künstler an: Mozart komponierte im "Haus zum Blumenstock" sein "Ave verus corpus", Beethoven musste wegen seines "ruhestörenden Lärmens" mehrfach das Urlaubsquartier wechseln, die "Walzerkönige" Strauß und Lanner musizierten "open air" für die tanzlustige Gesellschaft. Im eher bescheidenen "Kaiserhaus" am Hauptplatz verlebten Kaiser Franz I. und sein letzter Nachfolger auf dem Thron, Kaiser Karl I., ihre Ferien. Der Wiener Kongress verlegte Verhandlungen und Vergnügungen zeitweise nach Baden, Napoleon geriet ob des Städtchens ins Schwärmen, im 20. Jahrhundert standen der Schah von Persien und König Ibn Saud (mit eigener Hammelherde) auf der Gästeliste.

Die prominenten Gäste wollten natürlich standesgemäß untergebracht und verköstigt werden. Während in Wien das "Hotel Sacher", 1876 von Eduard Sacher eröffnet, Treffpunkt der feinen Gesellschaft war, brauchten die Hauptstädter auch in der Sommerfrische nicht auf den gewohnten Luxus zu verzichten: Eduards Bruder Carl eröffnete 1881 "Sacher's Hotel & Curanstalt" am Eingang zum Helenental, weltweit berühmt durch Alexander Steinbrechers Ohrwurm "Ich weiß ein kleines Wegerl im Helenental ...". wo es übrigens abwechslungsreiche - breite - Wanderwege gibt.

Natürlich wurde im "neuen" Sacher" auch die Hausspezialität, die Sacher-Torte serviert. Um den berühmten Exportartikel entbrannte bald ein Streit: Während das Wiener "Sacher" das Originalrezept für sich beansprucht, wurde die Schokoladen-Kalorienbombe eigentlich 1884 in der Dependance erfunden, wie eine Tafel im Helenental stolz vermeldet. In dem einem Jagdschlösschen ähnelnden Hotel soll auch Kaiserin Elisabeth der süßen Versuchung erlegen sein. Heute blickt die legendäre zigarrenrauchende Sacher-Chefin Anna, die nach dem frühen Tod ihres Mannes Eduard die Geschäfte in Wien weiterführte, streng auf die Gäste im Foyer des Hauses, in dem modernes Design auf Jahrhundertwende-Flair trifft. Die bis zum 14. September dauernde Ausstellung "Tabakmalerei und Rauchkultur" des kubanischen Künstlers Milton Bernal hätte ihr gefallen - ebenso wie die Möglichkeit, in der eleganten Admiralsbar 24 Stunden täglich ihrer Leidenschaft frönen zu können. Der angeschlossene Spielsalon bedient andere Leidenschaften, für diejenigen, die ihr Glück nicht im Casino am Kurpark versuchen wollen. Auf eine Wellness-Abteilung wurde bewusst verzichtet: "Strandbad, Römertherme und Hamam haben so wunderbare Angebote", schwärmt Barbara Rollett. Die Vize-Hotelchefin hat einen ganz besonderen Bezug zu Baden: Nach ihrem Ur-Ur-Ur...-Onkel Anton Rollett ist das von dem Badener Wundarzt gegründete gleichnamige Museum benannt. Seine besondere Attraktion: Die Schädelsammlung des Wiener Arztes Dr. Franz Gall (1758 - 1828).

www.baden.at

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