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Mehr als ein Hauch von Riviera
08.01.2015 - 17:48 Uhr
Von Irene Schröder

Er ist zwar nicht der größte See der Schweiz, wenn auch mit einer Gesamtfläche von rund 49 Quadratkilometern der größte See innerhalb eines Schweizer Kantons, aber er spielt für seine Region eine wichtige Rolle. "Magic Moments", zauberhafte Momente, schreibt die Tourismuswerbung dem Thunersee zu und meint damit nicht nur das Angebot für Wassersportler, Radfahrer und Wanderer, das auf und rund um den See geboten wird.

Es herrscht ein besonderes Spannungsfeld zwischen dem See und dem fast dreieckig geformten Berg Niesen, das sich mitten auf dem Wasser tiefenentspannend auswirken soll und bereits wissenschaftlich untersucht wurde - vielleicht profitierte ja anno 1954 auch die deutsche Nationalelf in ihrem Trainingslager in Spiez von diesem Effekt. Direkt gegenüber lockt das Palmendorf Merligen mit einer mediterranen Pflanzenwelt, die ihm den Beinamen "Riviera des Berner Oberlands" eintrug. Von dieser besonderen Atmosphäre ließen sich unter anderem der Maler Ferdinand Hodler, das deutsche Schauspielerpaar Curt Goetz und Valerie von Martens und die große Dame des Kriminalromans bezaubern. Ob sich Agatha Christie bei ihren häufigen Aufenthalten im Grandhotel "Beatus" zu einem ihrer vielen Bestseller inspirieren ließ, ist zwar nicht verbürgt, aber in der Bibliothek mit ihren weinroten Sesseln wird die kriminelle Tradition gepflegt: Bekannte Autoren stellen neue Mordsgeschichten vor, in denen das Haus, und der See eine wichtige Rolle spielen. Bei "After Eight" geben sich außerdem von Oktober bis April 2015 Kabarettisten, Schauspieler, Autoren und Musiker bei den öffentlichen Kulturabenden ein Stelldichein. Genug "Stoff" könnte auch die Geschichte des Hauses liefern, das - unter wechselnden Namen und Besitzern - für fast 400 Jahre Gastlichkeit in Merligen steht und auch von Johann Wolfgang von Goethe 1779 besucht wurde.

Im Sommer dominiert jedoch der See mit seinen vielen Möglichkeiten das Programm: Sogar das Spa erweitert seine "1001"-Angebote aufbauend auf den sechs Säulen Wasser, Wärme, Bewegung, Entspannung, Schönheit und Ernährung um die See-Variante: "Massagen im Freien unmittelbar am See wirken ganz besonders intensiv", stellt Spa-Managerin Jutta Untersberg fest.

Die "Magie" des Sees lässt die Gäste nicht nur entspannen, sondern sogar auf dem Wasser laufen: Aus Mecklenburg-Vorpommern brachte der stellvertretende Hoteldirektor Roland Eckert die Idee zum "Water Walking" mit: Die "Wasserschuhe", mit deren Konstruktion sich einst schon das Universalgenie Leonardo da Vinci beschäftigte, wurden einst in der DDR "top secret" für Kunden in den USA gefertigt. Ein cleverer Mecklenburger entdeckte nach der Wende einige Modelle in einer alten Scheune, bastelte noch etwas nach - und kreierte eine neue Trendsportart, die Eckert an den Thunersee mitnahm. "Sehr leicht zu lernen, in jedem Alter", lobt er die Kunst, trocken über die Wellen zu gleiten - nach etwas Übung.

Trocken bleibt man aber auch bei der Passage mit dem "Beatus"-Hausboot direkt ins alte Ägypten: Auf der Thuner Seebühne gibt sich in diesem Sommer "Aida" die Ehre - nicht als Oper, sondern in der Musicalversion von Elton John und Tim Rice.

Fast zehn Meter ragt der Sphinx-Kopf auf der "schönsten Seebühne Europas" in die Höhe - 70000 Besucher sollen bis zum 28. August die tragische Liebesgeschichte der versklavten Königstochter Aida und des Feldherrn Radames in einer mitreißenden Inszenierung erlebt haben. Unter der Regie von Katja Wolff zeigen die 24 Akteure Musicalaction auf hohem musikalischen Niveau, unterstützt von Chor und Orchester der Thunerseespiele. Der Niesen kann als Pyramide durchgehen, der See wird zum Nil umfunktioniert, die ausgefeilte Technik trotzt - ebenso wie die Zuschauer - Wind und Regen. Wenn es allerdings anhaltend schüttet, geht "Aida" schon mal ersatzlos "baden", denn nur das Orchester ist vor Dauernässe geschützt. Scheint an warmen Sommernächten aber auch noch der Mond auf das Liebesleid von Aida, Amneris und Radames, kennt die Begeisterung des Publikums keine Grenzen.

Doch noch eine andere Dame sorgt in diesem Jahr in Thun für Aufsehen: In Brokatgewändern über dem deutlichen Babybauch empfängt Elisabeth die Besucher zur 750-Jahr-Feier der Stadt im Zähringerschloss. Am 12. März 1264 erteilte die verwitwete Gräfin Elisabeth von Kyburg Thun schriftlich die Stadtrechte in einer so genannten "Handfeste". Das Dokument wird heute im Bürgerarchiv im Thuner Rathaus aufbewahrt. Die für das Mittelalter ungewöhnliche Herrscherrolle der schwangeren Gräfin dauerte allerdings nur sieben Monate: Ihr Sohn starb kurz nach der Geburt, Elisabeth wurde unter die Vormundschaft ihres Verwandten Rudolf von Habsburg gestellt - Ende der Frauenpower.

Mit dem Frauenleben im Mittelalter beschäftigt sich bis zum Jahresende eine Sonderausstellung im Thuner Schloss "Anno 1264 - das Leben der Gräfin von Kyburg." Die Gräfin selbst kommt unter anderem bei den Stadtführungen zu Wort - verkörpert wird sie von der Laienschauspielerin Sandra Kummer. Um aktuelle Frauenpower geht es bei dem "Eventum-Kongress" am 21. und 22. August im Kultur- und Kongresscentrum, veranstaltet von und für Frauen, die in der Öffentlichkeit, aber auch im Hintergrund große Leistungen vollbringen. Zu den Referentinnen zählen unter anderem eine Kampfjet-Pilotin der Schweizer Armee, Spitzensportlerinnen, Unternehmerinnen und Künstlerinnen. Auf dem Programm stehen Firmenbesuche, Workshops und natürlich "Networking". Ein "Elisabethentag" wird am 25. Oktober gefeiert - jede Elisabeth, Liesel oder Eliza wird an diesem Tag in der 43700 Einwohner zählenden Stadt am See mit besonderen Aktionen verwöhnt.

www.thunersee.ch

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