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Besonderer Zauber und Lichterglanz
01.12.2014 - 18:14 Uhr
V on Thomas Riedinger

In Sélestat soll im Jahr 1521 der erste Weihnachtsbaum der Welt gestanden haben, vier Schillinge habe der damalige Förster bekommen haben, so ist in einer Urkunde der Humanistischen Bibliothek nachzulesen. Vielleicht sind im Elsass die Christbäume deshalb besonders bunt und der Ehrgeiz groß, auf dem Place Kleber in Straßburg den größten "Sapin de Noël" Europas aufzustellen.

30 Meter ist die Tanne in diesem Jahr hoch, sieben Tonnen schwer, vier Wochen lang wurde sie geziert. Zum ersten Mal nach 20 Jahren war dafür nicht die elsässische Künstlerin Antoinette Pflimlin, Tochter des früheren Straßburger OB Pierre Pflimlin, verantwortlich.

50 Jahre nach dem Verkauf des ersten Weihnachtsbaums im südlichen Elsass soll man sich rund um das Straßburger Münster im Jahr 1570 zu einem ersten "Christkindlsmärik" betroffen haben, er gilt als ältester Weihnachtsmarkt Europas. Rund 300 Buden auf elf verschiedenen Plätzen machen Straßburg inzwischen zur "Europäischen Weihnachtshauptstadt". Die Gassen und Straßen sind mit prunkvollen Kronleuchtern verziert, riesige Eisbären und Märchenfiguren an Hauswänden und auf Balkonen lassen nicht nur Kinderherzen höher schlagen.

Der wohl bekannteste Weihnachtsmarkt schmiegt sich um die Cathédrale Notre-Dame, das prächtige Münster, das im kommenden Jahr den 1000. Geburtstag feiern wird und schon zur Adventszeit in einem besonderen Jubiläumsglanz erstrahlt. Das romanische Baumwerk und auch das historische Altstadtviertel gehören zum Weltkulturerbe der Unesco.

Auf der Place d'Austerlitz bieten Bäcker und Konditoren aus dem Elsass klassische Bredele, aber auch andere Leckereien an. Der Platz auf der anderen Seite der Ill verwandelt sich alljährlich in einen "Markt der Weihnachtsgenüsse". Und auch einige Winzer haben sich zum "Bredelemarkt" gesellt und servieren ihren Gästen dort Glühwein mit dem Rebensaft aus elsässischen Weinkellern - rot und sogar weiß.

Ein "Dorf des Teilens" haben caritative Einrichtungen auf der Place Kleber eingerichtet und bieten dort unter anderem Handwerkskunst und Spezialitäten aus Ländern der Dritten Welt. Auf der Place Gutenberg präsentieren sich Gäste aus einem jeweiligen Partnerschaftsland der Straßburger Weihnacht - in diesem Jahr ist dies Belgien. Sie servieren dort Leckeres für den Gaumen und Musik.

Der älteste Weihnachtsmarkt in Straßburg ist auf der Place Broglie zu finden: Über den Charme von Christbaumkugeln in pink und rosa, blinkende Lichterketten und Zipfelmützen lässt sich streiten, nicht jedoch über die funkelnden Kinderaugen, die dort Miniatur-Karussells, Holzspielzeug und überdimensionale Lebkuchenherzen bewundern.

Elsässische Spezialitäten bieten Bauern und Produzenten auf der Place des Meuniers im Gerberviertel Petite France - Pãté de Foie gras (Gänseleberpastete), Marmeladen, Käse, Weine und Kräuter beispielsweise. Auch deshalb liegt Straßburg im "Land der Aromen" und genießen kann man diese natürlich auch in den umliegenden Restaurants und "Winstuben" in der festlich geschmückten Altstadt rund um das Münster.

Doch nicht nur in der schmucken europäischen Metropole, auch über die Vogesen, das Rheintal und die vielen historischen Fachwerkdörfer legt sich in diesen Tagen ein merkwürdiger Zauber: Das Elsass ist in sieben weihnachtliche Länder mit unterschiedlichen Themen, Dekoartionen und Veranstaltungen aufgeteilt - zumindest als Orientierung für die Touristen aus aller Welt.

Rund um Mulhouse im Süden liegt das "Land der Weihnachtslieder und -stoffe", weiter nördlich im Ecomusée d'Alsace feiert man im "Land der Weihnachtsabende" in historischem Ambiente der Bauernhöfe des Freilichtmuseums.

Die vielen kleinen Dörfer der Vogesen, die zur Advents- und Weihnachtszeit wie Sterne leuchten, gaben der Region in der Nähe von Colmar den Namen als "Land der Weihnachtssterne". In Munster, Riquewihr, Ribeauvillé oder Eguisheim kann man sich zudem kulinarisch verwöhnen lassen.

Rund um Sélestat liegt - aus gutem Grund - das "Land des Weihnachtsbaums" und bei Saverne das der "Weihnachtslichter", weil man sich dort für die farbenfrohen Dekorationen wohl besonders viel Mühe gibt.

Und schließlich erreicht man auf der Nord-Südreise durch das Elsass das "Land der Weihnachtslegenden". Christkindel und Hans Trapp prägen die Geschichten und Mythen, die man sich zwischen Wissembourg und Haguenau erzählt: Der Urahn des Weihnachtsmanns und Knecht Ruprechts soll im Forst bei Wissembourg als Johann von Drodt einst Schrecken verbreitet haben. Während der Nikolaus und das Christkind die braven Kinder belohnt, kommt der dunklen Gestalt mit dem großen Sack und den Ketten die Rolle des Bösewichts zu, der die Ungehorsamen bestraft.

Die Region ist für ihr Handwerk bekannt, und so kann man in den Töpferwerkstätten und auf den Märkten in Betschdorf oder Soufflenheim Dekoartionen aus Keramik, kunstvoll bemaltes Steingut und liebevoll gestaltete Krippen bewundern. Hans Trapp aber sollte man in diesen Tagen aus dem Weg gehen.

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