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Zauberhaftes "Herz des Veneto"
23.11.2012 - 11:45 Uhr
Von Volker-Bodo Zanger

Wer den Namen dieser italienischen Stadt in der Provinz Vicenza in Venetien hört oder liest, verspürt fast automatisch den Gaumenkitzel von Weintrester: Bassano. Tatsächlich gibt es hier einige Grappa-Destillerien und auch Museen. Und doch hat der Name der Stadt nichts mit dem Destillat zu tun. Er bezieht sich vielmehr auf den benachbarten Monte Grappa (1745 Meter), den südlichsten Gipfel der Dolomiten. Im Ersten Weltkrieg war er Schauplatz schwerer Kämpfe. Gedenkstätten erinnern daran.

Heute ist der Berg eines der beliebtesten Fluggebiete für Drachen- und Gleitschirmflieger. Kein Wunder, denn der Ausblick ist gewaltig und reicht bei guter Sicht bis Venedig. Mountainbiker finden hier, Spitzkehre auf Spitzkehre, atemberaubende Trails mit über 1000 Höhenmetern hinunter zum Talgrund der Brenta. Zum Teil verlaufen sie auf alten Maultierpfaden, von den Militärs einst für den Nachschub angelegt.

Von der Viale dei Martiri, einer Allee, die von der oberen Burg bis zur Porta delle Grazie führt, kann man die Aussicht auf Bassano genießen. Der Name der Straße mit den entsprechenden Gedenktafeln erinnert an 31 Widerstandskämpfer, die am 26. September 1944 dort erhängt wurden. Ihnen gedenkt die Stadt alljährlich mit einer Feier am Monte Grappa. Das historische Zentrum ist reich an Kirchen, sehenswerten Palästen, Plätzen, Laubengängen und Restaurants. Spezialität der Region: in Parmesan gegarter Stockfisch oder Stockfisch mit Polenta.

Nicht versäumen sollte man einen Spaziergang durch den Botanischen Garten, zu Beginn des 19. Jahrhunderts angelegt von Alberto Parolini, einem Adeligen aus Bassano. Im Katalog seiner Tochter Antonietta werden 3200 verschiedene Pflanzenarten aufgelistet. Seit 1929 befindet sich der Park im Besitz der Stadt und wird von ihr gepflegt. Das Stadtmuseum mit vielen Werken des Malers Jacopo dal Ponte (1510-1592), genannt Bassano, sowie das Keramikmuseum sind ebenso einen Besuch wert wie das Museum der Alpini, das über die wechselvolle Zeit der kriegerischen Konflikte informiert.

Wahrzeichen der Stadt indes ist die Ponte Vecchio, auch Brücke der Gebirgsjäger genannt. Die 1569 von dem berühmten Architekten Andrea di Pietro della Gondola, genannt Palladio (1508-1580), aus Holz gebaute Brücke über die Brenta wurde bei Hochwasser zwar immer wieder zerstört, aber stets nach seinem Entwurf wieder aufgebaut.

Seit 1898 folgt die Familie Poli ihrer Leidenschaft und einträglichen Geschäftsidee: Weintrester zu brennen. Nahe der Ponte Vecchio, in einem Palast des 13. Jahrhunderts, macht die Familie in zwei Räumen mit ihrer Geschichte rund um die Destillation bekannt. Auf der östlichen Seite der Brücke ist der Sitz der Grapperia Nardini, seit 1779 und damit schon in der siebten Generation im Besitz der Familie. Beide Firmen exportieren ihre Produkte in alle Welt.

"Jeder Grappa ist anders"

Aufschlussreich ist der Besuch der Destillerie Poli in einem unter Denkmalschutz stehenden Landhaus in Schiavon. In geräumigen Kellergewölben kann man alles über die Grappe erfahren, "von denen", wie ein Führer sagt, "jeder anders ist". Grappa und Traubenbrand, aromatischer und aromatisierter, alter und barriquegereifter - alle Unterschiede werden angesprochen. Den überzeugenden Nachweis liefert dann die Verkostung.

Vincenza, am Zusammenfluss von Retrone und Bachiglione am Fuß des Monti Bèrici gelegen, ist Provinzhauptstadt mit Bischofssitz und "Herz des Veneto". Die 115000 Einwohner zählende Stadt ist ein Zentrum der Schmuck- und Bekleidungsindustrie. Für die Besucher glänzt sie vor allem durch die Anzahl und die Pracht ihrer klassizistischen Paläste. Palladio schuf so imposante Meisterwerke wie die Basilika, die Paläste Chiericati (Städtisches Museum mit einer Sammlung mittelalterlicher Kunst), Barbaran Da Porto, Valmarana Braga Rosa, Thiene Bonin Longare oder das Teatro Olimpico.

Der Corso Palladio, die Hauptschlagader der Stadt, durchzieht das gesamte historische Stadtzentrum mit sich fast nahtlos aneinander reihenden Palästen. Er ist beliebter Treffpunkt und außerdem die wichtigste Einkaufsstraße. Beim Bummel entdeckt man jedoch auch enge Gassen mit typisch venezianischen Häusern oder unvermutet auftauchende Kanäle mit schönen Brücken. Vicenza und die 26 Villen des Palladio im Veneto wurden in die Liste des Weltkulturerbes der Unesco aufgenommen, darunter auch die am Stadtrand liegenden Villen Valmarana ai Nani oder La Rotonda und die Wallfahrtskirche Madonna die Monte Bèrico. Für die Erkundung bei einem Spaziergang sollte man sich Zeit lassen. Von der Aussichtsterrasse der Wallfahrtskirche kann man auch einen schönen Ausblick auf die Stadt genießen.

Ein Erlebnis ganz anderer Art ist ein Abstecher zum Weingut Pieriboni in Montebello Vicentino. Der 25 Hektar große Betrieb befindet sich am Fuß des Gambellara-Berges. Die Brüder Giovanni und Paolo Pieriboni kultivieren dort köstliche DOC-Weine, so den Gambellara Classico, den in dieser Gegend absolut typischen Recioto die Gambellara und den Vin Santo (Dessertwein). Ihre Weine bei ihnen zu Hause mit landestypischen Gerichten zu verkosten, ist stimmungsvoll. Bei Voranmeldung kann man frühmorgens im Weinberg ein typisches Landfrühstück genießen oder auch bei der Weinlese helfen. Nach der Ernte bekommt man dann eine Flasche Wein zugeschickt.

www. imatur.de

www. pieriboni.com

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