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Den "Saupreißn" Laune machen
Den 'Saupreißn' Laune machen
23.10.2014 - 16:09 Uhr
Von Anja Groß

Ihr seid's aus Baden-Baden?" Susanne Plassmann strahlt uns an, als könnte sie sich kaum etwas Schöneres vorstellen, um dann mit einem abfälligen "Ach, auch das noch!" gleich alles wieder zunichtezumachen. Wer nicht besonders auf Stadtrundfahrten steht, bei denen in 90 Minuten ein Ritt durch mehrere Jahrhunderte Kunst- und sonstige Geschichte Pflichtprogramm ist, der befindet sich an diesem Samstagabend um 20.30 Uhr mit uns zusammen am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) in der Arnulfstraße 21, Haltestelle 7, in München - zur Comedy-Tour durch die bayerische Landeshauptstadt. Also ist klar: Spaß muss sein, und einen Spaß muss verstehen und mitmachen, wer sich angemeldet hat. Immerhin: Der Bus ist voll, bis auf zwei Münchner und vier Rosenheimer allerdings lauter "Saupreißn", wie Susanne Plassmann beim Durchfragen feststellt. Auch egal! Gut drauf sind wir trotzdem. Wer nicht, dem wird mit dem gesponserten "Hellen" Laune gemacht.

Zunächst gibt es jedoch noch Regieanweisungen. Wenn Susanne sagt "links" und dabei nach links zeigt, müssen wir alle laut "aaa" staunen, auf der rechten Seite "ooo". Einmal geübt, alles sitzt, dann kann es losgehen zur 90-minütigen Tour, wobei Susanne uns schon vorwarnt: "München ist ein Dorf!"

Damit starten wir in die "sicherste Stadt Deutschlands, wo auf einen Dealer drei Zivilpolizisten kommen und die Wasserwerfer den dreifachen Stuttgarter Druck haben". Susanne gewährt einen Blick nach links in die Dachauer Straße (quasi das St. Pauli von München), was wir brav mit einem "aaa" quittieren und dabei erfahren, dass dort "die kleinste Trainingseinheit des FC Bayern" abgehalten wird. Dass es in der "Bierweltstadt" sechs Brauereien gibt, wissen die "Saupreißn" zumindest, doch

statt Lob ernten die Rheinländer nur ein hämisches "Alt werden wir von alleine" und "Kölsch wurde sowieso nur erfunden, weil Bayer den Absatz seiner Kopfschmerztabletten erhöhen wollte". "Eins, zwoa, gsuffa!"

Aber was will man von Preußen auch erwarten? Noch nicht mal katholisch sind die, dabei ist das in Bayern Bürgerpflicht! Kurzerhand tauft Plassmann alle im Bus mit Adelholzener (Wasser). Und auch gesungen wird bei der Comedy-Tour: "Danke für diesen guten Abend", stimmen alle in das Kirchenlied ein, woraufhin Susanne feststellt: "Jetzt seid ihr fast katholisch." Vorbei geht es am Nymphenburger Schloss ("Das hat der Kurfürst seiner Frau zur Geburt des Sohnes geschenkt - andere kriegen einen Dammschnitt!") nach Schwabing. Wer da durchfährt, muss natürlich mit "Bussi-Bussi" vertraut gemacht werden. Kein Problem: Susanne "beschlagnahmt" Dirk "zu Demonstrationszwecken", während wir anderen unterm Siegestor eine Runde jubeln.

Da muss man natürlich an Münchner Legenden erinnern. Oder an legendäre Reden wie die Transrapid-Rede von Edmund Stoiber. "Wenn Sie vom Hauptbahnhof in München ... mit zehn Minuten, ohne, dass Sie am Flughafen noch einchecken müssen, dann starten Sie im Grunde genommen am Flughafen ... am ... am Hauptbahnhof in München starten Sie Ihren Flug", stotterte der damalige Ministerpräsident beim Neujahrsempfang der Münchner CSU im Januar 2002 ins Mikrofon. Da bleibt im Bus kein Auge trocken.

Was jetzt noch fehlt? Ein Bayerisch-Schnellkurs natürlich. Danach sind wir auch befähigt, "Schickeria" und "Skandal im Sperrbezirk" mitzugrölen. Zum Abschied gibt es für jeden eine Massage - hat Susanne alles im VHS-Kurs gelernt -, alle werden noch mal gedrückt (wer Körperkontakt scheut, sollte nicht in den Comedy-Bus einsteigen) - und wie im Flug sind die 90 Minuten rollende

Stand-up-Comedy vorbeigegangen.

"Wissen wir jetzt mehr über München?", fragt ein "Saupreiß" doch schließlich ganz ketzerisch beim Aussteigen. "Nee", entgegnet sein Nachbar, "aber lustig war's"! Alsdann ...

Info: Comedy-Tour: Jeden Samstag ab 20.30 Uhr und an ausgewählten Freitagen. Buchung: (040) 30033790 für 29 Euro pro Person. Die rollende Comedy-Show gibt es auch in Hamburg, Dresden, Köln und Berlin.

www.comedytour.de

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