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So klein - und doch so viel los!
07.01.2015 - 17:52 Uhr
Von Irene Schröder

Es klingt stolz und ein wenig trotzig: "Mir wëlle bleiwe, wat mir sinn", lautet der Wahlspruch der Luxemburger, die im Laufe der Jahrhunderte immer mal wieder unterschiedlichsten Herren dienten und es trotzdem irgendwie schafften, ihre Identität zu bewahren. Im Gegensatz zum Elsass, dessen Sprache längst zum Dialekt herabgestuft scheint, der ums Überleben kämpft, spricht der moderne Luxemburger mindestens drei Sprachen - Französisch, Deutsch und Luxemburgisch, das auch bei der jüngeren Generation sehr beliebt ist. "Im Luxemburgischen kann man keine Rechtschreibfehler machen, weil niemand weiß, wie es korrekt geschrieben wird", schmunzelt Fremdenführerin Josette zu Beginn ihrer Tour durch eine der kleinsten Hauptstädte der Welt.

Natürlich könnte man die Stadt auch unter Tage durchstreifen, denn über 23 Kilometer Länge ziehen sich die unterirdischen Wege mit gelegentlichen Ausblicken durch die alten Festungsanlagen des "Gibraltars des Nordens", aber im hellen Sonnenschein präsentiert sich Luxemburg von seiner schönsten Seite. Finanzmetropole? Sitz des Europäischen Gerichtshofs und zahlreicher anderer europäischer Organisationen? Wer durch die Altstadt bummelt, vergisst alle gängigen Luxemburg-Attribute. Zwar fällt der Blick vom Spaziergang auf den alten Befestigungsmauern hinüber nach Kirchberg, das imposante Banken- und Politikviertel, wohin einst die Städter zum Picknick wanderten und das jetzt auch eine architektonische Attraktion ist, aber im alten Zentrum des seit anno 1815 einzigen noch existierenden Großherzogtums der Welt ist genug los, um mehrere Entdeckungstage zu füllen.

Nicht umsonst hat sich die Werbung des Zwergstaats - 537000 Einwohner auf 2587 Quadratkilometern Fläche - den Slogan "Entdecke Luxemburg - überraschend anders" einfallen lassen. Bei der Umsetzung leistet die Luxembourg Card gute Dienste, die den Gratiszugang zu über 60 Sehenswürdigkeiten im ganzen Land bei kostenloser Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel ermöglicht.

Zwar lockt die "Großregion" mit einem umfangreichen Freizeit- und Wanderangebot, Sehenswürdigkeiten wie einer Vielzahl von Kirchen, Burgen und Schlössern, Museen, dem mittelalterlichen Städtchen Echternach, der Gedenkstätte des Schengener Abkommens und ... vom Kunstfreund bis zur erlebnisorientierten Familie kann hier jeder nach seiner Fasson selig werden.

Das Zentrum aller Aktivitäten ist aber natürlich die Stadt Luxemburg, in der 107247 Einwohner auf 51,5 Quadratkilometern leben. Rund 150 Nationen sorgen für internationales Flair, das sich nicht zuletzt in der Gastronomie niederschlägt. Die deftigen Spezialitäten wie "Bouneschlupp" (Bohneneintopf) und "Judd mit Gaardebounen" (Schweinenacken mit Stangenbohnen) und "Mummentaart" (gedeckter Apfelkuchen) sind schwieriger zu finden als spanische Tapas, Sushi, kreolische oder koreanische Gerichte. Entsprechend bunt ist das Sprachengewirr: Die erste Staatssprache ist zwar Französisch, in den Schulen wird aber zuerst Deutsch unterrichtet, Englisch ist überall präsent. Luxemburgisch lernen mittlerweile sogar Ausländer - sie stellen 67 Prozent der Stadtbevölkerung - in speziellen Kursen, vor allem wenn sie großherzogliche Untertanen werden wollen, wie Madame Josette berichtet.

Der beliebte "Herrscher", Großherzog Jean von Nassau, und seine Familie sind in diesen Sommertagen überall präsent: Anlässlich des Nationalfeiertags schmücken Bilder der skandalfreien "Royals" fast jedes Schaufenster. Mit minimalen Sicherheitsvorkehrungen gehen die große Parade, die Feierstunde und der Empfang für das diplomatische Korps über die Bühne: Der Großherzog gibt sich ebenso volksnah wie der Premierminister, der kürzlich die Fremdenführerin zum Erstaunen ihrer britischen Gruppe beim Verlassen seines Amtssitzes zuerst freundlich grüßte.

In den Sommermonaten darf der wunderschöne großherzogliche Palast mit seiner flämischen Renaissance-Fassade und seinen eleganten Prunksälen besichtigt werden. Eine besondere Attraktion sind die Wachsoldaten vor dem Schlosstor, die immer wieder als Fotoobjekte für kichernde Asiatinnen herhalten müssen. Steht nur ein Soldat Wache, ist der Großherzog nicht anwesend, marschiert er im Wechsel mit einem zweiten Uniformierten jeweils 28 Schritte abwechselnd vor dem Schlosstor, hält sich der Landesherr im Palast auf.

Nicht immer gingen die Großherzöge so eng auf Tuchfühlung mit dem gemeinen Volk: "Da drüben, sehen Sie den kleinen Kuppelbau, das war der eigene Bahnhof", erklärt Michael Kottmann beim Kaffee im Bistro des "Hotel International" (Best Western). In der fünften Generation führt seine Familie das direkt gegenüber dem Hauptbahnhof gelegene Viersternehaus "in der besten Lage vom ganzen Land", wie der junge Hotelier stolz betont - seit 1909 idealer Treffpunkt für Geld und Politik.

Hommage an

Nelson Mandela

Um Politik oder vielmehr eine politisch nicht unumstrittene Persönlichkeit geht es auch beim absoluten kulturellen Luxemburger Highlight dieses Sommers, das den kleinen Ausflug nach Esch/Alzette lohnt: Noch bis zum 28. September beherbergt das Musée National de la Rèsistance (Museum des Widerstands) die Ausstellung "From Prisoner to President" - vom Gefangenen zum Präsidenten - über Leben und Werk Nelson Mandelas. Die eindrucksvolle Schau wurde vom Apartheid Museum in Johannesburg "ausgeliehen" und zeigt unter anderem eine Kopie der Gefängniszelle Mandelas auf Robben Island.

Wer lieber in die Geschichte Luxemburgs eintauchen möchte. die auch nicht gerade arm an Helden, beziehungsweise Heldinnen wie der legendären Großherzogin Charlotte (1896 - 1985) ist, wird im Historischen Museum der Stadt fündig: Die über 1000 Jahre Stadtgeschichte werden hier teilweise interaktiv auf sechs Stockwerken lebendig. Die Ausstellung zeigt, dass Luxemburgs Internationalität kein Attribut der Gegenwart ist: Auf Römer und Kelten folgten in den begehrten Festungsbauten Burgunder, Spanier, Franzosen, Österreicher, Holländer und Preußen, um das eigene Gebiet, zuletzt des Deutschen Bundes (1815 - 1867, ) gegen Begehrlichkeiten der Nachbarstaaten zu schützen.

Königlicher Sammler

bezieht "Villa Vauban"

Berühmt wurde Sébastien Le Prestre de Vauban durch seine Festungsbauten im Dienst Ludwig XIV., doch in der nach ihm benannten Villa Vauban sind heute bedeutende Kunstwerke des 17. bis 19. Jahrhunderts zu sehen. Am 12. Juli eröffnet im Kunstmuseum der Stadt Luxemburg die Ausstellung "Königliche Sammellust" mit Schätzen des holländischen "Kunstkönigs" Wilhelm II. (1792-1849) und seiner Frau Anna Pawlowa. Der Monarch war in Personalunion Großherzog von Luxemburg - eine weitere Facette der wechselvollen Geschichte.

Und abends? Die zahlreichen Lokale, die Bars und Diskotheken lassen die müden Füße vergessen - und am schönsten ist es im Sommer ohnehin in einem der vielen Straßenlokale mit internationalem "Open Air Theater".

Infos: Office National Du Tourisme, 68-70 Boulevard de la Pétrusse, L - 1010 Luxembourg, 00352 42 828247,

www. visitluxembourg.com

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