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Hundertwasser, da Vinci und die Bierzwerge
16.10.2014 - 17:40 Uhr
Von Irene Schröder

Die goldene Kuppel ist schon von weither über die Hopfenfelder sichtbar und weist keinerlei Ähnlichkeit mit den in Niederbayern sonst üblichen Kuppeln der zahlreichen Kirchen und Klöster auf. Und dann wird es richtig bunt unter dem weiß-blauen Bayernhimmel: 30 Meter strebt der knallbunte Turm mit der Kuppel in die Höhe, der es mittlerweile in das Stadtlogo des Städtchens Abensberg geschafft hat. Deren 13000 Einwohner verdanken einem prominenten Künstler und einem Brauerei-Inhaber mit Kunstsinn und bayerischen Dickschädel internationales Flair.

Vor dem Jahr 2010 war Abensberg - mitten in der Hallertau gelegen - wohl nur Bierliebhabern bekannt, denn hier befindet sich eine der ältesten Brauereien der Welt. Seit über 700 Jahren sind die "Kuchlbauer"-Braurechte verbürgt, seit den 70er Jahren hat sich die Brauerei auf Weißbiere spezialisiert. Dass zum An- gebot auch die Sorte "Turm Weisse" - bernsteinfarben, mit Rest- süße und fein- würzigem Aroma - ge- hört, ist Leon- hard Salleck zu verdanken: Als der Diplomingenieur für Brauwesen und Betriebswirt vor 20 Jahren merkte, auf welch großes Interesse die Führungen durch die "Bierwelt" stießen, ließ ihn die Idee nicht los, die Brauerei in ein Kunstwerk zu verwandeln, modernste Brautechnik mit Kunst und Philosophie zu verbinden. Seine Liebe zu Gartenzwergen schlug sich beispielsweise in den Bierzwergen nieder, die den Besuchern einige märchenhafte Geheimnisse der Braukunst nahebringen. Im ehemaligen Kellergewölbe ließ Salleck eine Kopie von Leonardo da Vincis "Abendmahl" in Originalgröße anbringen. Die Geheimnisse dieses Bildes enthüllt er in dem Buch "Der Schlüssel zu Leonardo da Vincis Abendmahl", das Besucher der Bierwelt erwerben können.

Den niedlichen Bierzwergen verdankt die Brauerei ihre größte Attraktion: Als "Hommage an das Bier" wüschte sich Leonhard Salleck einen Turm - gestaltet von niemand Geringerem als dem berühmten Friedensreich Hundertwasser. Als er sich 1998 an den Künstler wandte, holte er sich erst mal eine Abfuhr, ließ aber nicht locker. Die Zwerge gaben den Ausschlag: Hundertwasser liebte die kleinen Helfer und stimmte im Jahr 2000 - kurz vor seinem Tod - dem Projekt zu. Der ihm eng verbundene Architekt Peter Pelikan übernahm die Bauausführung mit den für Hundertwasser typischen organischen Formen, gewellten Böden und bunten Mosaiken. Nicht eine gerade Linie ist in dem Turm zu finden - schließlich hatte der "Meister" die Gerade als "gottlos" deklariert - die geschwungene Linie entsprach seinem Sinn für natürliche und menschenfreundliche Schönheit. Benötigt wurden dafür etwa 1000 Kubikmeter Beton und 150 Tonnen Stahl, rund fünf Millionen Euro und besagte Dickköpfigkeit: Zwölf Jahre dauerte es, bis sich der Traum von der "Hommage an das Bier" erfüllt hatte.

Hier haben nicht nur die geliebten Zwerge, sondern auch die größte Weißbiergläser-Sammlung der Welt, die Weltkugel, ein Lebensbaum und das Taufkleid Leon Sallecks samt Baummietern ihr Domizil gefunden, es gibt Filmvorführungen und eine Schatzkammer für Kinder sowie einen weiten Blick über die liebliche Hallertau.

Dass der Besucher - rund 50000 pro Jahr - anschließend Hunger und Durst verspürt, ist nicht unerwünscht: Ein zünftiger Biergarten im Hundertwasser-Stil gehört zur Brauerei.

Ebenfalls noch auf dem Gelände befindet sich eine ehemalige Stadtvilla, die

Peter Pelikan in ein begehbares Gesamtkunstwerk im Sinne seines Freundes Hundertwasser verwandelte. Hier sind unter anderem bedeutende Originalgrafiken des österreichischen Künstlers und Umweltschützers zu bewundern. In Video- und Tonaufnahmen ist der Meister persönlich zu erleben, und im angeschlossenen Shop sind sowohl künstlerische Produkte à la Hundertwasser als auch bodenständige Kuchlbauer-Produkte zu erwerben. Mit einiger Skepsis hatten die Abensberger ihrer neuen Attraktion entgegengesehen - der Turm fällt halt eindeutig aus dem Rahmen. Aber wie meinte der damalige Wirtschaftsminister Martin Zeil bei der Einweihung: "Dubai mag den höheren Turm haben, Abensberg aber den schöneren!"

Infos: Brauerei zum Kuchlbauer GmbH&Co., Römerstraße 5-9, 93326 Abensberg, (09443) 910110, Öffnungszeiten 10 bis 19 Uhr, Kombiticket für Erwachsene 18 Euro, Familienkarte 44 Euro.

www.kuchlbauer.de

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