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Der Kaiser mit dem grünen Daumen
23.11.2012 - 17:10 Uhr
Von Irene Schröder

Dem wahrhaft weisen hochsinnigen Kaiser, welcher sich in diese, von ihm wunderbar gepflegten Gärten von den Regierungsgeschäften zur Erholung zurückzog. Er kannte die Namen und Abstammung der Pflanzen und Bäume. Sein frommer und einfacher Sinn pflegte sich an der Naturschönheit seines Aufenthaltsortes und an den ländlichen Unterhaltungen zu ergötzen." Die Widmung an der Monumentalbüste huldigt Kaiser Franz II./I. (1768-1835) als Schöpfer einer der großartigsten österreichischen Parklandschaften im Stil der Gartenarchitektur des 18. und 19. Jahrhunderts, dem Schlosspark von Laxenburg. Seit dem Jahre 1306 befand sich die Schlossanlage Laxenburg - rund 15 Kilometer von der Hauptstadt entfernt - im Besitz der kaiserlichen Familie und wurde im Laufe der Jahrhunderte auf die heutige Größe von 280 Hektar Schritt für Schritt ausgebaut.

Es war keineswegs nur eine kaiserliche Laune, das Ferienquartier am Rande des Wienerwalds mit einem prachtvollen Park zu umgeben: Der Kaiser hatte wie alle Habsburger in seiner Jugend ein Handwerk gelernt und sich für die Gärtnerei entschieden. Zeitgenossen berichteten, der Monarch habe in einfacher Kleidung und mit einer Schürze versehen selbst kräftig an der Vollendung seines Traums mitgearbeitet: Die barocken Anlagen aus der Zeit Maria Theresias und der Landschaftsgarten Kaiser Joseph II. mit einem romantisch-historisierenden Park zu einem harmonischen Gesamtkunstwerk zu verschmelzen, das auch der Öffentlichkeit zugänglich sein sollte.

Von dieser großzügigen Geste profitieren heute die Touristen. Das dazugehörige Schloss Laxenburg, das vor allem durch die "Nutzung" durch die Rote Armee schwer beschädigt wurde, ist allerdings nicht mehr öffentlich zugänglich, es beherbergt das Österreichische Filmarchiv. Hier verbrachten übrigens sowohl Kaiser Franz Josef und Kaiserin Elisabeth als auch ihr Sohn Kronprinz Rudolf und seine Frau Stephanie ihre Flitterwochen. Stephanie fand es scheußlich, was wohl nicht nur am Schloss lag, "Sisi" versetzte ihren Hofstaat in Angst und Schrecken, weil sie oft stundenlang hoch zu Ross im Park verschwand.

Auf eine Schlossbesichtigung muss der heutige Gast aber keineswegs verzichten: Auf über zehn Kilometern gepflegten Waldwegen gelangt man zur "Franzensburg", auch als "kleines Schatzhaus Österreichs" bekannt. Franz II./I. liebte das Mittelalter und ließ sowohl einen Turnierplatz, der noch heute für Ritterspektakel genutzt wird, als auch eine Rittergruft und eine Grotte neben der Burg anlegen. Die - niemals bewohnte - Burg wurde mit Kostbarkeiten aus dem gesamten Reich ausgestattet, die bei täglichen Museumsführungen bewundert werden können. Manchmal trieb der Historismus auch seltsame Blüten. So pflegte ein im Verlies schmachtender Gefangener dank einer ausgeklügelten Mechanik regelmäßig erschreckte Hofdamen in Ohnmacht fallen zu lassen ...

Außer Atem werden Untrainierte den 360 Grad Panorama-Blick vom Hohen Turm der Burg von Wien über den Wienerwald bis zum Schneeberg und das Leithagebirge genießen - 160 Stufen sind zu bewältigen. Ein besonderes Erlebnis bei Vollmond! Wer nicht so hoch hinaus will - was aber schade wäre - kann sich an Land sportlich betätigen, beim Bootsverleih ein Ruder-, Tret- oder Elektroboot ausleihen oder das Waldbad benutzen. Bequem lässt sich die romantische Gartenlandschaft mit ihren vielen Attraktionen wie kleinen Tempeln, dem Grünen Lusthaus oder dem "Haus der Laune" in der Kutsche oder in der Panoramabahn erleben. Und wer noch mehr Kultur möchte, kann an den Wochenenden im Juli und August vergnügte Stunden bei den "Komödienspielen in der Franzensburg" verbringen.

In Schloss Laxenburg wurde übrigens auch Kronprinz Rudolf (1858-1889) geboren, der in einem anderen Wienerwald-Schloss gemeinsam mit seiner 17-jährigen Geliebten, der Baronesse Mary Vetsera, Selbstmord beging. Das Jagdschloss Mayerling, rund 30 Kilometer südlich von Wien gelegen, wurde unmittelbar nach dem für viele immer noch rätselhaften Freitod des Thronfolgers in ein Kloster umgewandelt, in dem Karmeliterinnen ihr streng abgeschiedenes Leben führen und für das Seelenheil des unglücklichen Prinzen beten. Das Schlafzimmer, in dem die beiden Leichen gefunden wurden, dient heute als Kapelle. Der Raum nebenan, in dem sich der berühmt-berüchtigte Kutscher Bratfisch aufhielt, beherbergt heute als Seitenkapelle unter anderem eine von einem Messer durchbohrte Madonna, die wie eine Vorwegnahme des tödlichen Attentats auf Kaiserin Elisabeth am Genfer See am 10. September 1898 wirkt. In einem Nebenraum der Sakristei werden Erinnerungsstücke an dieses düstere Kapitel der Habsburger-Geschichte aufbewahrt. Besonders makaber wirkt der Prunksarg, in dem die Leiche der Baronesse auf dem Friedhof von Heiligenkreuz beigesetzt wurde. Das Grab wurde 1945 von Soldaten der Roten Armee aufgebrochen. Zunächst hatte die kaiserliche Familie das unglückliche Mädchen in einem einfachen Holzsarg blitzschnell auf dem Friedhof verscharren lassen.

Geschichte und Geschichten quer durch die Jahrhunderte kreuzen im Wienerwald immer wieder die Pfade für Wanderer, Radfahrer oder Mountainbiker. Klöster, Kirchen, Schlösser, Thermen und eine Landschaft voller Naturschönheiten: Wer so viel sieht und besichtigt, braucht ab und zu auch eine Stärkung - zum Beispiel an der "längsten Schank der Welt", auf der Genussmeile in der Thermenregion Wienerwald. Zwölf Weinbaugemeinden und über 80 Winzer bieten entlang des 1. Wiener Wasserleitungswanderweg am 8. und 9. sowie am 15. und 16. September Most, "Sturm" und Wein sowie typische Schmankerln an. Wer sich nicht auf die beiden Wochenenden beschränken möchte, hat während des bis zum November dauernden "Weinherbstes im Wienerwald" oder bei der traditionellen Most- und Traubenkur im September sowie bei zahlreichen Festen - zum Beispiel beim Leopoldsfest am 15. November in Klosterneuburg - reichlich Gelegenheit, Wein und Kulinarik zu genießen.

www.wienerwald.info

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