http://www.badisches-tagblatt.de/weihnachtsabo/index.html
Obertilliach: Ein Dorf in Österreich wie aus dem Bilderbuch
23.09.2014 - 18:24 Uhr
Von Michael Stephan

und Thomas Riedinger

Wenn Helmut Egartner seine Lodenrobe anzieht, den dunklen Hut aufsetzt, nach seiner Hellebarde mit dem blank gewetzten Haken für die kerzenbeleuchtete Laterne greift, können sich die 796 Einwohner Obertilliachs sicher fühlen. Dann dreht ihr Nachtwächter wieder seine Runde.

Seit dem Jahr 2000 erfüllt der 65-jährige als Nachfolger des unvergessenen Pepi Lienharter sein Ehrenamt mit Leib und Seele. Schließlich gehört er der Europäischen Nachtwächter und Türmerzunft an. In dieser 1987 im dänischen Ebeltroft gegründeten Gemeinschaft befindet sich Egartner in bester Gesellschaft: Die Gilde bündelt 157 Nachtwächter und Türmer aus ganz Europa, nur einen gibt es noch in Österreich: Helmut Egartner in Obertilliach. Der Schnee knirscht unter jedem seiner Schritte, wenn der Nachtwächter in den dunklen Gassen des idyllischen Bergdorfs nach dem Rechten sieht. Über ihm berühren sich fast die Dächer, so eng stehen die Holzhäuser.

Die dichte Bebauung lässt sich auf den gleichen Ursprung zurückführen wie der Einsatz des Nachtwächters: Angeblich kam es 1344 in Obertilliach zu Streitigkeiten um Weiderechte. Es soll um Wiesen, auf denen nur Stuten mit säugenden Fohlen stehen durften, gegangen sein. Obwohl der Konflikt bald beigelegt war, bauten die Menschen ihre Holzhäuser dicht nebeneinander, um gegen Angriffe gewappnet zu sein und installierten schon im 14. Jahrhundert einen Nachtwächter.

Obertilliach gilt als Perle in Osttirol. Der Ortskern mit den alten Bauernhäusern rund um die mächtige Pfarrkirche, erbaut 1762 bis 1764, war 1978 zur Schutzzone erklärt worden. Immerhin haben diese uralten Gehöfte sämtliche Kriege und Feuer der Jahrhunderte überdauert. Grund genug, den Brauch fortzuführen, einen Nachtwächter zu beschäftigen.

"Hört, Ihr Leut und lasst Euch sagen..." erhebt Helmut Egartner seine Stimme und singt das Lied des Nachtwächters Strophe um Strophe. Er endet mit den Worten: "Gelobt sei Jesus Christus." Einige Menschen, die ihm vom Fenster aus zuhören, antworten: "In Ewigkeit, Amen".

Mit Ole Einar Bjø;rndalen in der Loipe

Obertilliach liegt auf einer Höhe von 1450 Metern im Hochpustertal und gilt als kleines Paradies für Wintersportler. Direkt an den Ort grenzt das familienfreundliche Skigebiet Golzentipp mit rund 16 Kilometer Pisten und einer 6,5 Kilometer langen Rodelbahn. Vor allem Anfänger und weniger geübte Skifahrer finden dort nahezu ideale Bedingungen. Der "Pistenzauber" beginnt praktisch vor der Haustür. Und da der Golzentipp auf der Südseite des Alpenhauptkamms liegt, gehört die Sonne fast zum täglichen Begleiter auf den Pisten und Terrassen.

Langläufer fühlen sich auf den umliegenden Loipen wohl - angebunden ist das Netz unter anderem an die 60 Kilometer lange Grenzlandloipe. Nicht umsonst hat Biathlon-Rekordler Ole Einar Bjø;rndalen in Obertilliach seinen Wohnsitz. Da versteht es sich von selbst, dass auch ein Biathlon-Zentrum in der Nähe liegt.

Familien haben bei einer Pferdeschlitten-Fahrt durch die beschauliche Landschaft am Fuß des Kartitscher Sattels ihren Spaß und auf dem Eisplatz drehen die Kufenkünstler ihre Kreise. Nicht nur aufgrund seines denkmalgeschützten Ortskerns gehört Obertilliach zu den schönsten und bemerkenswertesten Ortschaften im gesamten Alpenraum.

Im Sommer gilt Obertilliach als "Outdoor-Spielplatz" mit vielseitigen Möglichkeiten für Aktivurlauber: Paragliding, Klettern Rafting, Kajak oder Canyonig gehören zu den beliebten Angeboten. Zu den bekanntesten Wanderwegen zählt der 155 Kilometer lange Karnische Höhenweg mit seinen idyllischen Hütten, der nahe am Dorf vorbei führt.

Und wenn einem nach der Wintersportsaison dort ein freundlicher Norweger begegnet, kann es eigentlich nur der sympathische Bjø;rndalen sein, der sich dann schon wieder auf den nächsten Biathlon-Wettbewerb vorbereitet - ohne Gewehr versteht sich!

BeiträgeBeitrag schreiben 
www.volksbank-baden-baden-rastatt.de/bt
Umfrage

Jeder Bundesbürger produziert jährlich 37,4 Kilogramm Abfall aus Plastikverpackungen und damit mehr als der EU-Durchschnitt. Versuchen Sie, Plastikmüll zu vermeiden?

Ja.
Gelegentlich.
Nein.

Wetter in Mittelbaden


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen