http://www.badisches-tagblatt.de/weihnachtsabo/index.html
Unterwegs im Land der Khmer
23.11.2012 - 17:01 Uhr
Von Daniela Jörger

Pov Buutha hat keine Erinnerung seine Familie. Zwölf Familienangehörige, darunter auch seine Eltern und Geschwister, fielen dem Terrorregime der Roten Khmer (1975 bis 1979) unter Pol Pot zum Opfer. Er, der heute als Fremdenführer im Königreich Kambodscha arbeitet, wurde selbst im Alter von sieben Jahren in ein Umerziehungslager gesteckt und wegen Malaria nach zweieinhalb Jahren entlassen. Lange Zeit kannte er nicht einmal sein Geburtsdatum, bis er Jahre später einen überlebenden Cousin traf. Wer heute eine Reise nach Kambodscha unternimmt, kommt um die bedrückende Geschichte des Landes mit zahlreichen Bürgerkriegen, dem Vietnamkrieg und eben dem Pol-Pot-Regime nicht herum. "Es gibt keine Familie, die nicht betroffen ist", erzählt Buutha. Zwischen zwei und drei Millionen Menschen starben schätzungsweise unter den Roten Khmer, genaue Angaben gibt es nicht. Pol Pot ließ die Intelligenz und buddhistische Geistlichkeit ausrotten und katapultierte das Land zurück in die kommunistische Steinzeit. Bis heute gilt es als eines der ärmsten in Asien, doch die Aufholjagd hat längst begonnen. Einen starken Part spielt dabei auch der Tourismus.

Lebendig wird die Geschichte zum Beispiel im berüchtigten Gefängnis "S21" in Phnom Penh, das heute ein Museum ist. Im Garten trifft man fast täglich auf einen oder zwei der nur sieben Überlebenden, die von ihren Erlebnissen erzählen, ihre Bücher verkaufen und so die Erinnerung wach halten. Wenn auch bedrückend - ein Besuch eines der 389 "Killing Fields" sollte nicht fehlen, um das Land und seine Leute besser zu verstehen.

Denn wer heute zum Beispiel einen Bummel durch das pulsierende Phnom Penh mit seinen rund zwei Millionen Einwohnern unternimmt, kann sich nicht vorstellen, dass dort noch in den 1980er Jahren Leere und Trostlosigkeit regierten. Deutlicher ist die größer werdende Schere zwischen Arm und Reich: Teure Geländewagen drängen sich mit zigtausend Tuk-Tuks durch die Straßen, gute Restaurants liegen neben Straßenständen, edle Boutiquen neben heruntergekommenen Geschäften. Das Nachtleben spielt sich vor allem in der 51. Straße ab, nett ist auch ein Spaziergang entlang der Riverfront mit Blick auf den Zusammenfluss von Mekong und Tonle Sap. Dort verbringen auch gerne einheimische Familien am Abend einige Stunden.

Ein touristischer Anziehungspunkt der Hauptstadt ist der Kaiserpalast mit der schönen Gartenanlage, Palästen und Tempeln, allem voran der berühmten Silberpagode. Sie hat ihren Namen von mehr als 5000 massiv-silbernen Fliesen als Bodenbelag. Zu sehen ist davon allerdings nicht viel, ein großer Teppich ist als Schutz ausgerollt. Sehenswert ist das Nationalmuseum mit der historischen Khmer-Kunst und dem schönen Garten im Innenhof, ein Erlebnis das turbulente Treiben in der zentralen Markthalle des Psah Thmei mit ihrer Art-Deco-Kuppel. Sie ist eine der größten der Welt.

Über rund 500 Kilometer bahnt sich der Mekong seinen Weg durch Kambodscha. Von Laos kommend, trifft er im Norden des Landes auf den Tonle Sap, den größten See des Landes. Dieses Zusammentreffen führt zu einem immer wiederkehrenden Kuriosum der Natur: Während der Tonle Sap - wie es sich gehört - viele Monate in Richtung Meer in den Mekong abfließt, schwillt der Mekong zur Monsunzeit so stark an, dass die Wassermassen in den See drücken - der Fluss dreht um. Ab November entleert sich der Tonle Sap dann erneut und alles hat wieder seine Ordnung.

Im Norden Kambodschas liegt auch der größte Schatz des Landes: Die Tempel von Angkor. Von der vier Kilometer entfernten touristischen Hochburg Siem Reap strömen die Massen tagtäglich durch die historischen Anlagen der Khmer-Könige.

Trotzdem: Zwei bis drei Tage sollte man sich schon Zeit nehmen, um das Unesco-Weltkulturerbe in seiner ganzen Pracht zu erkunden. Ein großer und ein kleiner Rundweg führen durch die kulturhistorisch bedeutenden, einzigartigen Anlagen mit ihren unzähligen Tempeln zu den bedeutendsten Heiligtümern. An erster Stelle steht der Angkor Wat, der als das großartig ste Bauwerk der Khmer-Klassik und als einer der schönsten Monumente der Welt gilt. Über seinen Zweck sind sich die Experten bis heute nicht einig. Es empfiehlt sich, ihn einmal zu umrunden, um seine gewaltige Ausdehnung zu erfassen.

Einen Abstecher wert ist die Provinzhauptstadt Kompong Chhnang mit ihrem quirligen Fischereihafen und Pfahlbau-Siedlungen am Tonle Sap. Auf dem Weg Richtung Süden nach Vietnam dehnt sich der Mekong immer mehr aus und wird zu einem viele Kilometer breiten Strom. Ein guter Teil des Lebens der Menschen spielt sich auf dem Wasser ab. In vielen idyllischen Seitenarmen leben die Menschen in schwimmenden Häusern.

Vierter und letzter Teil nächsten Samstag

im Magazin: Vietnam

BeiträgeBeitrag schreiben 
www.volksbank-baden-baden-rastatt.de/bt
Umfrage

Die Temperaturen klettern laut Vorhersage im Laufe der Woche auf 16 Grad. Machen Ihnen die Temperaturschwankungen zu schaffen?

Ja.
Nein.
Ab und zu.

Wetter in Mittelbaden


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen